De­mo­kra­tie im „Gar­ten Eden“

Team­ar­beit auf der „Bau(schlau)stel­le“in Wes­ter­kap­peln

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost - Von Araann Chris­toph

De­mo­kra­tie – ein gro­ßer Be­griff, der sich al­ler­dings auch im ganz Klei­nen er­le­ben lässt. Zum Bei­spiel auf der Bau(schlau)stel­le.

De­mo­kra­tie – da­bei den­ken vie­le ver­mut­lich erst an den Bun­des­tag in Berlin oder den Ge­mein­de­rat. Dass sich De­mo­kra­tie al­ler­dings auch haut­nah er­fah­ren und ler­nen lässt und das auch noch rich­tig aben­teu­er­lich, das er­le­ben die Mäd­chen und Jun­gen auf der „Bau(schlau)stel­le“im „Gar­ten Eden“im Wes­ter­kap­pel­ner Schul­zen­trum. Hier hat­ten und ha­ben sie im Rah­men des Fe­ri­en­spa­ßes ver­gan­ge­ne und die­se Wo­che an fünf Ta­gen die Mög­lich­keit, sich nach Her­zens­lust an ver­schie­de­nen Sta­tio­nen aus­zu­to­ben und da­bei De­mo­kra­tie spie­lend an­zu­wen­den.

Aus dem „Gar­ten Eden“hört man Häm­mern, Sä­gen und Wer­keln. Im­po­san­te Holz­fes­tun­gen ra­gen in die Hö­he. Ge­baut ha­ben die­se die 17 Mäd­chen und Jun­gen im Al­ter von neun bis zwölf Jah­ren in der ers­ten Wo­che auf der „Bau(schlau)stel­le“. In Grup­pen muss­ten sie selbst über­le­gen, wie sie ih­re Holz­hüt­ten bau­en wol­len. „Und um das im Team zu be­werk­stel­li­gen, da­für ist De­mo­kra­tie be­son­ders wich­tig“, be­tont Pro­jekt­lei­ter Jo­han­nes Her­furth von der Wes­ter­kap­pel­ner El­tern­in­itia­ti­ve für Spie­len und Er­le­ben (We­s­pe), die den Fe­ri­en­spaß or­ga­ni­siert. „Die Kin­der ent­schei­den ganz von sich aus. Von uns Be­treu­ern aus ist das über­haupt nicht ge­tak­tet“, sagt Her­furth.

Ge­mein­sam ar­bei­ten, Dif­fe­ren­zen klä­ren und Lö­sun­gen fin­den, mit de­nen al­le zu­frie­den sind, das kön­ne man nur, in­dem man sich auf sei­ne Grup­pe ein­lässt und mit­macht. Ge­nau da fan­ge die De­mo­kra­tie in­mit­ten der Mäd­chen und Jun­gen an.

Und die Er­geb­nis­se kön­nen sich wirk­lich se­hen las­sen. Eric Möl­len­kamp (10), Kil­li­an Baum­gar­te (10), Mo­ha­mad Daoud (10) und Josh Tru­sch­in­sky (11) ar­bei­ten dar­an, das zu­sam­men­ge­sack­te Dach ih­rer höl­zer­nen Fe­s­tung wie­der auf­zu­bau­en. Hil­fe von den Be­treu­ern brau­chen sie da­bei kaum. „Es macht Spaß“, sind sich die Jun­gen ei­nig. Rück­schlä­ge wie das ein­ge­stürz­te Dach spor­nen nur noch mehr an.

Al­ler­dings sind die Kin­der nicht nur mit Häm­mern und Sä­gen be­schäf­tigt. So kön­nen sie auch mit Rie­sen­wat­te­stäb­chen beim so­ge­nann­ten Jug­ger ih­re Kräf­te mes­sen oder ein­fach in ei­ner lang ge­zo­ge­nen „Hän­ge­mat­te“, im­pro­vi­siert aus ei­nem Vol­ley­ball­netz, ent­span­nen. Dass sie da­bei wie ge­fan­ge­ne Fische aus­se­hen, stört nie­man­den.

Fuß­ball, Bas­ket­ball und Bas­teln ste­hen auch auf dem Pro­gramm. Schnit­zen und da­bei Fin­ger­fer­tig­keit be­wei­sen ist auch mög­lich. Wer sich traut, der kann – an Sei­len ge­si­chert – auf Ge­trän­ke­kis­ten in schwin­del­er­re­gen­de Hö­hen klet­tern.

„Es ist schwie­rig im­mer das Gleich­ge­wicht zu hal­ten, aber man weiß ja, dass man ge­si­chert ist“, er­zählt Es­t­her Wald­haus (11). Ge­ra­de eben hängt sie be­hän­de an der elf­ten der ins­ge­samt zwölf Kis­ten, doch dann kippt der Turm un­ter ihr zur Sei­te, und sie hängt in der Luft, ge­si­chert durch Her­furth am Bo­den. „Ich hät­te noch ei­nen Schritt ma­chen sol­len, aber dann ist der Turm um­ge­kippt, und na­tür­lich ha­be ich ei­nen Rie­sen­schreck be­kom­men“. Es­t­her will es auf je­den Fall noch ein­mal ver­su­chen und steht be­reits wie­der in der Schlan­ge der War­ten­den.

Der gan­ze Tru­bel macht na­tür­lich or­dent­lich Ap­pe­tit, die Teil­neh­mer und Be­treu­er sind bes­tens ver­sorgt. Egal ob es die selbst ge­mach­te Piz­za aus dem Lehmo­fen ist, Pfann­ku­chen oder Stock­brot über dem La­ger­feu­er – auf der „Bau(schlau)stel­le“wird wohl je­der satt.

Für die Holz­hüt­ten ste­hen den Kin­dern 400 leich­te Holz­pa­let­ten zur Ver­fü­gung, da­zu rund 200 Me­ter Kant­höl­zer und zehn Ki­lo­gramm Nä­gel. Sie sind al­so bes­tens vor­be­rei­tet, um die Bau­wer­ke sta­bil zu ma­chen, denn die Fe­s­tun­gen sol­len noch bis zum Herbst im „Gar­ten Eden“ste­hen. An­ge­malt wer­den sol­len sie eben­falls, na­tür­lich von den jun­gen Ar­chi­tek­ten und Bau­meis­tern per­sön­lich.

Zum drit­ten Mal in Fol­ge wird das Pro­jekt nun schon or­ga­ni­siert, er­neut mit­fi­nan­ziert durch Mit­tel des Land­schafts­ver­bands West­fa­len­Lip­pe (LWL). „Wir ha­ben vie­le Wie­der­ho­lungs­tä­ter“, sagt Her­furth. „Bei ei­ni­gen ist es so, dass sie nur hier wirk­lich mal in ei­nem Team zu­sam­men­ar­bei­ten kön­nen. Die Ent­wick­lung zu se­hen ist su­per.“

Am En­de die­ser Wo­che soll es dann zum krö­nen­den Ab­schluss ein Fest ge­ben – wie auf ei­ner Bau­stel­le eben üb­lich.

Team­ar­beit ist beim Bau­en der gro­ßen Holz­fes­tun­gen ge­fragt. Für die Hüt­ten ste­hen den Kin­dern 400 leich­te Holz­pa­let­ten zur Ver­fü­gung, da­zu rund 200 Me­ter Kant­höl­zer und zehn Ki­lo­gramm Nä­gel. Fo­tos: Araann J. Chris­toph

Der Schein trügt: Rich­tig ge­müt­lich ist es in der im­pro­vi­sier­ten Hän­ge­mat­te, auch wenn die Kin­der aus­se­hen wie zap­peln­de Fische im Netz.

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