Os­na­brück be­kommt ei­nen Pfle­ge­stütz­punkt

Fast al­le Kom­mu­nen in Nie­der­sach­sen ha­ben längst ei­nen – Lot­sen durch den Bü­ro­kra­tie-Dschun­gel

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von San­dra Dorn

Als ei­ne der letz­ten Kom­mu­nen in Nie­der­sach­sen will Os­na­brück ei­nen Pfle­ge­stütz­punkt ein­rich­ten. Was heißt das?

OS­NA­BRÜCK. Rund 5000 Men­schen in Os­na­brück sind pfle­ge­be­dürf­tig, das sind et­wa drei Pro­zent – Ten­denz stei­gend. Bis 2031 wer­den es laut Pro­gno­sen der Stadt wohl 6000 Pfle­ge­be­dürf­ti­ge sein. Doch das The­ma Pfle­ge ist für die Be­trof­fe­nen vor al­lem ei­nes: kom­pli­ziert. Was steht ei­nem Ehe­paar zu, wenn ei­ner der Part­ner pfle­ge­be­dürf­tig wird? Wie kom­men sie an ein Pfle­ge­bett? Wie fin­den sie ei­nen He­im­platz? Wie wird der Pfle­ge­grad er­mit­telt? Als ers­te An­lauf­stel­le sind Pfle­ge­stütz­punk­te da­zu da, die Be­trof­fe­nen kos­ten­los und un­ab­hän­gig zu be­ra­ten und den Kon­takt zur Pfle­ge­kas­se her­zu­stel­len.

Stadt hinkt hin­ter­her

In fast al­len nie­der­säch­si­schen Kom­mu­nen und Land­krei­sen gibt es be­reits sol­che Pfle­ge­stütz­punk­te, auch der Land­kreis Os­na­brück hat ei­nen ein­ge­rich­tet. Hier lot­sen die Mit­ar­bei­ter Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ih­re An­ge­hö­ri­gen schon seit sie­ben Jah­ren durch den Dschun­gel der Pfle­ge-Bü­ro­kra­tie. Nur die Stadt hinkt noch hin­ter­her. 2009 hat­ten das Land Nie­der­sach­sen, Kom­mu­nal­ver­bän­de und Pfle­ge­kas­sen ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Ver­bes­se­rung des Be­ra­tungs­an­ge­bo­tes ab­ge­schlos­sen. Die Ein­rich­tung

von Pfle­ge­stütz­punk­ten in al­len Land­krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten wird dar­in an­ge­strebt – aber auf frei­wil­li­ger Ba­sis.

Ge­schlos­sen hat der Rat En­de Mai die Ver­wal­tung be­auf­tragt, sich um die Ein­rich­tung ei­nes Pfle­ge­stütz­punk­tes zu küm­mern. Mitt­ler­wei­le sind die Pla­nun­gen kon­kre­ter ge­wor­den und wa­ren jetzt The­ma im So­zi­al- und Ge­sund­heits­aus­schuss, wo sie frak­ti­ons­über­grei­fend gro­ßen An­klang fan­den. Die Stadt be­ob­ach­tet nicht nur ei­nen An­stieg der Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen, son­dern

auch des Be­ra­tungs­be­darfs. Durch die Um­stel­lung der drei Pfle­ge­stu­fen auf fünf Pfle­ge­gra­de in die­sem Jahr wird ei­ne wei­te­re Zu­nah­me er­war­tet. Pfle­ge­grad eins kön­nen auch schon Men­schen er­lan­gen, die be­reits (meist kör­per­lich) ein­ge­schränkt sind, aber bis­lang kei­ne Pfle­ge­stu­fe be­kom­men ha­ben.

Se­nio­ren­bü­ro

Was es seit 2014 in Os­na­brück be­reits gibt, ist ein Se­nio­ren­stütz­punkt, der vom Land Nie­der­sach­sen jähr­lich mit 40 000 Eu­ro ge­för­dert

wird und beim Se­nio­ren­bü­ro an­ge­sie­delt ist – ei­ne An­lauf­stel­le für Men­schen ab 55 Jah­ren. Der Se­nio­ren­stütz­punkt an der Bier­stra­ße 32a ist zu­dem eng ver­zahnt mit der städ­ti­schen Frei­wil­li­genagen­tur. Der Pfle­ge­stütz­punkt, der die Stadt knapp 20000 Eu­ro jähr­lich kos­ten wird (60000 Eu­ro schie­ßen die Pfle­ge­kas­sen hin­zu), soll da­her or­ga­ni­sa­to­risch an den Se­nio­ren­stütz­punkt an­ge­dockt wer­den und mög­lichst auch räum­lich. Das hält nicht nur die Ver­wal­tung für sinn­voll, son­dern auch die Aus­schuss­mit­glie­der spra­chen

sich mit Nach­druck da­für aus. Auch beim Land­kreis be­fin­den sich bei­de Stütz­punk­te un­ter ei­nem Dach. Ent­schie­den ist in­des noch nichts.

In­wie­weit die Stadt mit dem Pfle­ge­stütz­punkt des Land­krei­ses ko­ope­rie­ren wird, ist noch of­fen. Laut Ka­rin Hein­rich, Lei­te­rin des Fach­be­reichs In­te­gra­ti­on, So­zia­les und Bür­ger­en­ga­ge­ment, sei ein ers­tes Ge­spräch dar­über ge­führt wor­den.

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Al­lei­ne kön­nen sich nur we­ni­ge Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ih­re An­ge­hö­ri­gen im Di­ckicht der deut­schen Pfle­ge­land­schaft zu­recht­fin­den. Ein Pfle­ge­stütz­punkt soll Be­ra­tung bie­ten. Fo­to: Jens Bütt­ner/dpa

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