Wie kam die Ni­xe in den Bl­au­topf ?

Blau­beu­ren und die le­gen­dä­re „schö­ne Lau“im un­ter­ir­di­schen Pa­last

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Von El­ke Schrö­der

Un­se­re „Ach so“-Som­mer­rei­he, in der wir Le­gen­den vor­stel­len so­wie die Or­te, wo sie spie­len, be­schlie­ßen wir mit der Ge­schich­te von der „schö­nen Lau“.

In Schottland lebt man noch heu­te vom My­thos um ein an­geb­li­ches Un­ge­heu­er im Loch Ness. Am Rand der Schwä­bi­schen Alb in Blau­beu­ren hat man da­ge­gen ei­ne nicht ganz so un­heim­li­che Va­ri­an­te zu bie­ten. Dort soll an man­chen Ta­gen ei­ne Was­ser­ni­xe in den Tie­fen des be­rühm­ten Bl­au­t­opfs zu se­hen sein: die sa­gen­haft „schö­ne Lau“, die hier das La­chen wie­der lern­te. So er­zählt es der Dich­ter Edu­ard Mö­ri­ke in sei­ner „His­to­rie von der schö­nen Lau“(1853). Sein Mär­chen be­rich­tet von ei­nem Ge­sche­hen an der Fas­zi­nie­ren­de Farb­spie­le: „wun­der­sa­men Qu­el­le“, dem Bl­au­topf. Hier ent­springt der Fluss Blau, der in Ulm in die Do­nau fließt. 2000 Li­ter schüt­tet die Karst­quel­le – laut Stadt Blau­beu­ren – in der Se­kun­de aus, in Spit­zen­zei­ten sei­en es bis zu 32 000 Li­ter. Auf dem Bo­den des et­wa 20 Me­ter tie­fen trich­ter­för­mi­gen Qu­ell­topfs, der mit sei­nem fas­zi­nie­ren­den Leuch­ten in Blau und Grün noch heu­te die Be­su­cher ma­gisch an­zieht, soll dem­nach ei­ne „Was­ser­frau“mit lan­gen flie­ßen­den Haa­ren“in ih­rem Pa­last mit ih­rem Ge­fol­ge ge­lebt ha­ben.

Nach­dem die schö­ne Lau über ih­re Kin­der­lo­sig­keit in gro­ße Trau­rig­keit ver­fiel, ver­bannt sie ihr Mann, ein al­ter „Do­nau­mix“, mit dem sie am Schwar­zen Meer leb­te, nach Blau­beu­ren. Ih­re Schwie­ger­mut­ter, so er­zählt Mö­ri­ke wei­ter, ha­be ihr zu­vor vor­aus­ge­sagt, dass sie erst ein Kind le­ben­dig zur Welt brin­gen wer­de, wenn sie „fünf­mal von Her­zen“ge­lacht ha­be. Er­löst wird die Was­ser­ni­xe von die­sem Fluch durch die schwä­bi­sche Gast­wir­tin des „Non­nen­hofs“, ei­nen ge­raub­ten Kuss so­wie den Kon­takt zu Blau­beu­rern und de­ren Mun­d­art wie dem schwä­bi­schen Zun­gen­bre­cher „’ s leit a Klötz­le Blei glei bei Blau­be­u­ra,/glei bei Blau­be­u­ra leit a Klötz­le Blei“. Die Was­ser­frau bringt das al­les end­lich wie­der zum La­chen, wor­auf ihr Mann zu ihr zu­rück­kehrt.

Um den Bl­au­topf rank­ten sich schon vor Mö­ri­kes Zei­ten vie­le Sa­gen und Le­gen­den. So spielt der Zun­gen­bre­cher ums „Klötz­le Blei“auf den Glau­ben an, dass der Qu­ell­trich­ter bo­den­los sei. Ei­ne Ni­xe ha­be der Sa­ge nach je­den Ver­such, mit ei­nem Blei­lot die Tie­fe zu mes­sen, ver­hin­dert, in­dem sie das Blei stahl. Für al­le, die bei ei­nem Be­such nach der schö­nen Lau ver­geb­lich im Bl­au­topf Aus­schau hal­ten, gibt es ein Trost­pflas­ter: ei­ne St­ein­skulp­tur von Fritz von Grae­ve­nitz am Ufer an der Ham­mer­schmie­de er­in­nert an die Mär­chen­fi­gur von Edu­ard Mö­ri­ke.

Al­le Tei­le un­se­rer „Or­te und Le­gen­den“-Som­mer­rei­he im In­ter­net auf noz.de/ach­so

der be­rühm­te Bl­au­topf in Blau­beu­ren. Fo­to: co­lour­box.de

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