„Sie ma­chen den Be­ruf von an­de­ren“

Ab­ord­nung von Gym­na­si­al­leh­rern an Grund­schu­len sorgt für Är­ger

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Ei­gent­lich soll­te der 39 Jah­re al­te Stu­di­en­rat ei­nen Politik-Leis­tungs­kurs über­neh­men. Dar­auf hat­te sich der Leh­rer aus der Re­gi­on nörd­lich von Han­no­ver schon ge­freut, doch für ihn kam es am ers­ten Schul­tag nach den Fe­ri­en über­ra­schend an­ders – wie für Dut­zen­de Kol­le­gen in Nie­der­sach­sen. Er wur­de für zehn St­un­den an ei­ne Ober­schu­le ab­ge­ord­net. Dort wird der Gym­na­si­al­leh­rer haupt­säch­lich Wer­te und Nor­men un­ter­rich­ten – ein Fach, das er gar nicht stu­diert hat. „Die Ab­ord­nun­gen an sich stö­ren uns nicht. Wir sind al­le Be­am­te“, sagt er. „Uns stört, dass es so kurz­fris­tig war.“

Holp­ri­ger Start

Schul­lei­ter kla­gen, dass sel­ten ein Schul­jahr so holp­rig ge­star­tet ist wie nach die­sen Som­mer­fe­ri­en. Der Vor­sit­zen­de des Schul­lei­tungs­ver­ban­des Nie­der­sach­sen, Frank Stö­ber, sieht die Ur­sa­che da­für in Fehl­pla­nun­gen im Kul­tus­mi­nis­te­ri­um und in der Lan­des­schul­be­hör­de, nicht erst seit Rot-Grün. „Es ist ein haus­ge­mach­tes Pro­blem“, sagt der Ver­bands­chef.

Der 39-jäh­ri­ge Leh­rer er­fuhr erst nach den Fe­ri­en, dass es mit sei­nem Politik-LK nichts wird. Sechs Wo­chen zu­vor hat­te der Di­rek­tor sei­nes Gym­na­si­ums zwar an­ge­fragt, wel­cher Kol­le­ge sich ei­ne Ab­ord­nung an ei­ne Grund­schu­le vor­stel­len könn­te. Erst war die Re­de von 40 St­un­den, spä­ter von 20 wei­te­ren. Der 39-Jäh­ri­ge mel­de­te sich frei­wil­lig und mach­te auch kei­nen Rück­zie­her, als es plötz­lich hieß, er müs­se an die Ober­schu­le.

Dort stellt sich der Päd­ago­ge auf völ­lig an­de­re An­for­de­run­gen ein: „Ich weiß, dass es mir schwer­fal­len wird.“Die Ab­ord­nun­gen gel­ten erst mal Im Grund­schul­un­ter­richt be­geg­nen die Leh­rer ganz an­de­ren Pro­ble­men und Her­aus­for­de­run­gen als an Gym­na­si­en. nur für ein hal­bes Jahr. „Gera­de jun­ge Schü­ler brau­chen Be­zugs­per­so­nen, aus päd­ago­gi­scher Sicht sind Wech­sel nicht gut“, sagt der 39-Jäh­ri­ge. Zu­dem sei­en Gym­na­si­al­leh­rer nicht für die Grund­schu­le aus­ge­bil­det. „Sie ma­chen den Be­ruf von an­de­ren, fast so, als wol­le man Tisch­ler in ei­ne Bä­cke­rei schi­cken.“

Das ge­gen­sei­ti­ge Aus­hel­fen von Schu­len kann auch pro­blem­los klap­pen. Die Lei­te­rin der Grund­schu­le Ben­nigsen süd­lich von Han­no­ver, Mad­len Lud­wig, et­wa lobt den Ma­the­leh­rer vom na­hen Ot­to-Hahn-Gym­na­si­um in Sprin­ge. „Wir ha­ben gro­ßes Glück mit dem Kol­le­gen ge­habt. Er hat sich sehr gut auf die neue Si­tua­ti­on ein­ge­stellt“, sagt die Schul­lei­te­rin. Gleich­zei­tig be­hält der Päd­ago­ge ei­nen Grund­kurs in der Ober­stu­fe des Gym­na­si­ums. „Kurz vor dem Abitur woll­ten wir nie­man­den aus dem Kurs rei­ßen“, sagt Schul­lei­te­rin Kers­tin Priet­zel.

Un­ter­richts­aus­fall

Wäh­rend in Sprin­ge nur ein Leh­rer ge­hen muss­te, steht der Schul­lei­ter des Rats­gym­na­si­ums Os­na­brück, Lothar Weh­leit, vor ei­nem gro­ßen Um­ver­tei­lungs­pro­blem. Schon vor den Som­mer­fe­ri­en war klar, dass Leh­rer aus sei­nem Kol­le­gi­um mit 45 St­un­den an an­de­ren Schu­len aus­hel­fen wür­den. Durch die kurz­fris­ti­gen Ab­ord­nun­gen sei­en nun „wie ein Phan­tom“wei­te­re 50 St­un­den auf­ge­taucht, die an die na­he Haupt­schu­le und ei­ne Ober­schu­le ge­hen. Für das Rats­gym­na­si­um be­deu­tet das: Wahl­un­ter­richt und be­son­de­re Ar­beits­ge­mein­schaf­ten kön­nen even­tu­ell nicht an­ge­bo­ten wer­den.

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Fo­to: dpa

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