„Grenz­über­schrei­ten­de Leis­tun­gen“ge­wür­digt

Re­gis­seu­rin Ka­rin Ka­per und His­to­ri­ker Sta­nislaw Sla­wo­mir Ni­cie­ja er­hal­ten Kul­tur­preis Schle­si­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Matthias Liedt­ke

Die Re­gis­seu­rin Ka­rin Ka­per, der His­to­ri­ker Sta­nislaw Sla­wo­mir Ni­cie­ja so­wie der Ver­ein Pro Li­be­ris Si­le­siae be­ka­men am Sams­tag im Thea­ter am Dom­hof von In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us den 41. Kul­tur­preis Schle­si­en des Lan­des Nie­der­sach­sen ver­lie­hen.

Al­len drei Preis­trä­gern sei ge­mein­sam, dass sie mit ih­ren „grenz­über­schrei­ten­den Leis­tun­gen Bot­schaf­ter für Ver­stän­di­gung, Ver­söh­nung und Ver­bun­den­heit“sei­en, sag­te Pis­to­ri­us, der An­fang März der deutsch-pol­ni­schen Ju­ry vor­ge­stan­den hat­te. Auf­grund der Viel­zahl der ge­eig­ne­ten Vor­schlä­ge sei die Aus­wahl „die­ses Mal be­son­ders schwer­ge­fal­len“, be­ton­te er. Ka­rin Ka­per hät­te mit ih­rem ge­mein­sam mit ih­rem Le­bens­und Schaf­fen­s­part­ner Dirk Szu­szi­es im ver­gan­ge­nen Jahr pro­du­zier­ten Do­ku­men­tar­film „Wir sind Ju­den aus Bres­lau“14 jü­di­schen Na­zi­ver­fol­gungs- und Ho­lo­caust-Über­le­ben­den ei­ne Stim­me ver­lie­hen. Sie blei­be da­bei aber nicht in der Ver­gan­gen­heit ste­hen, son­dern schla­ge auch Brü­cken zur Ge­gen­wart, in­dem die Zeit­zeu­gen die Zu­schau­er auch „am heu­ti­gen jü­di­schen Kul­tur­le­ben Bres­laus“teil­neh­men lie­ßen, füg­te Lau­da­to­rin Ul­ri­ke

Tre­zi­ak hin­zu. Der Film er­mah­ne zu „Of­fen­heit, To­le­ranz und ge­gen­sei­ti­gem Re­spekt“.

Der zwei­te mit 4000 Eu­ro do­tier­te Haupt­preis ging an den Au­tor, His­to­ri­ker und Bio­graf Sta­nislaw Sla­wo­mir Ni­cie­ja, dem es zu ver­dan­ken sei, dass „fast 20 künst­le­risch wert­vol­le, aus dem 19. Jahr­hun­dert stam­men­de deut­sche

Denk­mä­ler in Schle­si­en vor dem Zer­fall ge­ret­tet“wer­den konn­ten, hob Ma­ciej La­giew­ski in sei­ner Lau­da­tio her­vor. Der Geehr­te selbst be­trach­te­te den „wich­tigs­ten Preis“in sei­nem Le­ben auch als An­er­ken­nung für sei­ne „bis­he­ri­ge Do­ku­men­ta­ti­ons­ar­beit“und „Tä­tig­keit als Kul­tur­schaf­fen­der in Schle­si­en“, wo sich ge­gen­wär­tig

„sehr har­mo­nisch deutsch­pol­ni­sche Ein­flüs­se und As­so­zia­tio­nen mit­ein­an­der ver­bin­den“wür­den.

Da­für steht auch der vor fast zehn Jah­ren ge­grün­de­te Ver­ein Pro Li­be­ris Si­le­siae, des­sen Ver­diens­te um ei­ne bi­lin­gua­le und welt­of­fe­ne Bil­dung und Er­zie­hung mit ei­nem mit 3000 Eu­ro do­tier­tem Son­der­preis ge­wür­digt

wur­den. An in­zwi­schen drei Stand­or­ten in Schle­si­en wür­den auf der Grund­la­ge der in­no­va­ti­ven Re­form­päd­ago­gik von Ma­ria Montes­so­ri deut­sche und pol­ni­sche Kin­der zwei­spra­chig, gleich­be­rech­tigt und ge­mein­sam „zu mün­di­gen Bür­gern“er­zo­gen, er­läu­ter­te Mar­ga­re­the Wys­dak, die als Vor­stands­vor­sit­zen­de des Ver­eins den Preis ent­ge­gen­nahm. Schu­len und Kin­der­gär­ten be­rei­te­ten da­bei als „Häu­ser des Ler­nens und Weltent­de­ckens“auf das Le­ben vor – „schöp­fe­risch, kind­zen­triert, an­tiaggres­siv und im gu­ten Sin­ne des Wor­tes an­ti­au­to­ri­tär“, wie Lau­da­tor Micha­el Pietsch be­ton­te.

Für ei­nen fei­er­li­chen Rah­men im Thea­ter am Dom­hof sorg­ten Sän­ge­rin Vi­via­ne Ku­do und ihr Gi­tar­rist Jo Schultz, für die Folk­lo­re die bun­te Schle­si­sche Trach­ten­grup­pe Os­na­brück, die zwi­schen den Re­de­bei­trä­gen un­ter­schied­li­che tra­di­tio­nel­le Tän­ze dar­bot.

Die Ver­lei­hung des seit 1977 aus­ge­schrie­be­nen Prei­ses für Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de mit schle­si­schen Wur­zeln oder Be­zü­gen für be­son­de­re Leis­tun­gen im Be­reich der Li­te­ra­tur, der Mu­sik oder der bil­den­den Kunst sei längst auch zu ei­nem „Sym­bol der deutsch-pol­ni­schen Be­geg­nung“und des Aus­tauschs ge­wor­den, sag­te Pis­to­ri­us. Die be­son­de­ren Leis­tun­gen der dies­jäh­ri­gen Preis­trä­ger ent­hiel­ten ei­ne „War­nung vor In­to­le­ranz und Aus­gren­zung“so­wie ei­nen „Hin­weis auf die Wich­tig­keit der im­ma­te­ri­el­len Kul­tur“, führ­te Ta­de­usz Sam­bor­ski, Vi­ze­mar­schall der Woi­wod­schaft Nie­der­schle­si­en, in sei­ner Be­grü­ßungs­an­spra­che aus. Sie sei­en auch als „Auf­ruf zur Ach­tung vor dem Men­schen und sei­nem Kul­tur­er­trag“zu ver­ste­hen – „un­ab­hän­gig von Na­tio­na­li­tät und Kon­fes­si­on“.

Die Preis­trä­ger und Lau­da­to­ren des 41. Kul­tur­prei­ses Schle­si­en: Ta­de­usz Sam­bor­ski, Vi­ze­mar­schall der Woi­wod­schaft Nie­der­schle­si­en, His­to­ri­ker Sta­nislaw Sla­wo­mir Ni­cie­ja, Nie­der­sach­sens In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us, Re­gis­seu­rin Ka­rin Ka­per, Mar­ga­re­the Wys­dak vom Ver­ein Pro Li­be­ris Si­le­siae (von rechts) im Thea­ter am Dom­hof. Fo­to: El­vi­ra Par­ton

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.