Hei­li­ger Am­bro­si­us stand Pa­te beim Na­men Bross

Auch an­de­re Her­lei­tun­gen des Na­mens sind mög­lich

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Von Win­fried Breid­bach

Neue-OZ-Le­ser Micha­el Al­bers aus Ge­orgs­ma­ri­en­hüt­te in­ter­es­siert sich für den Ur­sprung des in sei­ner Fa­mi­lie vor­kom­men­den Nach­na­mens Bross. Mit 3000 Na­mens­trä­gern ist Bross ein recht häu­fi­ger Fa­mi­li­en­na­me. Bei et­was mehr als der Hälf­te der Per­so­nen die­ses Na­mens wird „Bross“ge­schrie­ben, an­sons­ten „Broß“. Bross/Broß ist zwar in vie­len Re­gio­nen Deutsch­lands an­zu­tref­fen, kon­zen­triert sich aber im Süd­wes­ten, wo die drei stärks­ten Nes­ter des Na­mens in den Krei­sen Or­ten­au, Calw und Freu­den­stadt lie­gen. Als Schreib­va­ri­an­te ist der sel­te­ne Fa­mi­li­en­na­me Brohs an­zu­füh­ren, bei dem die Schrei­bung -hs als fal­sche Um­set­zung von lan­gem s und Schluss-s der alt­deut­schen Schreib­schrift ent­stand. In ei­ni­gen Nach­bar­län­dern gibt es den Fa­mi­li­en­na­men in der Schrei­bung Bross: Po­len (110 Per­so­nen), Nie­der­lan­de (80), Schweiz (60) und Tsche­chi­en (35).

Grund­sätz­lich konn­te der Nach­na­me Bross/Broß auf drei ver­schie­de­nen We­gen ent­ste­hen. Wahr­schein­lich liegt in den meis­ten Fäl­len ei­ne der Kurz­for­men des Hei­li­gen­und Tauf­na­mens Am­bro­si­us zu­grun­de. Am­bro­si­us ist die la­tei­ni­sche Form des ur­sprüng­lich grie­chi­schen Na­mens Am­bró­si­os, die Be­deu­tung wird mit „der Uns­terb­li­che, Gött­li­che“an­ge­ge­ben. Der Na­me wur­de po­pu­lär durch den hei­li­gen Kir­chen­leh­rer und Bi­schof von Mai­land Am­bro­si­us (ge­stor­ben 397).

In frü­he­ren Jahr­hun­der­ten war der Tauf­na­me Am­bro­si­us als Vor­na­me sehr be­liebt, wo­bei zahl­rei­che Kur­zund Ko­se­for­men ent­wi­ckelt wur­den. Vie­le die­ser Na­mens­for­men wur­den als Bei­na­men ver­ge­ben und le­ben heu­te noch als Fa­mi­li­en­na­men fort. Ei­ni­ge der heu­ti­gen Fa­mi­li­en­na­men wie Am­bros, Am­broz, Am­bras, Am­brosch ha­ben die ers­te Sil­be be­wahrt, bei Na­men wie Bro­se, Bro­si, Bro­si­us, Bro­sig, Brooß, Broß, Proß, Brö­se, Prö­se, Bro­sel, Brö­sel, Prö­sel ent­fiel die ers­te Sil­be.

His­to­ri­sche Be­le­ge mit Bross als Vor­na­me: 1530 „Bross Fu­et­ter­schnei­der“(Dux/Nord­böh­men), 1572 „Bross Hei­nen“(Oschers­le­ben), 1598 „Broß Mühll“(Gro­ßen­hain), 1624 „Bross Wernt­ges“(Mül­heim).

Im hoch­deut­schen Sprach­ge­biet ist der Fa­mi­li­en­na­me iden­tisch mit dem heu­te un­ge­bräuch­li­chen Wort Broß „Knos­pe, Spros­se“. Im Ein­zel­fall konn­te da­her je­mand mit dem Bei­na­men Broß/Bross als „Spröss­ling“be­zeich­net wer­den, ver­mut­lich mit iro­nisch-ab­wer­ten­der Be­deu­tung „sau­be­res“oder „schö­nes Frücht­chen“.

Im sla­wisch-deut­schen Kon­takt­ge­biet kann Bross auch aus sla­wi­schen Ruf­na­men wie Bros, Broz, Brosz ein­ge­deutscht sein, die teils zu Am­bro­si­us, teils zu an­de­ren Na­men ge­hö­ren.

Äl­tes­te Be­le­ge: 1390 „Al­brecht Broß“(Eb­hau­sen, Kreis Calw), 1545 „Ni­cl Bross“(Vogt­land).

Im In­ter­net fin­den Sie die Fa­mi­li­en­na­men, die Win­fried Breid­bach schon im Auf­trag un­se­rer Zei­tung un­ter­sucht hat. Un­ter www.noz.de/ na­men kön­nen sie auf­ge­ru­fen wer­den. Wei­te­re Na­mens­vor­schlä­ge bit­te an na­mens­for­scher@ noz.de sen­den.

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