Kei­ne Hin­wei­se auf ak­ti­ve Be­tei­li­gung

Dro­gen­han­del: Schöf­fen­ge­richt Ib­ben­bü­ren spricht Wes­ter­kap­pel­ne­rin von Bei­hil­fe frei

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Mit ei­nem Frei­spruch für die An­ge­klag­te ist am Frei­tag der Pro­zess ge­gen ei­ne 34 Jah­re al­te Wes­ter­kap­pel­ne­rin zu En­de ge­gan­gen. Sie muss­te sich we­gen des Ver­dachts der Bei­hil­fe zum Dro­gen­han­del vor dem Schöf­fen­ge­richt in Ib­ben­bü­ren ver­ant­wor­ten.

Von Er­hard Kur­le­mann

Die Frau und ihr Le­bens­ge­fähr­te wa­ren im No­vem­ber 2015 von der Po­li­zei an­ge­hal­ten wor­den. Im Mo­tor­raum ent­deck­ten die Be­am­ten ei­nen Sack mit rund vier Ki­lo­gramm Ma­ri­hua­na, bei ei­ner spä­te­ren Durch­su­chung wei­te­re rund 500 Gramm in der Ga­ra­ge des Paa­res.

Der 47-Jäh­ri­ge Le­bens­ge­fähr­te ist in­zwi­schen we­gen ver­schie­de­ner Rauschgift-De­lik­te zu drei Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den. Er hat­te am ers­ten Pro­zess­tag als Zeu­ge aus­ge­sagt, die An­ge­klag­te ha­be we­der von dem Ver­steck in der Ga­ra­ge noch von dem Rauschgift-Trans­port et­was ge­wusst. Zwei Po­li­zei­be­am­te, die an der Fest­nah­me des Paa­res in Wes­ter­kap­peln be­tei­ligt wa­ren, be­rich­te­ten vor Ge­richt, der Mann ha­be so­fort aus­ge­sagt, dass „sei­ne Freun­din nichts da­mit zu tun hat“. Sie ha­be ihn le­dig­lich auf sein Drän­gen ge­fah­ren, da er kei­nen Füh­rer­schein ha­be.

Die Staats­an­wäl­tin hat­te in ih­rem Plä­doy­er zehn Mo­na­te Ge­fäng­nis ge­for­dert, die zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den könn­ten. Die Be­weis­auf­nah­me ha­be er­ge­ben, dass die Frau von dem „Tun“ih­res Le­bens­ge­fähr­ten ge­wusst ha­ben müs­se, auch, weil sie schon seit Jah­ren mit die­sem zu­sam­men­le­be. Dass sie sich zu­nächst ge­wei­gert ha­be zu fah­ren, sei ein Hin­weis dar­auf, dass die Frau „zu­min­dest ge­ahnt“ha­be, was ihr Part­ner vor­ge­habt ha­be. Auch ha­be sie der Ge­ruch nach Ma­ri­hua­na stut­zig ma­chen müs­sen.

Der Ver­tei­di­ger plä­dier­te auf Frei­spruch. Es ge­be „kei­nen ein­zi­gen Hin­weis“auf ein ak­ti­ves Tun sei­ner Man­dan­tin. „Das ist aber die Vor­aus­set­zung für Bei­hil­fe.“Au­ßer­dem ha­be die An­ge­klag­te in­zwi­schen ei­ne Aus­bil­dung er­folg­reich ab­ge­schlos­sen und neh­me an ei­ner Dro­gen­the­ra­pie teil – al­les Zei­chen, dass die zwei­fa­che Mut­ter ihr Le­ben um­ge­stellt und im Griff ha­be.

Die Er­klä­rung ih­res Le­bens­ge­fähr­ten sei für ihn glaub­haft, weil er sei­ne Freun­din aus sei­nen Ge­schäf­ten ha­be her­aus­hal­ten wol­len. Der Ge­ruch nach Ma­ri­hua­na sei nach sei­ner Über­zeu­gung nur au­ßer­halb des Wa­gens wahr­nehm­bar ge­we­sen, weil die „Tüte im Mo­tor­raum ei­nen klei­nen Riss hat­te.“Weil es nur Ver­mu­tun­gen ge­be, müs­se sei­ne Man­dan­tin frei­ge­spro­chen wer­den. Die An­ge­klag­te hat­te sich zu den Vor­wür­fen nicht ge­äu­ßert.

Der Vor­sit­zen­de Rich­ter folg­te in der Ur­teils­be­grün­dung der Ar­gu­men­ta­ti­on der Ver­tei­di­gung. Die Be­weis­auf­nah­me ha­be kei­ne Hin­wei­se er­ge­ben, dass die An­ge­klag­te in die „Ge­schäf­te“ih­res Le­bens­ge­fähr­ten ein­ge­weiht ge­we­sen sei. Al­ler­dings: Da die 34-Jäh­ri­ge – un­be­strit­ten – un­ter Dro­gen­ein­fluss das Au­to ge­fah­ren hat­te, muss sie ei­nen Mo­nat auf ih­ren Füh­rer­schein ver­zich­ten und 500 Eu­ro Buß­geld zah­len.

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