3:1 – VfL wirft in Un­ter­zahl den HSV aus dem DFB-Po­kal

VfL kämpft und spielt den HSV nie­der – Bril­lant vor­be­rei­te­te To­re beim sen­sa­tio­nel­len 3:1-Sieg

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Fo­to: imago/nord­pho­to

Die Bre­mer Brü­cke beb­te, der Ju­bel kann­te kaum Gren­zen: Fuß­bal­lD­ritt­li­gist VfL Os­na­brück hat mit ei­ner be­ein­dru­cken­den kämp­fe­ri­schen Leis­tung Bun­des­li­ga-Di­no Ham­bur­ger SV aus dem DFB-Po­kal ge­wor­fen. Die Os­na­brü­cker ge­wan­nen mit 3:1. Da­bei muss­ten die Gast­ge­ber mehr als 70 Mi­nu­ten in Un­ter­zahl spie­len. Mar­cel Ap­piah hat­te nach ei­ner Not­brem­se ge­gen Bob­by Wood die Ro­te Kar­te ge­se­hen. An­ge­trie­ben vom Pu­bli­kum zwang der VfL die Ham­bur­ger in die Knie – und zog durch To­re von Ha­lil Sav­ran (39.), Marc Hei­der (61.) und Ah­met Ars­lan (71.) un­ein­hol­bar mit 3:0 da­von. Auf un­se­rem Fo­to freut sich der Vor­be­rei­ter zum 2:0, Kon­stan­tin En­gel. Den Eh­ren­tref­fer er­ziel­te Bob­by Wood per Hand­elf­me­ter (74.).

Es liegt in ih­rer Na­tur, dass sich Über­ra­schun­gen nicht an­kün­di­gen – auch nicht im DFB-Po­kal. Doch manch­mal lie­gen sie ir­gend­wie in der Luft, man hat so ei­ne dif­fu­se Ah­nung. Da­von war nichts zu spü­ren vor dem Du­ell des VfL Os­na­brück ge­gen den Ham­bur­ger SV. Um­so grö­ßer ist nun die Freu­de über den 3:1-Sen­sa­ti­ons­sieg der Li­la-Wei­ßen.

Von Ha­rald Pis­to­ri­us, Ste­fan Al­ber­ti, Chris­toph Schil­ling­mann und Chris­ti­an Hes­se

An­ge­schla­gen vom Fehl­start in der Li­ga, ver­un­si­chert von zwölf Ge­gen­tref­fern in vier Spie­len, ge­beu­telt vom Ver­let­zungs­pech: Aus ei­ner schlech­te­ren Aus­gangs­po­si­ti­on hat der VfL in sei­ner Po­kal­ge­schich­te wohl noch nie ei­nen Bun­des­li­gis­ten emp­fan­gen.

Wenn dann noch in der neu­for­mier­ten Ab­wehr nach knapp zwan­zig Mi­nu­ten der Chef-Ver­tei­di­ger vom Platz fliegt, ist der Glau­be an ei­ne Über­ra­schung erst recht dem Null­punkt na­he. Dass der VfL es schaff­te, trotz ne­ga­ti­ver Vor­zei­chen und in Un­ter­zahl den HSV nie­der­zu­kämp­fen

aus­zu­spie­len, hebt die

gest­ri­ge Par­tie aus der lan­gen Rei­he denk­wür­di­ger VfL-Po­kal­spie­le noch her­vor.

Als Ap­piah nach ei­nem Ball­ver­lust im Mit­tel­feld von En­gel und Sušac kurz vor dem Straf­raum zu ei­ner Not­brem­se ge­gen Wood ge­zwun­gen wur­de und von Schieds­rich­ter Ay­te­kin kor­rek­ter­wei­se mit der Ro­ten Kar­te vom Platz ge­schickt wur­de, glaub­ten nicht mehr vie­le an ei­ne Chan­ce der Li­la-Wei­ßen.

Trai­ner Enochs zog nach kur­zer Be­ra­tung mit sei­nem Team die rich­ti­gen Schlüs­se: Aus der Drei­er­ket­te wur­de ei­ne Vie­rer­rei­he mit Zu­gang Sušac und dem ein­ge­wech­sel­ten Zor­ba, für den Al­va­rez Platz ma­chen muss­te. Hei­der wech­sel­te auf die rech­te Sei­te, Ars­lan über­nahm die lin­ke und über­ließ das Zen­trum Groß und Dan­ne­berg. Dass Al­va­rez ent­täuscht war, ist ver­ständ­lich, doch die Ent­schei­dung pass­te.

Der HSV hat­te da­nach sei­ne bes­te Pha­se, hol­te aus, um dem VfL den nächs­ten Schlag zu ver­pas­sen. Das ge­lang nicht, weil Gers­beck in meh­re­ren kniff­li­gen Sze­nen die Band­brei­te sei­nes Kön­nens – Eins-ge­gen-eins, Straf­raum­be­herr­schung, gu­te Re­ak­ti­on – zeig­te. Auf An­hieb füg­te sich der am Don­ners­tag ver­pflich­te­te Sušac ein; er ge­fiel mit schnör­kel­lo­ser, ro­bus­ter Spiel­wei­se. Der in die In­nen­ver­tei­di­gung ein­ge­wech­sel­te Zor­ba war auf An­hieb im Spiel, agier­te mu­tig und ent­schlos­sen. Und der VfL hat­te star­ke Flü­gel, de­fen­siv wie of­fen­siv. San­ga­ré und En­gel bil­de­ten mit Hei­der und Ars­lan star­ke Pär­chen.

Auf die­ser Ba­sis leg­te der VfL ei­ne be­ein­dru­cken­de Vor­stel­lung hin, aus der drei wun­der­bar her­aus­ge­spiel­te To­re her­aus­rag­ten. Bril­lant vor­be­rei­tet wa­ren vor al­lem das 1:0 (39.), als der kaum zu brem­sen­de San­ga­ré den Ab­wehr­hü­nen Pa­pa­do­pou­los dü­pier­te und von der Grund­li­nie für Sav­ran auf­leg­te, und das 2:0 (61.), das En­gel ein­lei­te­te: Sei­nen mu­ti­gen Vor­stoß nach ei­nem Pass von Ars­lan krön­te er mit ei­nem Tun­nel ge­gen Mül­ler und ei­nem per­fek­ten Zu­spiel in den Lauf von Hei­der. Vor dem 3:0 be­frei­te Groß sich ge­gen drei HSVer an der Eck­fah­ne und be­dien­te San­ga­ré, des­sen di­rek­te Flan­ke Ars­lan ele­gant ins Tor bug­sier­te.

Als der VfL durch ei­nen von En­gel un­glück­lich ver­schul­de­ten Hand­elf­me­ter das 1:3 kas­sier­te (74.), droh­te ein hek­ti­sche Schluss­pha­se. Doch die Os­na­brü­cker ver­tei­dig­ten nicht nur lei­den­schaft­lich, son­dern auch klug und kon­trol­liert.

Den Lohn kann die Mann­schaft ern­ten, wenn sie aus der Po­kal-Ga­la viel mit­nimmt in den Li­ga-Alltag, der am Sams­tag in Chem­nitz wei­ter­geht.

Und dann war­tet der nächs­te Hö­he­punkt am 24. oder 25. Ok­to­ber, wenn die zwei­te Run­de im DFB-Po­kal statt­fin­det. Dann er­war­tet der VfL un­ter Flut­licht ei­nen Ver­ein aus der Bun­des­li­ga oder der 2. Bun­des­li­ga und darf sich auf ei­ne Ein­nah­me von et­wa 400 000 Eu­ro freu­en. Ge­gen wen es geht, er­mit­telt die Ko­mi­ke­rin Ca­ro­li­ne Ke­be­kus bei der Aus­lo­sung am nächs­ten Sonn­tag in der ARD-Sport­schau (18 Uhr, live im Fuß­ball­mu­se­um).

Oben­auf: Chris­ti­an Groß be­ju­belt das 2:0 von Marc Hei­der. Fo­to: Imago/Nord­pho­to

Am Ziel: Joe Enochs. Fo­to: dpa

Ge­teil­te Freu­de: Tim Dan­ne­berg. Fo­to: Kem­me

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