Grü­ne schal­ten auf An­griff

Par­tei­tag in Göt­tin­gen – CDU als Het­zer und Zom­bies be­zeich­net

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Dirk Fis­ser

Die Grü­nen in Nie­der­sach­sen schal­ten nach dem Ver­lust der Re­gie­rungs­mehr­heit auf Atta­cke. Ziel der An­grif­fe: der po­li­ti­sche Geg­ner, nicht aber die ab­trün­ni­ge El­ke Twes­ten.

Dem Grü­nen­Lan­des­par­tei­tag in Göt­tin­gen droh­te das Schick­sal der po­li­ti­schen Rand­no­tiz. Doch dann kam – oder bes­ser ge­sagt ging – El­ke Twes­ten, und die Ver­an­stal­tung ver­wan­del­te sich zur po­li­ti­schen Büh­ne der grü­nen Wie­der­auf­er­ste­hung. Statt das Schei­tern auf­zu­ar­bei­ten, rück­te die Par­tei zu­sam­men und schal­te­te auf An­griff.

Um­welt­mi­nis­ter Ste­fan Wen­zel fass­te das Wo­che­n­en­de so zu­sam­men: „Die­ser Ter­min hat sich im Nach­hin­ein als Glücks­fall er­wie­sen. Es ha­ben ei­ne gro­ße Ent­schlos­sen­heit und ein rie­si­ger Kampf­geist ge­herrscht.“Tat­säch­lich war vom Schock über den Ver­lust der Re­gie­rungs­mehr­heit nach dem Wech­sel Twes­tens zur CDU kaum et­was zu spü­ren. „Die Zeit des Jam­merns ist vor­bei“, be­fand Frak­ti­ons­che­fin An­ja Piel di­rekt zum Auf­takt. Und der Par­tei­tag folg­te.

Die Lan­des­lis­te zur vor­ge­zo­ge­nen Land­tags­wahl am 15. Ok­to­ber wur­de fast ge­räusch­los be­stimmt. Was auch vor dem Hintergrund er­staun­te, dass hier po­li­ti­sche Kar­rie­ren aus­ge­bremst oder gar be­en­det wur­den: Ei­ni­ge Noch-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te lan­de­ten auf fast aus­sichts­lo­sen Lis­ten­plät­zen an­ge­sichts da­hin­düm­peln­der Um­fra­ge­wer­te.

An­füh­ren soll den Wahl­kampf ein fünf­köp­fi­ges Spit­zen­team um Piel und Wen­zel, die die Lis­ten­plät­ze eins und zwei be­leg­ten. Er­gänzt wird das Duo von den grü­nen Mi­nis­tern: Chris­ti­an Mey­er (Agrar), Ant­je Nie­wisch-Lenn­artz (Jus­tiz) und Ga­b­rie­le Hei­nen-Kl­ja­jic (Wis­sen­schaft). Ih­re Auf­ga­be: ein zwei­stel­li­ges Er­geb­nis am 15. Ok­to­ber ein­fah­ren und die Rück­er­obe­rung der Staats­kanz­lei durch Schwarz-Gelb ver­hin­dern.

Da­bei deu­te­te sich an, dass der Ton­fall in die­sem Wahl­kampf scharf wer­den dürf­te. Vorm „schwarz-gel­ben Gru­sel­ka­bi­nett“wur­de ge­warnt, das mög­li­cher­wei­se wie­der­auf­er­ste­he. Chris­ti­an Mey­er sprach mit Blick auf die Op­po­si­ti­on von „schwarz-gel­ben Het­zern.“Aus der Fer­ne ver­ur­teil­ten CDU und FDP die Wort­wahl – ei­nes Mi­nis­ters un­wür­dig, hieß es.

Geht der Wahl­kampf so wei­ter? „Un­se­re Stär­ke liegt in der Über­zeu­gungs­kraft. Wir ha­ben Re­spekt vor un­se­rem po­li­ti­schen Geg­ner und wer­den ei­nen fai­ren Wahl­kampf füh­ren“, ver­sprach Wen­zel im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. „Das schließt die ei­ne oder an­de­re Spit­ze nicht aus.“

Über­zeu­gen will die Par­tei die Wäh­ler al­lem An­schein nach mit Din­gen, die sie in der ver­kürz­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode nicht mehr um­set­zen konn­te: et­wa ein schär­fe­res Was­ser­ge­setz. Wen­zel fass­te die Aus­gangs­la­ge so zu­sam­men: „Wir ha­ben den Wil­len, Nie­der­sach­sen wei­ter zu ge­stal­ten.“Die CDU dürf­te da­bei als Part­ner nach die­sem Par­tei­tag end­gül­tig aus­ge­schlos­sen sein.

Die Lis­ten von Grü­nen und FDP im Über­blick fin­den Sie im In­ter­net auf noz.de/lan­des­po­li­tik

Par­tei rückt zu­sam­men: Grü­nen-Ur­ge­stein Jür­gen Trit­tin (rechts), gra­tu­liert den nie­der­säch­si­schen Spit­zen­kan­di­da­ten, der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den An­ja Piel und Um­welt­mi­nis­ter Ste­fan Wen­zel. Fo­to: dpa

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