Mo­dels zwi­schen Sport­wa­gen und De­sign

45 Jah­re deut­sche „Play­boy“-Aus­ga­be – Chef­re­dak­teur: He­le­ne Fi­scher wür­de man­chen Re­kord bre­chen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen Am Sonntag -

Im Au­gust vor 45 Jah­ren er­schien zum ers­ten Mal die deut­sche Li­zenz­aus­ga­be des „Play­boy“. Chef­re­dak­teur Flo­ri­an Boi­tin spricht über die Chan­ce auf ein Shoo­ting mit He­le­ne Fi­scher, Be­reit­schaft für Trans­gen­der-Mo­dels und wo er das Heft vor sei­ner Mut­ter ver­steck­te.

Von Axel Roth­kehl

Als Boi­tin vor acht Jah­ren Chef­re­dak­teur wur­de, schau­te Sohn Fa­bi­an ent­täuscht. „Kannst du nicht beim ‚ki­cker‘ an­fan­gen?“, frag­te der da­mals Neun­jäh­ri­ge. Jetzt, mit 17, sind die druck­fri­schen Ma­ga­zi­ne zum vä­ter­li­chen Lock­mit­tel für Gar­ten­ar­beit ge­wor­den.

Vor zwei Jah­ren hat Boi­tin ei­ne Re­vo­lu­ti­on ver­hin­dert. Die US-Aus­ga­be zeig­te die Mo­dels nicht mehr kom­plett nackt. Im deut­schen Ma­ga­zin rutsch­ten die Hö­schen auch wei­ter­hin. „Die Ab­kehr von den nack­ten Tat­sa­chen ha­ben wir für ei­nen Feh­ler ge­hal­ten. An­spruchs­vol­le Akt­fo­to­gra­fie ist von je­her die DNA des Ma­ga­zins. Sonst ist man kein ‚Play­boy‘ mehr“, sagt der 50-Jäh­ri­ge. In sei­ner Re­dak­ti­on sei das The­ma des­halb nicht lan­ge dis­ku­tiert wor­den. Mitt­ler­wei­le ent­klei­den sich die Frau­en auch in der US-Ver­si­on wie­der ganz.

Für sei­ne, nun ja, kon­ser­va­ti­ve Hal­tung zum Nackt­bild dräng­te ihm das fe­mi­nis­ti­sche Heft „Em­ma“den Ti­tel „Pa­scha des Mo­nats“auf. Boi­tin hat Ali­ce Schwar­zer mehr­fach zum In­ter­view ein­ge­la­den. „Lei­der stellt sie sich Seit acht Jah­ren Play­boy-Chef­re­dak­teur: Flo­ri­an Boi­tin prä­sen­tiert das Ju­bi­lä­ums­heft aus dem Ju­li. Als Schü­ler ver­steck­te er das Heft vor sei­ner Mut­ter.

nicht. Ich be­ob­ach­te bei ihr dies­be­züg­lich ei­ne ver­krampf­te Hu­mor­lo­sig­keit.“

Ein Schmud­del­heft war der deut­sche „Play­boy“nie. „Wir sind durch­aus auch ein ge­sell­schafts­po­li­ti­sches Ma­ga­zin“, streckt Boi­tin die Brust raus. Der Ver­lag en­ga­giert Fo­to­künst­ler wie Hel­mut New­ton, El­len von Un­werth oder Karl La­ger­feld. Schon in den 70er-Jah­ren schrei­ben le­gen­dä­re Au­to­ren wie Will Trem­per für das Blatt. Im Ju­li be­rich­te­te Jay Tuck, der zwölf Jah­re die „Ta­ges­the­men“lei­te­te, über Fahn­dungs­tech­nik zum G20-Gip­fel. Und wenn Gre­gor Gy­si in der am Don­ners­tag er­schie­ne­nen Sep­tem­ber­num­mer über Politik und FKK spricht, dann se­hen die

fünf nicht über­trie­ben be­bil­der­ten Sei­ten eher wie „Der Spie­gel“als „Fo­cus“aus.

Boi­tin ist ein Chef­re­dak­teur oh­ne klas­si­sche jour­na­lis­ti­sche Aus­bil­dung. Er ist stu­dier­ter Di­plom-De­si­gner. „Ich se­he mich als Ma­ga­zin­ma­cher. Es wird erst dann zu ei­ner gu­ten Ge­schich­te, wenn die in­halt­li­che und die vi­su­el­le Ebe­ne zu­sam­men­tref­fen.“Schon als Kind hat Boi­tin auf der Schreib­ma­schi­ne sei­nes Va­ters klei­ne Aben­teu­er­ge­schich­ten ge­schrie­ben und im­mer Platz für ei­ge­ne Il­lus­tra­tio­nen ge­las­sen.

An den The­men lässt sich schnell die Ziel­grup­pe ab­le­sen: teu­re Au­tos, De­si­gner­mo­de und Lu­xusac­ces­soires. Den ge­wöhn­li­chen Ar­bei­ter hat die Re­dak­ti­on of­fen­bar

we­ni­ger im Vi­sier, der kann sich ja den „Würth“-Ka­len­der in die Werk­statt hän­gen.

Wer darf für den „Play­boy“blank zie­hen? Die ge­wöhn­li­che In­ter­es­sen­tin muss sich be­wer­ben, Pro­mi­nen­te wer­den an­ge­spro­chen. Ma­ri­lyn Mon­roe zier­te die ers­te USAus­ga­be, spä­ter zo­gen Iko­nen wie Gra­ce Jo­nes und Nao­mie Camp­bell nach. Heu­te sind auch mal Stern­chen aus Dai­ly So­aps da­bei, die sich ne­ben der Se­ri­en­Knecht­schaft et­was da­zu­ver­die­nen. Und noch ein Un­ter­schied wird beim Blick ins Ar­chiv deut­lich: Frü­her war mehr Scham­haar.

Erst Nackt­fo­to, dann Ima­ge­scha­den? Das muss nicht sein. Iris Ber­ben leg­te schon 1978 die Klei­der ab,

ver­ding­te sich im TV als Ul­k­nu­del („Sketch­up“) und hat noch ei­nen stei­len Image­wan­del zur mo­ra­li­schen In­stanz hin­ge­legt. Schau­spiel­kol­le­gin Na­ta­lia Wör­ner ließ sich 2011 nur mit In­dia­ner­schmuck fo­to­gra­fie­ren und ist heu­te die Le­bens­ge­fähr­tin von Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas. Ei­ne An­schluss­ver­wen­dung im „Dschun­gel­camp“soll­te im­mer drin sein.

Nicht ver­tu­schen

In den letz­ten Jah­ren gab es im­mer wie­der An­fra­gen bei He­le­ne Fi­scher, Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger und Hei­di Klum. Gera­de bei He­le­ne Fi­scher bleibt Boi­tin vor­sich­tig op­ti­mis­tisch. Von ihr ha­be er je­den­falls noch „kein ri­go­ro­ses ‚Nein‘ be­kom­men. He­le­ne Fi­scher ist nicht nur die er­folg­reichs­te deut­sche Künst­le­rin der letz­ten Jah­re, son­dern auch ei­ne der at­trak­tivs­ten. Wir hät­ten un­se­ren Be­ruf ver­fehlt, wür­den wir uns über Frau Fi­scher kei­ne Ge­dan­ken ma­chen. Ich bin mir si­cher, He­le­ne Fi­scher auf dem Ti­tel wür­de so man­chen Re­kord bre­chen.“

Geld wür­de bei vie­len Stars we­ni­ger ei­ne Rol­le spie­len. Denn auch Ei­tel­keit kön­ne ein Be­weg­grund sein. „Aber es muss schon in den Le­bens­plan pas­sen.“Grund­sätz­lich ge­he es in sei­nem Ma­ga­zin nicht in ers­ter Li­nie um die Nackt­heit an sich, son­dern dar­um, „wer es ist“.

Ein Trans­gen­der-Mo­del im „Play­boy“schließt Boi­tin nicht grund­sätz­lich aus. „Wir ha­ben auch da schon An­fra­gen be­kom­men. Aber vi­el­leicht sind wir da selbst noch nicht mu­tig ge­nug.“

Ablauf und Ort der Fo­to­auf­nah­men wer­den grund­sätz­lich fest­ge­legt. „Wir wol­len we­der ver­tu­schen noch ver­frem­den“, er­klärt Boi­tin be­züg­lich di­gi­ta­ler Hilfs­pro­gram­me. Le­ber­fle­cke sei­en gera­de wie­der bei ei­nem Mo­del nicht re­tu­schiert wor­den. Den­noch: Auch beim schärfs­ten Blick fin­den sich we­der schwä­cheln­des Bin­de­ge­we­be noch Nar­ben von der Brus­tOP.

Sei­nen ers­ten „Play­boy“hat Boi­tin mit 14 Jah­ren un­ter der Schul­bank er­hal­ten. Da­heim ver­steck­te er das kost­ba­re Pa­pier im Bett­kas­ten. Zur Tar­nung hat­te er schwe­ren Her­zens die Titelseite ab­ge­ris­sen. Jah­re spä­ter sagt ihm die Mut­ter: „Das hät­test du nicht ma­chen müs­sen. Ich wuss­te doch von Be­ginn an Be­scheid.“

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