Re­li­gi­on als Grund für Hass

„Der Stern von In­di­en“be­leuch­tet dunk­le Er­eig­nis­se

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film -

Von To­bi­as Sun­der­diek

Vor 70 Jah­ren fand ei­nes der fürch­ter­lichs­ten Ka­pi­tel in der an Grau­sam­kei­ten nicht ar­men bri­ti­schen Ko­lo­ni­al­ge­schich­te statt. 1947 soll Lord Mount­bat­ten (Hugh Bon­ne­vil­le) als eng­li­scher Vi­ze­kö­nig die Kron­ko­lo­nie In­di­en in die Un­ab­hän­gig­keit füh­ren. Zu­sam­men mit sei­ner Frau Ed­wi­na (Gil­li­an An­der­son) steht er da­bei je­doch vor ei­ner heik­len Si­tua­ti­on, denn, wie so oft in der Mensch­heits­ge­schich­te, be­kämp­fen sich die Mit­glie­der un­ter­schied­li­cher Re­li­gio­nen.

Hin­dus, Sikhs und Mos­lems ver­üben Mas­sa­ker, Letz­te­re for­dern ei­nen ei­ge­nen Staat: Pa­kis­tan. Doch wird die Tei­lung des Lan­des ein sau­be­rer Schnitt wer­den His­to­rie opu­lent in­sze­niert, aber ein­ge­dampft auf Lie­bes­kitsch.

oder ein bru­ta­ler Ax­t­hieb?

Gro­ße, wenn auch heu­te halb ver­schüt­te­te ge­schicht­li­che Er­eig­nis­se bil­den den Hintergrund für die­ses Ge­schichts­epos, mit dem die Re­gis­seu­rin Gur­in­der Chad­ha auch Trau­ma­ta ih­rer ei­ge­nen Fa­mi­lie auf­ar­bei­tet. Sie bil­den aber auch den Hintergrund für ei­ne Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen dem Hin­du Jeet (Ma­nish Da­y­al) und der Mus­li­ma Aa­lia (Hu­ma Qu­re­shi), die bei­de am Pa­last des Vi­ze­kö­nigs als Die­ner ar­bei­ten.

„Der Stern von In­di­en“be­ein­druckt ei­ner­seits mit sei­ner Opu­lenz, wirkt zugleich lei­der oft wie pu­rer Kitsch. Schuld dar­an ist vor al­lem die süß­li­che Ro­meo-und-Ju­lia Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen den Re­li­gio­nen, die zwar je­dem Bol­ly­wood-Film ge­recht wer­den wür­de, da­bei je­doch oh­ne die über­bor­den­de Ins­ze­nie­rung in­di­scher Kom­merz­fil­me aus­kom­men muss – trotz der Mu­sik von „La­ga­an“-Kom­po­nist A. R. Rah­man.

„Der Stern von In­di­en“. GB 2017. Re­gie: Gur­in­der Chad­ha. D: Hugh Bon­ne­vil­le, Gil­li­an An­der­son, Ma­nish Da­y­al, Hu­ma Qu­re­shi. 106 Mi­nu­ten. Ab 6. Ci­ne­ma-Ar­thouse

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