Ei­ne Fra­ge der Fa­mi­lie

Char­man­te Ko­mö­die „Der Wein und der Wind“über die fran­zö­si­sche Le­bens­art

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film -

In dem luf­ti­gen Fa­mi­li­en­dra­ma „Der Wein und der Wind“von Re­gis­seur Céd­ric Kla­pisch ver­bin­det drei Ge­schwis­ter glei­cher­ma­ßen Last und Lust, als sie um das Er­be ih­res ver­stor­be­nen Win­zer-Va­ters rin­gen.

Von Rein­hard Wes­ten­dorf

Noch läuft im Ki­no die som­mer­li­che Roman­ze „Pa­ris kann war­ten“, da fei­ert mit „Der Wein und der Wind“schon wie­der ein char­man­ter Film mit Fi­nes­se die fran­zö­si­sche Art zu le­ben und zu ge­nie­ßen.

Der 55-jäh­ri­ge Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor Céd­ric Kla­pisch sie­del­te sei­ne er­folg­rei­che Film­tri­lo­gie „L’ Au­ber­ge Español“(2002 bis 2013) in Me­tro­po­len wie Pa­ris, Bar­ce­lo­na, Lon­don, St. Pe­ters­burg oder New York an. Sein jüngs­tes Ki­no­werk spielt hin­ge­gen im land­wirt­schaft­lich ge­präg­ten Bur­gund.

Die Re­gi­on ist nicht nur die Hei­mat gro­ßer Wei­ne (Haupt­sor­ten: Char­don­nay und Pi­not Noir), son­dern auch ei­ne reiz­vol­le Ver­schmel­zung von Land­schaft und Kul­tur. Die an­säs­si­gen Win­zer wis­sen dies groß­teils zu schät­zen und hal­ten ih­re öno­lo­gi­schen Tra­di­tio­nen in Eh­ren. In der Bourgo­gne gibt es im Un­ter­schied zu an­de­ren fran­zö­si­schen Re­gio­nen mehr „Do­mai­nes“(fa­mi­liä­re Wein­gü­ter) und Klos­ter­gü­ter als „Châ­teaus“(Schloss­gü­ter).

Auf ei­nen sol­chen Fa­mi­li­en­be­trieb kehrt nach 10-jäh­ri­ge Rei­se rund um die Welt der äl­tes­te Sohn des Win­zers zu­rück, den er da­mals im Streit ver­las­sen hat­te. Der 30-jäh­ri­ge Je­an will noch ein­mal sei­nen im Ster­ben lie­gen­den Va­ter und sei­ne bei­den jün­ge­ren Ge­schwis­ter Ju­li­et­te und Jé­ré­mie be­su­chen.

Als der Va­ter, der in kur­zen Rück­blen­den im­mer wie­der im lie­be­vol­len Um­gang mit sei­nen drei klei­nen Kin­dern in­sze­niert wird, stirbt, bil­den die drei Ge­schwis­ter ei­ne tes­ta­men­ta­risch ver­füg­te Er­ben­ge­mein­schaft. Fort­an ver­bin­det die das Wein­gut be­reits zu­vor be­wirt­schaf­ten­de Ju­li­et­te und ih­re bei­den gleich­falls wein­kun­di­gen Brü­der die Last ei­ner Ent­schei­dung. Den Wein­an­bau wei­ter­füh­ren oder ver­kau­fen? Wer mit wem oder an wen und falls ja wie viel?

Al­les wird zu ei­ner exis­ten­zi­el­len Fra­ge der Fa­mi­lie und ih­rer Le­bens­ge­schich­te. Schließ­lich führt die ge­mein­sa­me Ar­beit der cha­rak­ter­lich un­ter­schied­li­chen Ge­schwis­ter bei der Wein­le­se und -kel­te­rung zu ei­nem wie­der­er­stark­ten fa­mi­liä­ren Bünd­nis.

Der von im­po­nie­ren­den Land­schafts­auf­nah­men durch­zo­ge­ne Fa­mi­li­en­film be­sticht wie so oft bei Re­gis­seur Kla­pisch ins­be­son­de­re durch des ein­neh­men­de Schau­spie­ler-En­sem­ble. Pio Mar­maï, Ana Gi­ra­dot, François Ci­vil stel­len ein eben­so fein­füh­li­ges wie fei­er­freu­di­ges Ge­schwis­ter-Trio dar.

Sie ver­dich­ten „Der Wein und der Wind“zu ei­nem an­rüh­ren­den Lehr­stück über die Fa­mi­lie und die Lie­be – zur Ar­beit, zur Tra­di­ti­on, zum Ge­nuss, zum Le­ben! „Die Lie­be ist wie der Wein. Bei­des braucht Zeit, sich zu ent­wi­ckeln“, lau­tet da ein tref­fen­des Film­zi­tat.

Rin­gen um das Er­be ih­res ver­stor­be­nen Win­zer-Va­ters: drei Ge­schwis­ter zwi­schen Last und Lust. Fo­to: Stu­di­oCa­nall

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