Me­di­en in Zei­ten von „Fa­ke News“

Frie­dens­po­li­ti­scher Früh­schop­pen: Auf der Su­che nach se­riö­sen In­for­ma­tio­nen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Wie bleibt man gut in­for­miert in Zei­ten von „Fa­ke News“und „So­ci­al Bots“? So lau­te­te ei­ne Kern­fra­ge beim jüngs­ten „frie­dens­po­li­ti­schen Früh­schop­pen“in Os­na­brück.

Zum sechs­ten Mal hat­te der För­der­kreis der Os­na­brü­cker Frie­dens­ge­sprä­che zu ei­ner sol­chen Ver­an­stal­tung ein­ge­la­den, dies­mal ging es um das The­ma „En­de der Öf­fent­lich­keit“. Mit den Mo­de­ra­to­ren Kat­ha­ri­na Op­la­den und Rolf Wort­mann vom För­der­kreis dis­ku­tier­ten NOZRe­dak­teur Rai­ner Lah­mann-Lam­mert, Ser­gej Frie­sen vom As­ta der Hoch­schu­le Os­na­brück und Al­f­red Ro­tert, Or­ga­ni­sa­tor des Eu­ro­pean Me­dia Art Fes­ti­vals (EMAF).

Was man heu­te un­ter Öf­fent­lich­keit ver­ste­he, ge­he auf ei­nen Pro­zess der Mei­nungs­bil­dung in Kaf­fee­häu­sern, Ver­ei­nen, Or­den oder bei Zei­tun­gen vor­nehm­lich im 19. Jahr­hun­dert zu­rück, sag­te Wort­mann. Die­se Öf­fent­lich­keit sei „je­dem zu­gäng­lich“ge­we­sen. Nach an­fäng­li­cher Eu­pho­rie und der ur­sprüng­li­chen Hoff­nung auf grö­ße­re Selbst­be­stim­mung bei den In­ter­net-Nut­zern be­ste­he mitt­ler­wei­le der Ver­dacht, dass das World Wi­de Web „ei­ne Ein­flug­schnei­se für Fa­ke-News“sei

und an­de­re Me­di­en ver­drän­ge. Schlimms­ten Be­fürch­tun­gen in die­ser Rich­tung trat Lah­mann-Lam­mert ent­ge­gen. Die Zei­tung wan­de­le sich stän­dig und pas­se sich ver­än­der­ten Le­se­ge­wohn­hei­ten an, sag­te der seit mehr als drei Jahr­zehn­ten für die Neue Os­na­brü­cker Zei­tung tä­ti­ge Lo­kal­re­dak­teur. Di­gi­ta­li­sie­rung und In­ter­net bö­ten „vie­le Chan­cen für de­mo­kra­ti­sche Pro­zes­se, aber ich glau­be, dass die Hälf­te der Ge­sell­schaft dies nicht mit­ma­chen will“, er­klär­te der Jour­na­list wei­ter. Er ver­wies un­ter an­de­rem dar­auf, dass mit so­ge­nann­ten „So­ci­al Bots“im In­ter­net fal­sche Mei­nun­gen ge­schürt wer­den.

Ge­gen Fil­ter­bla­sen, die In­ter­net-Nut­zern nur ei­nen

sehr ver­eng­ten Blick auf die Welt er­mög­li­chen, wür­de nach Mei­nung Lah­man­nLam­merts die Ver­mitt­lung von Me­di­en­kom­pe­tenz in Schu­len hel­fen. „Das ist genau­so wich­tig wie Le­sen und Schrei­ben“, sag­te er.

Emaf-Ma­cher Ro­tert er­in­ner­te dar­an, dass es wie beim In­ter­net in der Ver­gan­gen­heit „schon meh­re­re Me­di­en gab, mit de­nen gro­ße ge­sell­schaft­li­che Er­war­tun­gen ver­knüpft wa­ren“. Zum Bei­spiel die Vi­deo­tech­nik in den 1980er-Jah­ren, die sich mit der MTV-Kul­tur in ei­ne kom­mer­zi­el­le Rich­tung ent­wi­ckelt ha­be, ob­wohl sie ur­sprüng­lich zum Bei­spiel von der Haus­be­set­zer­sze­ne ge­nutzt wur­de, um Auf­merk­sam­keit zu er­lan­gen. „Aus sol­chen The­men der Ge­gen­of­fen­si­ve der Acht­zi­ger hat sich et­was ent­wi­ckelt, was heu­te im Main­stream an­ge­kom­men ist. Das könn­te durch­aus po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Öf­fent­lich­keit ha­ben“, gab sich Ro­tert op­ti­mis­tisch.

Mit On­line-Vi­de­os kann man auch ein jün­ge­res Pu­bli­kum er­rei­chen – das mach­te As­ta-Ver­tre­ter Frie­sen deut­lich. Die NOZ sei sich des­sen be­wusst und set­ze Vi­de­os ge­zielt auf ih­ren On­li­ne­sei­ten ein, sag­te Lah­mann-Lam­mert, der sich zu­ver­sicht­lich zeig­te, dass Qua­li­täts­jour­na­lis­mus auch im In­ter­net-Zeit­al­ter mög­lich sei.

Und ist die Öf­fent­lich­keit nun we­gen des In­ter­nets am En­de? Auf die­se Zu­hö­r­er­fra­ge konn­te der Mo­de­ra­tor Wort­mann zum Schluss we­der mit Ja noch mit Nein ant­wor­ten. ‚Der Hoch­schul­pro­fes­sor hat al­ler­dings bei sei­nen Stu­den­ten ein Nach­las­sen der „Kul­tur­fä­hig­keit“fest­ge­stellt, „sich in­ten­siv durch lan­ges Le­sen mit et­was zu be­schäf­ti­gen“. Und ei­ne ge­wis­se po­li­ti­sche Gleich­gül­tig­keit: So hät­ten drei Ta­ge nach dem Rück­tritt Chris­ti­an Wul­ffs vom Amt des Bun­des­prä­si­den­ten ei­ni­ge jun­ge Leu­te in sei­ner Vor­le­sung noch nichts da­von ge­wusst, be­klag­te Rolf Wort­mann.

Fluch oder Se­gen? Über In­for­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten im In­ter­net-Zeit­al­ter dis­ku­tier­ten Rai­ner Lah­mann-Lam­mert, Kat­ha­ri­na Op­la­den, Rolf Wort­mann, Al­f­red Ro­tert und Ser­gej Frie­sen (von links). Fo­to: El­vi­ra Par­ton

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