„Frau­en be­kom­men 21 Pro­zent we­ni­ger“

Die SPD zieht mit oft zi­tier­ter Zahl zum Lohn­un­ter­schied in den Wahl­kampf – zu Recht?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Von Maik Nol­te

Die SPD wirbt auf Pla­ka­ten zur Bun­des­tags­wahl mit dem Slo­gan: „Wer als Frau 100 % leis­tet, darf nicht 21% we­ni­ger ver­die­nen.“Ge­meint ist der Gen­der Pay Gap, al­so die durch­schnitt­li­che Lohn-Dis­kre­panz zwi­schen Män­nern und Frau­en. Aber stimmt die­se Zahl?

Nur be­dingt. Zwar han­delt es sich bei den 21 Pro­zent tat­säch­lich um ei­nen of­fi­zi­el­len, vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt er­ho­be­nen Wert, der ist aber kaum aus­sa­ge­kräf­tig. Laut Bun­des­amt be­trug im ver­gan­ge­nen Jahr der so­ge­nann­te un­be­rei­nig­te Gen­der Pay Gap 21 Pro­zent. Die­ser un­be­rei­nig­te Wert wird aus Grün­den der eu­ro­pa­wei­ten Ver­gleich­bar­keit er­ho­ben, lässt aber kom­plet­te Wirt­schafts­zwei­ge, et­wa die öf­fent­li­che Ver­wal­tung, au­ßen vor. Er be­rück­sich­tigt auch kei­ne Teil­as­pek­te, die Aus­wir­kung auf die Lohn­struk­tur ha­ben, wie Qua­li­fi­zie­rung, un­ter­schied­li­che Ar­beits­an­for­de­run­gen oder Teil­zeit­mo­del­le.

Des­halb er­rech­nen die Sta­tis­ti­ker zu­sätz­lich zum un­be­rei­nig­ten den be­rei­nig­ten Gen­der Pay Gap – zu­letzt 2014, und da be­trug er sechs Pro­zent. Das Bun­des­amt schreibt da­zu: „Drei Vier­tel des Gen­der Pay Gap las­sen sich mit Struk­tur­un­ter­schie­den er­klä­ren.“

Die Un­ge­rech­tig­keit in der Ent­loh­nung von Män­nern und Frau­en ist al­so zwei­fel­los vor­han­den, die SPD-Darstel­lung als „100 Pro­zent Leis­tung bei 21 Pro­zent we­ni­ger Lohn“aber deut­lich ver­zerrt. In ei­ner Stel­lung­nah­me auf An­fra­ge des Baye­ri­schen Rund­funks sagt die Par­tei: „Die SPD the­ma­ti­siert die­se Zahl, weil sie auch die struk­tu­rel­len Un­ter­schie­de und Un­ge­rech­tig­kei­ten be­rück­sich­tigt und sich in die­ser Zahl so­mit das ge­sam­te Aus­maß von ge­schlechts­spe­zi­fi­scher Loh­nun­ge­rech­tig­keit aus­drückt.“

Zu­dem lä­gen die 21 Pro­zent Lohn­un­ter­schied auch der Be­rech­nung des Da­tums des Equal Pay Days zu­grun­de“, heißt es wei­ter – was die Zahl aber nicht aus­sa­ge­kräf­ti­ger macht. Der Equal Pay Day mar­kiert sym­bo­lisch den Tag im Jahr, bis zu dem Frau­en auf­grund des Lohn­un­ter­schieds zu Män­nern dem­nach „um­sonst“ar­bei­ten. Im kom­men­den Jahr wird er am 18. März be­gan­gen.

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