Im Au­ge des Be­trach­ters

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - In Der Familie -

Von Fran­zis­ka Sanyang

Drei Schwan­ger­schaf­ten und die Zeit ha­ben Spu­ren an mei­nem Kör­per hin­ter­las­sen. Was frü­her ein­mal straff war, ist heu­te eher schlaff – über­all zeigt die Schwer­kraft ih­re Wir­kung. Aber sei­en wir ehr­lich: Schon prä­na­tal hat­te ich kei­ne Mo­del­ma­ße vor­zu­wei­sen. Doch fehlt es mir heu­te vor al­lem an Zeit und Mu­ße, das Bes­te aus den Ge­ge­ben­hei­ten zu ma­chen. Nicht nur mei­ne Fi­gur, nein, auch Haa­re, Au­gen­brau­en und Fü­ße bräuch­ten drin­gend wie­der mehr Auf­merk­sam­keit.

Zwar bin ich ak­tu­ell nicht in Top­form – mei­ne Jungs scheint das je­doch nicht zu stö­ren. Ganz im Ge­gen­teil. Der Ein­jäh­ri­ge fin­det mich trotz al­lem an­schei­nend ziem­lich le­cker. So­bald er auf mei­nem Arm ist, reicht es ihm nicht, sein Köpf­chen an mei­nen Hals zu schmie­gen. Nein, er muss mich so­fort ab­le­cken, so­bald er auch nur ein Fit­zel­chen nack­te Haut spürt. Und meist wer­de ich von ihm als Dr­ein­ga­be noch mit ei­nem vor Sab­ber trie­fen­den Kuss be­dacht.

Auch dem Mitt­le­ren schei­nen mei­ne schlaf­fen For­men nichts aus­zu­ma­chen. Nach dem Du­schen be­gut­ach­te­te er mei­nen Kör­per neu­lich mor­gens ganz ge­nau. Plötz­lich tät­schel­te er mei­nen Hin­tern und sag­te: „Mhhhh, du bist so schön weich!“Ja­ha, er weiß schon mit sei­nen drei Jah­ren, was frau un­be­dingt (nicht) hö­ren will …

Dass mei­ne Kin­der mich mit an­de­ren Au­gen se­hen, zeig­te mir erst neu­lich ein Fern­seh­abend mit mei­nem Gro­ßen. Wir guck­ten zu­sam­men ei­ne Wie­der­ho­lung von „Ger­ma­ny’ s Next Top­mo­del“. Ich weiß, es gibt päd­ago­gisch wert­vol­le­re Sen­dun­gen für Fünf­jäh­ri­ge – aber manch­mal hab ich das Ge­fühl, schrei­en zu müs­sen, wenn ich mir noch ei­ne Fol­ge von „Feu­er­wehr­mann Sam“oder Ähn­li­ches an­tun muss.

Mein Gro­ßer zeig­te sich auch ganz be­geis­tert von den jun­gen, lang­bei­ni­gen Ama­zo­nen. Was sie denn da ma­chen wür­den, frag­te er in­ter­es­siert. Über sei­nen Aus­spruch, dass die Mäd­chen dort al­le wun­der­schön sei­en, muss­te ich schmun­zeln. Und dann wur­de mein Herz but­ter­weich. „Ma­ma“, frag­te der Lüt­te mich mit erns­tem Ge­sicht, „wann machst du denn da ei­gent­lich mit?“

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