Schmerz­li­che Er­in­ne­run­gen

Son­der­vor­stel­lung der Do­ku­men­ta­ti­on „Wir sind Ju­den aus Bres­lau“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film -

Von To­bi­as Sun­der­diek

Die Fil­me­ma­cher Ka­rin Ka­per und Dirk Szu­szi­es er­hal­ten in Os­na­brück den „Schle­si­en­P­reis“für ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on über die Ver­fol­gung Bres­lau­er Ju­den.

Erst brann­ten die Bü­cher. Da­nach die Sy­nago­gen. Schließ­lich die Men­schen. Es war ei­ne un­glaub­li­che Stei­ge­rung der Ge­walt, die jü­di­sche Men­schen in den 30er- und 40er-Jah­ren er­lei­den muss­ten. Auch im schle­si­schen Bres­lau, ei­ner da­mals sehr deutsch ge­präg­ten Stadt.

Heu­te heißt sie auf pol­nisch Wro­claw und ist Aus­gangs­punkt für den be­ein­dru­cken­den Do­ku­men­tar­film „Wir sind Ju­den aus Bres­lau“der Fil­me­ma­cher Ka­rin Ka­per und Dirk Szu­szi­es.

Sie be­glei­te­ten ei­ne Grup­pe Schü­ler aus Bre­men und Wro­claw, die ei­ni­ge der letz­ten, heu­te um die 90 Jah­re al­ten Zeit­zeu­gen tra­fen, dar­un­ter der 2016 ver­stor­be­ne His­to­ri­ker Fritz Stern so­wie die Cel­lis­tin Ani­ta Las­ker-Wall­fisch, die in Au­schwitz ge­zwun­gen wur­de, im Mäd­chen­or­ches­ter zu spie­len. Die Fil­me­ma­cher frag­ten aber auch nach, wie das Le­ben der 14 Ho­lo­caust-Über­le­ben­den ver­lau­fen ist. Die In­ter­views führ­ten sie um die hal­be Welt.

In den Ge­sprä­chen ist von der Kind­heit in Bres­lau die Re­de, in de­nen ers­te Aus­gren­zun­gen spür­bar wa­ren. Aber auch von blan­kem Ter­ror, der spä­tes­tens seit der Po­grom­nacht 1938 im­mer of­fen­sicht­li­cher wur­de und sei­nen fürch­ter­li­chen Hö­he­punkt in den La­gern von Ber­gen-Bel­sen oder Au­schwitz fand.

14 Schick­sa­le

Die In­ter­view­ten er­zäh­len von Se­lek­ti­ons­ram­pen, Gas­kam­mern und den trau­ri­gen „letz­ten Näch­ten“, die An­ge­hö­ri­gen blie­ben, be­vor sie am nächs­ten Mor­gen aus ih­rer Hei­mat de­por­tiert wur­den. Meist in den Tod.

14 Schick­sa­le, 14 er­schüt­tern­de Ge­schich­ten er­zäh­len vom Hor­ror der Na­zi-Zeit, von Flucht und Ver­trei­bung, aber auch von Neu­an­fän­gen, et­wa in den USA, Pa­läs­ti­na, Ju­den aus Bres­lau er­zäh­len in der preis­ge­krön­ten Do­ku­men­ta­ti­on ih­re Schick­sa­le.

dem spä­te­ren Is­ra­el, aber auch in Po­len und Deutsch­land.

Ein wich­ti­ger, preis­wür­di­ger Film. Das dach­ten sich

auch die Ju­ro­ren vom „Kul­tur­preis Schle­si­en“des Lan­des Nie­der­sach­sen, der am Sams­tag im Thea­ter Os­na­brück an Ka­rin Ka­per ver­lie­hen wird. Der mit 4000 Eu­ro do­tier­te Preis, der jähr­lich ab­wech­selnd in Po­len und Deutsch­land ver­ge­ben wird, zeich­net seit 1977 Men­schen aus, die sich in be­son­de­rer Wei­se um die Ver­stän­di­gung zwi­schen den bei­den Völ­kern ver­dient ge­macht ha­ben.

Wei­te­re Preis­trä­ger sind der His­to­ri­ker Prof. Sta­nislaw Sla­wo­mir Ni­cie­ja und der Päd­ago­gi­sche Ver­ein Pro Li­be­ris Si­le­siae un­ter der Lei­tung von Frau Dr. Mar­ga­re­the Wys­dak.

Die Os­na­brü­cker Pre­mie­re des Films fin­det am Sonn­tag um 11.30 Uhr in An­we­sen­heit der Fil­me­ma­cher im Ci­ne­ma-Ar­thouse statt. Wei­te­re In­fos un­ter www.ju­den­aus­bres­lau­film.de

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