Thea­ter spie­len Stü­cke un­ter frei­em Him­mel

Schau­spiel­häu­ser set­zen in der Som­mer­pau­se auf Open-Air-Ver­an­stal­tun­gen und Al­ter­na­tiv­pro­gram­me

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Yan­nick Rich­ter und Jo­han­nes Gie­wald

Open-Air-Thea­ter, ex­ter­ne Gast­auf­füh­run­gen oder Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten. Die Thea­ter in Nie­der­sach­sen ha­ben un­ter­schied­li­che Phi­lo­so­phi­en für die Aus­ge­stal­tung der Spiel­zeit­pau­se, wie ei­ne Um­fra­ge zeigt.

Ver­wais­te Büh­nen, lee­re Sitz­rei­hen. In der Spiel­zeit­pau­se wird in den Thea­tern durch­ge­at­met. Die Pau­se ist in der Re­gel die ein­zi­ge Zeit, in der das En­sem­ble sei­nen ta­rif­lich ver­ein­bar­ten Ur­laub neh­men kann. Den­noch über­brü­cken ei­ni­ge Schau­spiel­häu­ser wäh­rend des Som­mers die Wo­chen zwi­schen den Spiel­zei­ten mit Open-Air-Auf­füh­run­gen oder ver­mie­ten ih­re Büh­nen für ex­ter­ne Gast­auf­füh­run­gen.

„Das pro­bie­ren Thea­ter im­mer mal aus“, sagt Micha­el Schrö­der, stell­ver­tre­ten­der ge­schäfts­füh­ren­der Di­rek­tor des Deut­schen Büh­nen­ver­eins, „die Er­fah­run­gen sind zwie­späl­tig“. Auf der ei­nen Sei­te kön­nen Häu­ser zu­sätz­li­che Er­lö­se er­zie­len. An­de­rer­seits braucht es die spiel­freie Zeit im Som­mer, um Re­pa­ra­tu­ren und War­tun­gen vor­zu­neh­men.

Das „Burg­platz Open Air“hat in Braun­schweig längst Tra­di­ti­on. Seit 15 Jah­ren zeigt das Staats­thea­ter Braun­schweig un­ter frei­em Him­mel und im ein­zig­ar­ti­gen his­to­ri­schen Am­bi­en­te des Burg­plat­zes Mu­si­cals und Opern. Über die Gren­zen der Lö­wen­stadt hin­aus hat sich das Burg­platz Open Air da­bei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu ei­nem Pu­bli­kums­ma­gne­ten ent­wi­ckelt. Et­wa 1200 Be­su­cher fin­den Platz. Na­he­zu im­mer sei­en die Auf­füh­run­gen aus­ver­kauft, sagt Pres­se­spre­che­rin Su­san­ne Schä­fer.

In die­sem Jahr wird in Braun­schweig das Mu­si­cal „Hair­spray“prä­sen­tiert. Am Sams­tag fei­er­te das 60er-Jah­re-Spek­ta­kel sei­ne Pre­mie­re, bis zum 29. Au­gust fol­gen mehr­mals wö­chent­lich wei­te­re Dar­bie­tun­gen. Von ei­ner Über­brü­ckung der Som­mer­pau­se kann da­bei kei­ne Re­de sein, so Schä­fer: „Die OpenAir-Ver­an­stal­tun­gen sind fes­ter Be­stand­teil vom Braun­schwei­ger Staats­thea­ter und er­gän­zen das Re­per­toire.“Mit der Pre­mie­re der Oper „Don Car­lo“wird die neue Spiel­zeit dann am 9. Sep­tem­ber im Thea­ter fort­ge­setzt.

Das Kon­zept des Staats­thea­ters Han­no­ver sieht et­was an­ders aus: „Die Open-AirVer­an­stal­tun­gen

die­nen als Pro­log zur neu­en Spiel­zeit“, sagt Pres­se­spre­cher Björn Achen­bach. Seit Frei­tag wird im Hof des Schau­spiel­hau­ses bis zum 27. Au­gust täg­lich – au­ßer mon­tags – die Ko­mö­die „In­di­en“auf­ge­führt. Man ha­be be­wusst „leich­te Kost und ein un­ter­halt­sa­mes Stück“aus­ge­wählt, er­klärt Achen­bach. Pas­send da­zu, gibt es wäh­rend der Auf­füh­rung

für die Zu­schau­er Schnit­zel und Bier. Die Pre­mie­re der Tra­gö­die „Me­dea“lei­tet am 31. Au­gust die neue Spiel­zeit ein.

Kei­ne Gast­spie­le, kein Open-Air-Pro­gramm: Das Ol­den­bur­gi­sche Staats­thea­ter ver­zich­tet auf ein Som­mer­pro­gramm zwi­schen den Spiel­zei­ten. „Wir brau­chen al­le mal Fe­ri­en“, sagt Ge­ne­ral­in­ten­dant Chris­ti­an Firm­bach. Auch für die Bu­chung ei­ner ex­ter­nen Ins­ze­nie­rung müss­te ei­ne Kern­mann­schaft des Staats­thea­ters vor Ort sein. Der Som­mer sei zu­dem die ein­zi­ge Ge­le­gen­heit für Re­vi­si­ons­ar­bei­ten des Pro­gramms und Brand­schutz­maß­nah­men im Ge­bäu­de.

Ein Som­mer­pro­gramm „hat nur Sinn, wenn ich auf den Tou­ris­mus­fak­tor set­zen kann“, sagt Firm­bach. Das sei in Ol­den­burg nicht so ein­fach wie in Han­no­ver. Seit Don­ners­tag wird auf der Ol­den­bur­gi­schen Büh­ne wie­der ge­probt. Die Spiel­zeit­pau­se en­det am Wo­che­n­en­de mit der Wie­der­auf­nah­me von Goe­thes „Die Lei­den des jun­gen Wer­t­hers“.

Das Thea­ter Os­na­brück star­tet zum sieb­ten Mal mit dem Spiel­trie­be-Fes­ti­val am 1. Sep­tem­ber rich­tig in die neue Spiel­zeit. In der Spiel­zeit­pau­se pas­siert auf den Büh­nen des Thea­ters recht we­nig, seit der letz­te Vor­hang der vor­he­ri­gen Sai­son ge­fal­len ist. Als Vor­ge­schmack für kom­men­de Pre­mie­ren füh­ren die Os­na­brü­cker Schau­spie­ler schon im Au­gust Wie­der­auf­nah­men wie Dan­tons Tod und Nat­han der Wei­se auf. Ein Som­mer­pro­gramm gibt es auch hier nicht. „Der Som­mer ist die ein­zi­ge Zeit, in der das En­sem­ble Ur­laub hat“, sag­te Thea­ter­spre­che­rin Nad­ja Schulze.

Mit der Fra­ge nach Auf­wand und Er­trag sei es letzt­lich ei­ne Ent­schei­dung, die je­des Thea­ter für sich ab­wä­gen müs­se, sagt Micha­el Schrö­der vom Deut­schen Büh­nen­ver­ein. Da je­des Haus sich nach zu­sätz­li­chem Er­lös um­schaut, hät­ten sich al­le Thea­ter schon ein­mal da­mit be­schäf­tigt. Ei­ni­ge Schau­spiel­häu­ser wie in Düs­sel­dorf hät­ten es aus­pro­biert und wie­der auf­ge­ge­ben, weil es sich nicht ren­tiert ha­be.

Be­su­cher in die Lö­wen­stadt.

Fas­zi­nie­ren­de At­mo­sphä­re: Das Am­bi­en­te des Burg­plat­zes in Braun­schweig lockt seit 15 Jah­ren je­den Som­mer Tau­sen­de Fo­to: Karl-Bernd Kar­wasz/Staats­thea­ter Braun­schweig

Pau­se: Büh­ne und Sitz­rei­hen des Ol­den­bur­gi­schen Staats­thea­ters blei­ben zur Som­mer­zeit un­be­setzt. Fo­to: dpa

Lus­ti­ges Som­mer­pro­gramm: In Han­no­ver wird zur­zeit die Ko­mö­die „In­di­en“ge­zeigt. Fo­to: Ka­trin Rib­be/Staats­thea­ter Han­no­ver

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