Uni­on ge­gen SPD-Idee zu Quo­te für E-Au­tos

Mer­kel: Vor­schlag nicht ge­nau durch­dacht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Mehr Be­rich­te auf noz.de/wirt­schaft

Der SPD-Vor­schlag zur Ein­füh­rung ei­ner EU-Quo­te für Elek­tro­au­tos ist bei der Uni­on auf Ab­leh­nung ge­sto­ßen. Frak­ti­ons­vi­ze Micha­el Fuchs (CDU) sprach von ei­ner „schnel­len Wahl­kampf­num­mer“. Auch Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) äu­ßer­te sich ab­leh­nend. Das Um­welt­bun­des­amt brach­te der­weil die Ab­schaf­fung des Die­sel­pri­vi­legs bei der Mi­ne­ral­öl­steu­er ins Ge­spräch. SPDKanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz warn­te da­vor, die Fol­gen des Skan­dals auf Die­sel­fah­rer ab­zu­wäl­zen.

Schulz hat­te ei­ne ver­bind­li­che Quo­te für Elek­tro­au­tos in der EU ge­for­dert, um die Au­to­in­dus­trie zu ei­ner kon­se­quen­ten Aus­rich­tung auf neue An­triebs­tech­no­lo­gi­en zu be­we­gen. In ei­nem Fünf­punk­te­plan zur Zu­kunft des Au­to­mo­bil­stand­orts Deutsch­land be­für­wor­te­te er auch den Auf­bau ei­ner Bat­te­rie­zel­len­fer­ti­gung, um von aus­län­di­schen Her­stel­lern un­ab­hän­gig zu wer­den. Mer­kel hält die Quo­te für kaum um­setz­bar. Sie glau­be nicht dar­an, dass der Vor­schlag „schon ge­nau durch­dacht“sei, sag­te sie. Zu­nächst müs­se in der EU dar­über lan­ge ver­han­delt wer­den, dann stel­le sich die Fra­ge, was zu tun sei, wenn die Quo­te nicht ein­ge­hal­ten wer­de.

Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Fuchs kri­ti­sier­te, ei­ne Quo­te hel­fe „we­der der Um­welt noch der Au­to­mo­bil­wirt­schaft und ih­ren Be­schäf­tig­ten wirk­lich“. Sie sei „viel­mehr Aus­druck ei­ner Pl­an­wirt­schaft, wie wir sie aus Chi­na ken­nen“. Bei der SPD lös­ten die Re­ak­tio­nen auf Uni­ons­sei­te Un­ver­ständ­nis aus. Den Vor­schlag „ab­zu­leh­nen, oh­ne Al­ter­na­ti­ven zu be­nen­nen, zeigt, dass ei­ne Kon­zep­ti­on fehlt und wir iso­liert wer­den“, er­klär­te Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zy­pries (SPD).

Wel­che Zu­kunft hat der Die­sel? Die De­bat­te hält an. Kanz­le­rin Mer­kel und ihr SPD-Her­aus­for­de­rer Schulz spa­ren nicht mit Vor­wür­fen ge­gen Au­to­ma­na­ger. Das Die­sel­pri­vi­leg bei der Steu­er steht in der Kri­tik. Im Kampf für ei­ne bes­se­re Luft will das Um­welt­bun­des­amt Die­sel-Fah­rer beim Tan­ken stär­ker zur Kas­se bit­ten. Be­hör­den­che­fin Ma­ria Krautz­ber­ger brach­te in der De­bat­te um die Zu­kunft der An­triebs­tech­nik er­neut ei­ne Ab­schaf­fung des Die­sel­pri­vi­legs bei der Steu­er ins Ge­spräch. Die­ses „muss auf den Prüf­stand“, sag­te Krautz­ber­ger der „Rhei­ni­schen Post“. „Die­sel­fah­rer zah­len pro Li­ter Kraft­stoff 18,4 Cent we­ni­ger als bei Ben­zin – den Staat kos­tet die­se Sub­ven­tio­nie­rung mitt­ler­wei­le 7,8 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr, gut drei­ein­halb Mil­li­ar­den da­von für die Pkw-Nut­zung.“

Selbst bei Ab­zug der hö­he­ren Kfz-Steu­ern für Die­selAu­tos sei­en das rund ein­ein­halb Mil­li­ar­den Eu­ro vom Staat für die Selbst­zün­der pro Jahr. „Zum Ver­gleich: Die För­de­rung für Elek­tro­mo­bi­li­tät be­trägt knapp ei­ne Mil­li­ar­de – aber bis 2020“, sag­te Krautz­ber­ger. Das Um­welt­bun­des­amt hat­te wie­der­holt

ei­nen Ab­bau al­ler „um­welt­schäd­li­chen Sub­ven­tio­nen“ge­for­dert, dar­un­ter die nied­ri­ge­re Die­sel-Be­steue­rung. Ei­ne der Fol­gen der Sub­ven­tio­nen sei die Luft­ver­schmut­zung durch Die­sel­fahr­zeu­ge in den In­nen­städ­ten.

Die Au­to­bran­che ist der­zeit schwer un­ter Druck. Vie­le Städ­te ha­ben mit zu ho­hen Stick­oxid-Wer­ten durch Die­sel-Ab­ga­se zu kämp­fen. Es

dro­hen Fahr­ver­bo­te. Der Die­sel-Markt­an­teil bei Neu­wa­gen sinkt. Mit Nach­rüs­tun­gen für Mil­lio­nen von Die­sel-Fahr­zeu­gen über ein Soft­ware-Up­date sol­len Wa­gen nun sau­be­rer wer­den. Dies war An­fang Au­gust bei ei­nem Die­sel-Gip­fel ver­ein­bart wor­den. Her­stel­ler ha­ben zu­dem Prä­mi­en beim Kauf neu­er Die­sel-Fahr­zeu­ge an­ge­kün­digt. Da­mit sol­len al­te Die­sel

mit hö­he­rem Schad­stoff­aus­stoß er­setzt wer­den.

So­wohl Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel als auch ihr SPD-Her­aus­for­de­rer Mar­tin Schulz at­ta­ckier­ten am Wo­che­n­en­de die deut­schen Au­to­bos­se. „Wei­te Tei­le der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ha­ben un­glaub­li­ches Ver­trau­en ver­spielt“, sag­te die CDU-Po­li­ti­ke­rin. Nö­tig sei nun mehr En­ga­ge­ment für Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en. „Die Fra­ge, ob die deut­sche Au­to­mo­bil­in­dus­trie die­se Zei­chen der Zeit er­kannt hat, wird über ih­re Zu­kunft ent­schei­den. Und da­mit über Hun­dert­tau­sen­de von Ar­beits­plät­ze“, er­klär­te Mer­kel. Zu­gleich lehn­te die Kanz­le­rin Fahr­ver­bo­te für Die­selau­tos ab. Es sei „nicht rich­tig“, wenn die Au­to­käu­fer als Ver­lie­rer aus der Af­fä­re her­vor­gin­gen.

Auch Schulz wand­te sich im ZDF-Som­mer­inter­view für die Sen­dung „Berlin di­rekt“am Sonn­tag „ent­schie­den da­ge­gen“, dass die Die­sel­fah­rer nun „die Ze­che zah­len sol­len“. Die­sel­fah­rer sei­en haupt­säch­lich Pend­ler, klei­ne Hand­wer­ker und Lie­fe­ran­ten. Die Ver­ant­wor­tung sieht Schulz bei den Ma­na­gern der Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Das Pro­blem sei, dass „mil­lio­nen­schwe­re Ma­na­ger bei VW, bei Daim­ler die Zu­kunft ver­pennt ha­ben“. Er füg­te hin­zu: „We­gen des kurz­fris­ti­gen Ef­fekts in ih­ren Bi­lan­zen ha­ben sie nichts in­ves­tiert in den Be­rei­chen, wo wir hät­ten in­ves­tie­ren müs­sen.“

Der­weil be­kräf­tig­te VWBe­triebs­rats­chef Bernd Os­ter­loh sei­ne Kri­tik an der Nut­zung der Die­sel-Kri­se als Wahl­kampf­the­ma, sieht aber zu­gleich Lern­be­darf bei den Au­to­bau­ern und ih­rem Ver­band. „Kri­tik an Volks­wa­gen ist völ­lig in Ord­nung und auch be­rech­tigt“, sag­te er. „Aber zu­letzt ist viel Po­le­mik in die Dis­kus­sio­nen über VW ge­kom­men, und das tut uns al­len bei Volks­wa­gen weh.“Die Un­ter­neh­men der Bran­che könn­ten al­ler­dings auch selbst mehr da­für tun, dass öf­fent­li­che Bild wie­der zu ver­bes­sern.

Au­to­bau­er in der Kri­se:

Noch fließt der Die­sel güns­tig – jetzt for­dern Kri­ti­ker ei­ne Ab­schaf­fung der Steu­er­pri­vi­le­gi­en. Fo­to: imago/Horst Ru­del

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.