Bri­ten wol­len Über­gangs­pha­se

London kün­digt Br­ex­it-Pa­pie­re an – Brüs­sel denkt über „Mo­dell Nor­we­gen“nach

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Detlef Dre­wes

BRÜS­SEL/LONDON. In die Br­ex­it-Ver­hand­lun­gen könn­te Be­we­gung kom­men: Zwei bri­ti­sche Mi­nis­ter ha­ben über­ra­schend ei­ne Über­gangs­pha­se nach dem Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on vor­ge­schla­gen. Ei­ne sol­che zeit­lich be­grenz­te In­te­rims­pha­se könn­te der Wirt­schaft mehr Si­cher­hei­ten ge­ben, schrie­ben Schatz­kanz­ler Phi­lip Ham­mond und der Mi­nis­ter für den in­ter­na­tio­na­len Han­del, Li­am Fox, im „Sun­day Te­le­graph“. Das Br­ex­it-Mi­nis­te­ri­um kün­dig­te für die nächs­ten Ta­ge „de­tail­lier­te Po­si­ti­ons­pa­pie­re“für die Ver­hand­lun­gen an.

Fox und Ham­mond mach­ten kei­ne An­ga­ben zur Län­ge der Über­gangs­pha­se. Ihr Land wer­de im März 2019 die EU aber „oh­ne Hin­ter­tür“ver­las­sen, be­ton­ten sie. Das be­deu­te auch den Aus­tritt aus dem Bin­nen­markt und der Zoll­uni­on. Die bei­den Kon­ser­va­ti­ven hat­ten in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ih­ren Streit über Br­ex­it-Fra­gen öf­fent­lich aus­ge­tra­gen. Ham­mond steht dem Aus­tritt sei­nes Lan­des aus der EU kri­tisch ge­gen­über, Fox ist hin­ge­gen für ei­nen kla­ren Bruch.

In den an­ge­kün­dig­ten Po­si­ti­ons­pa­pie­ren geht es nach An­ga­ben des Br­ex­it-Mi­nis­te­ri­ums so­wohl um die Tren­nung von der EU als auch um die künf­ti­ge Part­ner­schaft zur Ge­mein­schaft. Bis­lang ver­lie­fen die Ver­hand­lun­gen oh­ne Er­geb­nis. Brüs­sel ver­langt

von London bis En­de Au­gust Klar­stel­lun­gen zu al­len wich­ti­gen Fra­gen. Der bri­ti­sche Br­ex­it-Mi­nis­ter Da­vid Da­vis hat­te hin­ge­gen ge­for­dert, die EU sol­le sich bei ih­ren Po­si­tio­nen be­we­gen. Die nächs­te Ver­hand­lungs­run­de ist am 28. Au­gust ge­plant.

Die Kom­mis­si­on nutzt der­weil die Chan­ce, um hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren für das nor­we­gi­sche Mo­dell zu wer­ben. Zu­letzt 1994 spra­chen sich die Skan­di­na­vi­er bei ei­ner Volks­ab­stim­mung ge­gen ei­ne EU-Mit­glied­schaft aus. Trotz­dem le­ben die fünf Mil­lio­nen Ein­woh­ner strikt nach eu­ro­päi­schen Re­geln.

1994 trat das Land dem Eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­raum Da­vid Da­vis

(EWR) bei, ei­ne Art Frei­han­dels­zo­ne mit der EU. Os­lo nimmt seit­her am zoll­frei­en Han­del teil, ver­pflich­te­te sich da­für al­ler­dings, die kom­plet­te Samm­lung der EU-Ge­set­ze zu über­neh­men. Der Preis für die Qua­si-Mit­glied­schaft fällt hoch aus. Zum ei­nen kön­nen die nor­we­gi­schen Volks­ver­tre­ter kei­nen Ein­fluss auf die EU-Vor­schrif­ten neh­men. Zum an­de­ren wer­den für den Zu­gang zum Bin­nen­markt Ab­ga­ben fäl­lig – rund 83 Pro­zent des Bei­tra­ges, den das Land als Voll­mit­glied zu ent­rich­ten hät­te.

Soll­ten die Bri­ten sich tat­säch­lich für die­sen Weg ent­schei­den, müss­ten sie in glei­cher Wei­se tief in die Ta­sche grei­fen. Ex­per­ten ha­ben er­rech­net, dass London et­wa vier Mil­li­ar­den Eu­ro an die Ge­mein­schaft zu zah­len hät­te, die man ge­ra­de ver­las­sen hat. Viel grö­ßer dürf­te je­doch ein an­de­rer Stol­per­stein sein: Wie Nor­we­gen müss­te auch das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich die vier Gr­und­frei­hei­ten der EU (frei­er Han­del mit Wa­ren, Ka­pi­tal, Di­enst­leis­tun­gen und für Per­so­nen) an­wen­den, al­so auch die Frei­zü­gig­keit, die Groß­bri­tan­ni­en ja ei­gent­lich los­wer­den woll­te.

Fo­to: AFP

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