Flücht­lings­ret­ter stop­pen Ein­sät­ze

Or­ga­ni­sa­tio­nen re­agie­ren auf Aus­wei­tung li­by­scher Ho­heits­ge­wäs­ser im Mit­tel­meer

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Be­rich­te auf noz.de/flu­echt­lin­ge

Die Stim­mung ge­gen­über den pri­va­ten See­notret­tern im Mit­tel­meer hat sich zu­neh­mend ver­schlech­tert. Nun se­hen sich ei­ni­ge Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ge­zwun­gen, ih­re Ret­tungs­ein­sät­ze aus­zu­set­zen. Nicht nur aus Si­cher­heits­grün­den.

We­gen Si­cher­heits­ri­si­ken im Mit­tel­meer vor Li­by­en un­ter­bre­chen ei­ni­ge Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ih­re Mis­sio­nen zur Ret­tung von Mi­gran­ten. Ei­nen Tag nach der An­kün­di­gung von Ärz­te oh­ne Gren­zen zo­gen am Sonn­tag die deut­sche Or­ga­ni­sa­ti­on Sea Eye und spä­ter auch Sa­ve the Child­ren nach. Ärz­te oh­ne Gren­zen hat­te er­klärt, von der See­notret­tungs­leit­stel­le in Rom ei­ne kon­kre­te War­nung er­hal­ten zu ha­ben. Sa­ve the Child­ren will ihr Schiff so lan­ge im Ha­fen von Mal­ta las­sen, bis es Klar­heit über die Si­cher­heits­la­ge gibt.

„Das wird ei­ne rie­si­ge Lü­cke in die Such- und Ret­tungs­ka­pa­zi­tä­ten rei­ßen und Men­schen­le­ben for­dern“, twit­ter­te Ärz­te oh­ne Gren­zen. Wie Sea Eye be­zog sich die Or­ga­ni­sa­ti­on auf Be­rich­te, wo­nach li­by­sche Be­hör­den ih­re Kon­trol­le auf in­ter­na­tio­na­le Ge­wäs­ser aus­wei­ten wol­len und die­se An­kün­di­gung mit ei­ner Dro­hung ge­gen die hu­ma­ni­tä­ren Schif­fe ver­knüpf­ten.

Ita­li­ens Au­ßen­mi­nis­ter An­ge­li­no Al­fa­no be­grüß­te die Ein­rich­tung der Son­der­zo­ne vor der li­by­schen Küs­te. Der Rück­zug von Ärz­te oh­ne Gren­zen tra­ge da­zu bei, das Gleich­ge­wicht im Mit­tel­meer „wie­der aus­zu­ba­lan­cie­ren“. Be­reits am Don­ners­tag hat­te die li­by­sche Ma­ri­ne er­klärt, aus­län­di­sche Schif­fe dürf­ten die Küs­te des Lan­des oh­ne ei­ne be­son­de­re Er­laub­nis nicht mehr an­steu­ern.

Be­reits 2400 Er­trun­ke­ne

„Nach­dem die li­by­sche Küs­ten­wa­che schon öf­ter auf Flücht­lings­boo­te und Ret­tungs­schif­fe ge­schos­sen hat, kön­nen wir die­ses Ri­si­ko nicht mehr auf uns neh­men“, so Sea-Eye-Spre­cher Han­sPe­ter Busch­heu­er. Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on sprach von ei­ner „töd­li­chen Lü­cke“im Mit­tel­meer, weil die Chan­ce auf Ret­tung ge­rin­ger wer­de. Die­ses Jahr star­ben be­reits mehr als 2400 Men­schen auf der Rou­te von Nord­afri­ka in die süd­li­chen EU-Länder, vor al­lem nach Ita­li­en.

Die li­by­sche Küs­ten­wa­che be­kräf­tig­te ih­ren Vor­wurf, dass ei­ni­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen mit Schlep­pern zu­sam­men­ar­bei­te­ten. „Wir ha­ben kei­ne Be­wei­se. Aber es ist schon merk­wür­dig, dass kei­ne Flücht­lings­boo­te un­ter­wegs sind, wenn die li­by­sche Küs­ten­wa­che auf See ist, aber Schif­fe die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen in der Nä­he sind“, sag­te Spre­cher Ajub Ka­sim.

Seit An­fang Au­gust un­ter­stützt die ita­lie­ni­sche Ma­ri­ne die li­by­sche Küs­ten­wa­che tech­nisch und lo­gis­tisch. Die Re­gie­rung in Rom er­hofft sich, dass so we­ni­ger Mi­gran­ten nach Ita­li­en kom­men. Die Zah­len spre­chen da­für: In den ers­ten zwei Au­gust­wo­chen sind bis­lang erst et­was mehr als 1700 Men­schen in Ita­li­en an­ge­kom­men. Im ge­sam­ten Ju­li wa­ren es 11459, im Ju­ni noch 23 526.

Vie­le Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen leh­nen ei­nen neu­en Ko­dex ab, mit dem Ita­li­en die Zahl der Flücht­lin­ge ver­rin­gern will. Die Re­geln se­hen vor, dass be­waff­ne­te Po­li­zis­ten an Bord von Ret­tungs­schif­fen mit­ge­nom­men wer­den. Au­ßer­dem dür­fen dem­nach auf See in Si­cher­heit ge­brach­te Flücht­lin­ge nicht von ei­nem Schiff auf ein an­de­res wei­ter­ge­ge­ben wer­den.

Ärz­te oh­ne Gren­zen for­der­te die EU auf, von Stra­te­gi­en ab­zu­se­hen, die „Men­schen in ei­nem Bür­ger­kriegs­land ein­sper­ren, oh­ne de­ren Be­dürf­nis­se nach Schutz in Be­tracht zu zie­hen“. Sea-Ey­eSpre­cher Busch­heu­er warf der EU vor, die La­ge „ver­schlimm­bes­sert“zu ha­ben. „Sie ha­ben die­ses Re­gime mit un­end­lich viel Geld aus­ge­stat­tet, da­mit die die Drecks­ar­beit für die EU ma­chen.“

EU-Mi­gra­ti­ons­kom­mis­sar Di­mi­tris Av­ra­mo­pou­los for­der­te der­weil ei­ne „stren­ge­re und ef­fek­ti­ve­re Politik für Rück­füh­run­gen“, wie er der Fun­ke-Me­di­en­grup­pe sag­te. Mi­gran­ten, die kei­nen in­ter­na­tio­na­len Schutz be­nö­tig­ten, in ih­re Hei­mat zu­rück­zu­schi­cken sei un­er­läss­lich, um das Ver­trau­en in das Asyl­sys­tem der EU zu wah­ren.

Das Dra­ma auf dem Mit­tel­meer:

Bleibt vor­erst im Ha­fen: die „Vos Pru­dence“der Or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te oh­ne Gren­zen, hier im Mai bei der An­kunft in Nea­pel mit fast 1500 ge­ret­te­ten Flücht­lin­gen an Bord. Fo­to: dpa

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