Rück­sicht auf Ern­te­fahr­zeu­ge neh­men

Land­wir­te ap­pel­lie­ren an Au­to­fah­rer, vor­aus­schau­end zu fah­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region/lokalsport - Von Ha­rald Preu­in

Das Wet­ter mit sei­nen Hochs und Tiefs nervt wohl je­der­mann, es drang­sa­liert aber be­son­ders die Land­wir­te. Die Ge­trei­de­ern­te er­for­dert tro­cke­nes Wet­ter, da­bei wird je­de Mi­nu­te des Tages aus­ge­nutzt, um das Korn un­ter Dach und Fach zu brin­gen. Das führt mit­un­ter zu Tre­cker- und Mäh­dre­scher­fahr­ten bis tief in die Nacht.

Wenn’ s nie­selt, sieht man sel­ten land­wirt­schaft­li­che Ge­span­ne auf den Stra­ßen, doch so­bald die Son­ne sta­bil vom blau­en Him­mel lacht, sind die Ar­beits­ge­rä­te un­ter­wegs. Auf den Land­stra­ßen ist dann Vor­sicht an­ge­sagt. So ein Mäh­dre­scher im Be­geg­nungs­ver­kehr lässt schnell das idyl­li­sche Bild der Al­lee ver­blas­sen. Wenn ein Brum­mer von drei Me­ter Brei­te und vier Me­ter Hö­he auf ei­nen zu­kommt, dann wird’ s eng. Wohl auch des­halb hat die Land­wirt­schafts­kam­mer Nie­der­sach­sen an die Au­to­fah­rer ap­pel­liert, Rück­sicht auf die Ern­te­fahr­zeu­ge zu neh­men.

Un­fäl­le mit land­wirt­schaft­li­chen Fahr­zeu­gen hal­ten sich aber in Gren­zen. Ma­rei­ke Ko­car von der Pres­se­stel­le der Po­li­zei­in­spek­ti­on Os­na­brück, be­rich­tet auf An­fra­ge von 35 Un­fäl­len, die sich bis­her in 2017 er­eig­net ha­ben. Da­bei gab es „nur“leich­te Ver­let­zun­gen. Schon mit 16 Jah­ren dür­fen In­ha­ber des Füh­rer­scheins der Klas­se T Mäh­dre­scher und Schlep­per­ge­span­ne bis 40 km/h Ge­schwin­dig­keit steu­ern. Dass ge­ra­de „ganz jun­ge Leu­te“zum Un­fall­ri­si­ko wer­den, kann aus der Sta­tis­tik nicht her­aus­ge­le­sen wer­den. Nur zwei der Be­tei­lig­ten wa­ren zwi­schen 15 und 17 Jah­re alt. Auch dass in der Ern­te­sai­son Un­fäl­le mit land­wirt­schaft­li­chen Fahr­zeu­gen stark zu­neh­men, ist nur ein Ge­rücht.

Für man­che Ver­kehrs­teil­neh­mer sind Mäh­dre­scher, Flüs­sig­dün­ger-Tank­wa­gen und Zug­ma­schi­ne mit An­hän­gern ein Dorn im Au­ge. Wer hin­ter­her­zo­ckeln muss, soll­te Ge­duld wal­ten las­sen. Auch wenn es so scheint, ganz lang­sam sind sol­che Ge­span­ne nicht. Trak­to­ren mit An­hän­ger er­rei­chen Fahr­ge­schwin­dig­kei­ten von 40 km/h – das soll­te beim Über­ho­len ein­kal­ku­liert wer­den. Und na­tür­lich die Län­ge, die 18 Me­ter er­rei­chen kann.

Doch es lau­ern mehr Ge­fah­ren: Mo­der­ne land­wirt­schaft­li­che Fahr­zeu­ge sind mit sehr gu­ten Brem­sen aus­ge­stat­tet. Des­halb rät die Land­wirt­schafts­kam­mer, im­mer ge­nü­gend Ab­stand zu wah­ren. Ver­kehrs­teil­neh­mer müs­sen da­mit rech­nen, dass Blin­ker und Brem­sen durch Fahr­ten über stau­bi­gen Bo­den ver­schmutzt sein kön­nen und nicht funk­tio­nie­ren.

Mäh­dre­scher mit an­ge­häng­tem Mäh­werk kön­nen gut und ger­ne ei­ne Län­ge von 20 Me­ter er­rei­chen. Und auch ein biss­chen brei­ter als drei Me­ter darf es auch sein. Das lässt je­den­falls die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung zu. Da­für sind be­hörd­li­che Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen er­for­der­lich, die au­ßer­dem rot-wei­ße Warn­ta­feln und Rund­um­leuch­ten für die je­wei­li­gen land­wirt­schaft­li­chen Ge­span­ne zwin­gend vor­schrei­ben. Al­so: Wo es blinkt, dop­pel­te Vor­sicht wal­ten las­sen.

Wer sol­chen Ge­span­nen auf der Stra­ße folgt, dem glei­chen sie schnell schwan­ken­den Schif­fen in be­weg­ter See, weil die Fah­rer von Mäh­dre­scher und Trak­to­ren im­mer wie­der die Spur­treue ih­rer Fahr­zeu­ge kor­ri­gie­ren müs­sen. Mäh­dre­scher­fah­ren muss ge­lernt sein, denn ge­lenkt wird über die Hin­ter­ach­se. Da­mit be­wegt sich so ein Ko­loss beim Ab­bie­gen an­ders als ein nor­ma­les Au­to. Mäh­dre­scher ho­len beim Ab­bie­gen meist über die Ge­gen­fahr­bahn aus, um den en­gen Feld­weg zu er­rei­chen.

Tipps der Ver­kehrs­ex­per­ten von Au­to­clubs: Vor­aus­schau­end fah­ren, sich den Ma­schi­nen vor­sich­tig nä­hern, Ab­stand wah­ren und stets brems­be­reit sein. Ge­ra­de in der Ern­te­zeit kön­nen die Stra­ßen auch durch die land­wirt­schaft­li­chen Ge­span­ne ver­schmutzt sein. Be­son­ders im Herbst, wenn die Mai­s­ern­te ein­setzt, ge­rät Erd­reich durch die di­cken Rei­fen­pro­fi­le auf die Stra­ße. Bei Re­gen kann sich da­durch ei­ne tü­ckisch glat­te Fahr­bahn ent­wi­ckeln.

Be­geg­nungs­ver­kehr mit Aus­weich­ma­nö­ver: Das Tre­cker­ge­spann mit ton­nen­schwe­rer Stroh­la­dung ge­rät über den Sei­ten­strei­fen, wäh­rend er ei­nem Schlep­per mit Be­ar­bei­tungs­ge­rät aus­weicht. Fo­to: Ha­rald Preu­in

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