Schlep­trup jün­ger als bis­lang an­ge­nom­men

Orts­rat ver­schiebt 950-Jahr-Fei­er auf 2024

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - REGION/LOKALSPORT - Von Björn Dieck­mann

BRAM­SCHE. Das für 2018 ge­plan­te Fest zum 950-JahrJu­bi­lä­um von Schlep­trup wird ver­scho­ben. Der Grund: Der Ort ist noch gar nicht so alt wie bis­lang an­ge­nom­men.

Das Jahr 1068 galt bis­lang als Grün­dungs­da­tum der Ort­schaft Schlep­trup. Als Be­leg dien­te ei­ne Ur­kun­de, in der Schlep­trup als „Slip­pe­dorp“erst­mals er­wähnt wur­de. „Sie er­schien in ei­nem Ur­kun­den­buch 1897/98, in dem aber ein kon­kre­tes Ent­ste­hungs­da­tum nicht ge­nannt wur­de“, lei­te­te nun in ei­ner Sit­zung des Orts­rats der His­to­ri­ker Dr. Kars­ten Igel sei­ne Aus­füh­run­gen ein, war­um Schlep­trup erst spä­ter be­grün­det wor­den sein kann. Klar sei wohl nur ge­we­sen, dass die Ur­kun­de in der Amts­zeit von Ben­no II. ver­fasst wor­den sei, der von 1068 bis 1088 Bi­schof von Os­na­brück ge­we­sen sei. Man ha­be sich dann of­fen­sicht­lich, so er­läu­ter­te Igel, für Schlep­trup das ers­te Amts­jahr des Bi­schofs aus­ge­wählt und dar­an die Orts­grün­dung fest­ge­macht.

Es las­se sich je­doch über ei­ni­ge in der Ur­kun­de ge­nann­te Per­so­nen zu­min­dest ein­gren­zen, wann das Schrift­stück da­mals auf­ge­setzt wor­den sei. Dies ha­be auch ein His­to­ri­ker in den 1930er-Jah­ren be­reits ge­tan. Dem­nach müs­se die Ur­kun­de zwi­schen 1074 und 1087 ver­fasst wor­den sein. „In­ter­es­sant ist, dass Ven­ne bei­spiels­wei­se auf die­ser Ba­sis sei­ne Grün­dung auf das Jahr 1087 da­tiert hat und dem­ent­spre­chend 1987 sein 900-jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um ge­fei­ert hat – sechs Jah­re be­vor Schlep­trup schon 925-jäh­ri­ges Be­ste­hen ge­fei­ert hat“, sag­te Igel. Für Schlep­trup sei die­ses Wis­sen aber of­fen­bar im Lau­fe der Zeit wie­der ver­lo­ren ge­gan­gen, ob­wohl auch 1977 die­se De­tails noch ein­mal in ei­nem Orts­ver­zeich­nis des Staats­ar­chivs auf­ge­grif­fen wor­den sei­en.

Nach Igels wei­te­ren Er­kennt­nis­sen kön­ne man des Wei­te­ren „mit gu­ten Grün­den ver­mu­ten“, dass die Ur­kun­de „zeit­nah nach 1074“ver­fasst wor­den sei. Dies hän­ge da­mit zu­sam­men, dass sie wohl „in An­we­sen­heit oder zu­min­dest in Os­na­brü­cker Ge­gen­wart von Ben­no II. ent­stan­den sein müss­te“. Der Bi­schof sei dann aber ab 1076/1077 bis in die 1080erJah­re hin­ein dau­er­haft ab­we­send ge­we­sen. In­so­fern kön­ne die Ur­kun­de eben­so auf 1074 oder 1075 da­tiert wer­den wie auch auf 1087, „wie es die vor­sich­ti­gen Ven­ner ge­tan ha­ben“. Es spre­che al­ler­dings ei­ni­ges da­für, dass das Do­ku­ment in den ers­ten Jah­ren von Ben­nos Amts­zeit nie­der­ge­schrie­ben wor­den sei.

Der Orts­rat be­schloss dar­auf­hin ein­stim­mig, das bis­lang für 2018 ge­plan­te Fest zum Orts­ju­bi­lä­um auf 2024 zu ver­schie­ben. Kars­ten Igel je­den­falls sah kein Pro­blem dar­in, in dem nun­mehr in Fra­ge kom­men­den Zei­t­raum für das 950-jäh­ri­ge Be­ste­hen gleich das erst­mög­li­che Da­tum zu wäh­len.

Orts­bür­ger­meis­ter Kar­lGe­org Gör­te­m­öl­ler er­klär­te, es ha­be durch­aus Stim­men ge­ge­ben, den bis­her ge­plan­ten Ter­min bei­zu­be­hal­ten. Er war aber der Auf­fas­sung, „dass wir uns bla­mie­ren wür­den, wenn wir nächs­tes Jahr fei­ern wür­den, ob­wohl wir schon wis­sen, dass es dann gar kein Ju­bi­lä­um zu fei­ern gibt“– zu­mal Igel selbst der­zeit für 2018 ei­ne Aus­stel­lung zur Ge­schich­te des Bis­tums Os­na­brück pla­ne, in der dann si­cher­lich die rich­ti­gen Da­ten zu Schlep­trup ge­nannt wür­den.

Der Ar­beits­kreis zur Vor­be­rei­tung des Orts­ju­bi­lä­ums und zum Ver­fas­sen ei­ner Chro­nik soll in­des wei­ter­ar­bei­ten.

Wei­te­re Be­rich­te über die ak­tu­el­len The­men in der Kom­mu­nal­po­li­tik auf noz.de/bram­sche

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