Kri­tik an ge­plan­ten Lü­pertz-Ka­cheln

Mu­se­ums­di­rek­tor Wei­bel spricht von „Ent­de­mo­kra­ti­sie­rung“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Der Lei­ter des Karls­ru­her Zen­trums für Kunst und Me­di­en (ZKM), Pe­ter Wei­bel, hat sich er­neut ge­gen die re­li­giö­sen Ka­chel­bil­der aus­ge­spro­chen, die der Künst­ler Mar­kus Lü­pertz an neu­en U-Bahn-Sta­tio­nen der Stadt er­rich­ten will. Ei­ne Ab­stim­mung da­zu sei in der Kunst­kom­mis­si­on ver­hin­dert wor­den, die nor­ma­ler­wei­se die Politik be­ra­te, sag­te Wei­bel der „Süd­deut­schen Zei­tung“. „Das ist ei­ne neue Stu­fe der Ent­de­mo­kra­ti­sie­rung.“

Ge­plant ist, in sie­ben Hal­te­stel­len je­weils zwei rund ein mal drei Me­ter gro­ße Ke­ra­mi­k­re­lie­fe zu in­stal­lie­ren. Der Ge­mein­de­rat hat­te dem Kon­zept En­de Ju­li un­ter der Be­din­gung zu­ge­stimmt, dass das Pro­jekt voll­stän­dig pri­vat fi­nan­ziert wird. Lü­pertz will sich in dem Pro­jekt „Ge­ne­sis – Die sie­ben Tage des Herrn“mit der bi­bli­schen Schöp­fungs­ge­schich­te be­fas­sen.

Es hand­le sich da­bei um ei­ne „Sa­kra­li­sie­rung von UBahn-Sta­tio­nen“, kri­ti­sier­te Wei­bel. Er füh­le sich an die Ha­gia So­phia in Istan­bul er­in­nert, die 1931 un­ter Ata­türk in ein Mu­se­um um­ge­wan­delt wor­den war und die Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan jetzt wie­der in ei­ne Mo­schee ver­wan­deln möch­te. Öf­fent­li­che Räu­me wür­den der­zeit „mit christ­li­chen Sym­bo­len be­setzt“, sag­te Wei­bel un­ter Ver­weis auf die De­bat­te um das Kup­pel­kreuz auf dem Ber­li­ner Stadt­schloss. „Das sind all­er­gi­sche Re­ak­tio­nen auf die von Pa­ra­noi­kern ge­fürch­te­te, ver­meint­lich dro­hen­de Is­la­mi­sie­rung des Abend­lan­des.“

Dem Ver­neh­men nach hat die Kunst­ak­ti­on ei­nen Etat von rund ei­ner Mil­li­on Eu­ro. Hin­ter dem Pro­jekt steht der frü­he­re Ge­schäfts­füh­rer der Karls­ru­her Ke­ra­mik­ma­nu­fak­tur Ma­jo­li­ka, An­ton Goll.

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