Ja oder nein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Zur Per­son: Joa­chim Kies­lich ist Pfar­rer der ka­tho­li­schen Kir­chen­ge­mein­den in Belm und Icker. Kon­takt: au­to­ren@stadt­kir­cheos­nabru­eck.de

Von Joa­chim Kies­lich

Das Le­ben könn­te so ein­fach sein. Aber im­mer wie­der wer­den Ent­schei­dun­gen er­war­tet, und das macht es kom­pli­ziert: Auf wel­che Schu­le soll un­ser Kind ge­hen? Soll­te ich es nicht doch noch mal mit mei­nem Part­ner ver­su­chen?

Wer darf in un­se­rem Land blei­ben, wer wird ab­ge­scho­ben? Wel­che Klei­dung passt zur an­ste­hen­den Fei­er? War­um bin ich in der Kir­che? Manch­mal sind es nur ver­meint­li­che Klei­nig­kei­ten, man­che Ent­schei­dun­gen ver­än­dern ein Le­ben oder brin­gen – wie die­se Wo­che ge­sche­hen – ei­ne Re­gie­rung zu Fall. Klar ist: Oh­ne ein „Ja“oder „Nein“oder ein „Eins, Zwei oder Drei“geht es nicht in un­se­rem Le­ben. Da­bei kann man­che Wahl aus dem Bauch kom­men, ei­ne an­de­re lan­ge über­legt sein.

Doch auch wenn die Wahl manch­mal zur Qu­al wird, kön­nen wir nicht ge­nü­gend dank­bar sein, dass wir ent­schei­den kön­nen und sol­len. Vie­le Men­schen auf der Welt dür­fen nicht selbst über ih­re Zu­kunft ent­schei­den. Es ent­schei­den an­de­re, weil sie Macht über Men­schen ha­ben und ih­nen sa­gen, was an­geb­lich rich­tig ist. Das ist men­schen­un­wür­dig, weil je­der Mensch ei­ne freie Mei­nung hat und nie­mand sich Be­vor­mun­dung wünscht. Al­lein schon des­halb darf ich mich vor schwie­ri­gen Ent­schei­dun­gen nicht drü­cken. Ich soll­te sie klar und ent­schie­den tref­fen. Für mich ist die Aus­wahl der neu­en Schu­he nicht das Pro­blem, son­dern eher die Fra­ge: Wie ge­he ich mit mei­nen Mit­men­schen um? Ge­he ich ih­nen aus dem Weg, oder bin ich bei ih­nen? Das bleibt mei­ne Her­aus­for­de­rung!

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