Ka­ser­nen-Na­men: Darf Rom­mel doch blei­ben?

Erst ei­ne Um­be­nen­nung nach Initia­ti­ve von der Ley­ens – Lin­ke: Bun­des­wehr will an Wehr­macht fest­hal­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Von Dirk Fis­ser

Der Skan­dal um mut­maß­lich rechts­ter­ro­ris­ti­sche Um­trie­be bei der Bun­des­wehr soll­te der Aus­lö­ser sein, um ein al­tes Streit­the­ma end­gül­tig aus der Welt zu schaf­fen: Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) hat­te im Zu­ge der Fest­nah­me des Ober­leut­nants Fran­co A. ei­ne Um­be­nen­nung von Ka­ser­nen ins Spiel ge­bracht, die die Na­men von Wehr­machts­of­fi­zie­ren tra­gen. Ver­schwin­det die Er­in­ne­rung an „Wüs­ten­fuchs“Erwin Rom­mel und an­de­re jetzt tat­säch­lich von den Ka­ser­nen­mau­ern?

Of­fen­bar nicht – oder zu­min­dest nicht so schnell und voll­stän­dig, wie es man­che ge­hofft hat­ten. Die Lin­ken im Bun­des­tag üben des­halb schar­fe Kri­tik an Bun­des­wehr und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin. Lin­ken-Ab­ge­ord­ne­te Ul­la Jelp­ke sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Die An­kün­di­gung, sämt­li­che Ka­ser­nen­na­men, die ei­nen Be­zug zur Na­zi-Wehr­macht ha­ben, auf den Prüf­stand zu stel­len, er­weist sich als ge­lo­gen.“

Laut Jelp­ke wird an sechs Stand­or­ten gar nicht über his­to­risch be­las­te­te Na­mens­ge­ber ge­spro­chen. Sie be­ruft sich da­bei auf ak­tu­el­le Zah­len, die ihr das Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge mit­ge­teilt hat. Dem­nach wird oder wur­de an zwölf Stand­or­ten ei­ne Dis­kus­si­on über den Na­mens­ge­ber der je­wei­li­gen Ka­ser­ne ge­führt. Bei sie­ben Ka­ser­nen lau­fe die De­bat­te noch.

Vier ne­ga­ti­ve Vo­ten

In vier wei­te­ren Fäl­len hät­ten sich die Be­tei­lig­ten ge­gen ei­ne Um­be­nen­nung aus­ge­spro­chen, dar­un­ter die Rom­mel-Ka­ser­nen in Dorn­stadt und Au­gust­dorf. Erst in ei­nem Fall, dem der ehe­ma­li­gen Ge­ne­ral-Thom­sen-Ka­ser­ne in Sta­dum, tra­ge die Lie­gen­schaft nun ei­nen neu­en Na­men. Laut Jelp­ke gibt es dar­über hin­aus deutsch­land­weit sechs Ka­ser­nen mit Wehr­macht-Na­mens­ge­bern, die sich der De­bat­te ganz ver­schlös­sen.

„Wenn die Bun­des­wehr un­be­dingt an der Wehr­macht fest­hal­ten will, soll sie dies auch ein­ge­ste­hen. Dann weiß die Öf­fent­lich­keit, wes Geis­tes Kind die Trup­pe ist“, sagt Jelp­ke. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um hin­ge­gen be­tont in der Ant­wort, die Bun­des­wehr pfle­ge „kei­ne Tra­di­ti­on zu vor­he­ri­gen deut­schen Streit­kräf­ten im All­ge­mei­nen und schon gar nicht zur Wehr­macht im Be­son­de­ren“.

Laut Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin von der Ley­en sol­len die Sol­da­ten vor Ort in der Na­mens­fra­ge selbst ent­schei­den dür­fen. Das Mi­nis­te­ri­um schreibt den Lin­ken, die zen­tra­le Fra­ge sei, „ob für die An­ge­hö­ri­gen der Bun­des­wehr vor Ort der Na­me sinn­stif­tend im Sin­ne des Tra­di­ti­ons­ver­ständ­nis­ses ist oder nicht“.

Noch nicht ab­ge­schlos­sen sind laut Mi­nis­te­ri­um die Dis­kus­si­ons­pro­zes­se an der Feld­we­bel-Li­li­en­thal-Ka­ser­ne in Del­men­horst, an der Lent-Ka­ser­ne in Ro­ten­burg, der Em­mich-Cam­brai-Ka­ser­ne in Han­no­ver, der Ern­s­tMo­ritz-Arndt-Ka­ser­ne in Ha­ge­now, der Mar­seil­le-Ka­ser­ne in Köln so­wie der Hin­den­bur­gund der Schulz-Lut­zKa­ser­ne in Muns­ter.

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