Der Prä­si­dent und die Rechts­ex­tre­mis­ten

Nach blu­ti­ger Es­ka­la­ti­on in Vir­gi­nia ver­wei­gert Do­nald Trump ei­ne kla­re Stel­lung­nah­me

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Mehr auf noz.de/trump

Ei­ne rechts­ex­tre­me Kund­ge­bung ar­tet in den USA in Ge­walt aus, es gibt ei­ne To­te und vie­le Ver­letz­te. Prä­si­dent Trump wird vor­ge­wor­fen, dass er die Schul­di­gen nicht beim Na­men nennt.

Von Tho­mas Sei­bert

Die dich­te Men­ge der Ge­gen­de­mons­tran­ten schiebt sich durch ei­ne Sei­ten­stra­ße in Charlottesville im US-Bun­des­staat Vir­gi­nia. Die meist jun­gen Leu­te wol­len ge­gen ei­ne Kund­ge­bung von Rechts­ex­tre­mis­ten in der vor­wie­gend links­li­be­ra­len Uni­ver­si­täts­stadt po­tes­tie­ren. Vor­sich­tig rollt ein dun­kel­ro­ter Pkw durch die Men­ge, ge­folgt von ei­nem sil­ber­nen Wa­gen. Plötz­lich schie­ßen die bei­den Fahr­zeu­ge nach vor­ne: Sie sind hin­ten von ei­nem drit­ten Au­to mit ho­her Ge­schwin­dig­keit ge­rammt wor­den, meh­re­re Men­schen wer­den in die Luft ge­schleu­dert.

„Der Na­zi ist ge­ra­de in die Leu­te ge­fah­ren, oh mein Gott“, ruft ein De­mons­trant. Der Fah­rer des Tat­fahr­zeugs setzt zu­rück, um zu ent­kom­men. Sei­ne fast ab­ge­ris­se­ne Front­stoß­stan­ge schleift am Bo­den. Ei­ne De­mons­tran­tin ist tot, min­des­tens 19 Men­schen sind ver­letzt.

Die Sze­ne am Sams­tag­mit­tag, fest­ge­hal­ten von zahl­rei­chen Han­dy-Ka­me­ras und im In­ter­net ver­brei­tet, ist der bru­ta­le Hö­he­punkt ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung, die ganz Ame­ri­ka schockt. Hun­der­te Neo­na­zis, Mit­glie­der des Ku-Klux-Klans und an­de­re Rechts­ra­di­ka­le sind nach Charlottesville ge­kom­men. Sie ha­ben Schil­de, Hel­me und die Bür­ger­kriegs­fah­nen der Süd­staa­ten mit­ge­bracht. Ei­ni­ge von ih­nen sind Mit­glie­der in rechts­ge­rich­te­ten Mi­li­zen und tra­gen Kampf­an­zü­ge und Schnell­feu­er­ge­weh­re. Schon am Vor­abend hat­ten sie mit ei­nem na­ziähn­li­chen

Fa­ckel­zug auf dem Ge­län­de der Uni­ver­si­tät ei­nen Vor­ge­schmack auf das Wo­che­n­en­de ge­ge­ben.

An ei­nem Park im Zen­trum ge­ra­ten Rechts­ex­tre­mis­ten und Ge­gen­de­mons­tran­ten an­ein­an­der. Es gibt Prü­ge­lei­en und Fla­schen­wür­fe, von

bei­den Sei­ten wird Pfef­fer­gas ver­sprüht. Die Po­li­zei löst die De­mons­tra­tio­nen schließ­lich auf. Der Fah­rer des Wa­gens, der in die Men­schen­men­ge ge­pflügt war, wird fest­ge­nom­men. Er heißt Ja­mes Alex Fiel­ds Jr, ein 20-jäh­ri­ger Wei­ßer aus Ohio. Das FBI er­mit­telt;

Fiel­ds soll we­gen Tot­schlags vor Ge­richt kom­men.

Kon­kre­ter An­lass der Ex­tre­mis­ten-De­mo un­ter dem Mot­to „Ver­ei­nigt die Rech­te“ist der ge­plan­te Ab­riss ei­nes Denk­mals des Bür­ger­kriegs­Ge­ne­rals Ro­bert E. Lee in ei­nem Park in Charlottesville. Lee, der für die Skla­ven­hal­ter-Staa­ten des ame­ri­ka­ni­schen Sü­dens kämpf­te, ist bis heu­te für vie­le Men­schen im Ge­biet der da­ma­li­gen Kon­fö­de­ra­ti­on ein Held. Für die alt­ein­ge­ses­se­nen Rechts­ra­di­ka­len wie den Ku-Klux-Klan und die Be­we­gung der „Al­ter­na­ti­ven Rech­ten“, ver­kör­pert der Ge­ne­ral den auf­rech­ten Kampf für die an­geb­li­che Über­le­gen­heit des wei­ßen Man­nes.

Des­halb geht es in Charlottesville nicht nur um ein Denk­mal. „Ihr wer­det uns nicht ver­drän­gen“und „Ju­den wer­den uns nicht ver­drän­gen“, ru­fen die Fa­ckel­trä­ger am Frei­tag. Am Sams­tag spricht Da­vid Du­ke, der eben­falls nach Charlottesville ge­kom­me­ne Ex-Chef des Ku-Klux-Klans, von ei­nem „Wen­de­punkt für die Men­schen die­ses Lan­des“. Aus­drück­lich be­kennt sich Du­ke zu Do­nald Trump.

Kein Wort der Ab­scheu

In sei­nem Ur­laubs­ort Bed­mins­ter in New Jer­sey ver­ur­teilt Do­nald Trump die Ge­walt, spricht aber von „Hass, In­to­le­ranz und Ge­walt auf vie­len Sei­ten“. Kein Wort der Ab­scheu über die Ver­an­stal­tung der Rechts­ex­tre­men kommt ihm über die Lip­pen. Me­di­en der US-Rechts­ex­tre­mis­ten fei­ern Trumps Er­klä­rung als Sieg für ih­re Sa­che.

Selbst re­pu­bli­ka­ni­sche Par­tei­freun­de des Prä­si­den­ten zei­gen sich da­ge­gen ge­schockt. Se­na­tor Mar­co Ru­bio for­dert, Trump müs­se die Ge­walt als rechts­ex­tre­men Ter­ro­ris­mus ver­ur­tei­len. Auch Trumps ehe­ma­li­ger Kom­mu­ni­ka­ti­ons­di­rek­tor Ant­ho­ny Sca­ra­muc­ci sagt, Trump hät­te die rech­te Ge­walt „viel schär­fer“ver­ur­tei­len müs­sen.

Doch Trump tut dies nicht. Ei­ne kla­re Aus­sa­ge kommt le­dig­lich von sei­nem Si­cher­heits­be­ra­ter Her­bert Ray­mond McMas­ter, der bei ABC of­fen von „Ter­ro­ris­mus“spricht. Of­fen­bar will die Re­gie­rung da­mit der Kri­tik den Wind aus den Se­geln neh­men, oh­ne die Po­pu­la­ri­tät von Trump bei den Rechts­ra­di­ka­len zu ge­fähr­den.

Was die USA und ih­ren Prä­si­den­ten um­treibt:

Auf­marsch der Rech­ten in Charlottesville: Na­tio­na­lis­ten, Neo­na­zis und „Al­ter­na­ti­ve Rech­te“ver­sam­meln sich. Fo­to: AFP

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