See­hä­fen for­dern neue Ver­kehrs­we­ge

Mehr Tem­po beim Aus­bau der Ver­kehrs-In­fra­struk­tur ge­for­dert – Ge­nug Geld wä­re da

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - VORDERSEITE -

HAMBURG. Die deut­schen See­ha­fen­be­trie­be for­dern ei­ne ra­sche Um­set­zung be­reits ge­plan­ter Aus­bau­ten der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur wie et­wa der Elb­ver­tie­fung. Das Geld wä­re da; die Hoff­nun­gen lie­gen jetzt bei der neu­en Bun­des­re­gie­rung.

Den See­hä­fen in Deutsch­land geht es bes­ser als der Schiff­fahrt. Doch wenn sie ih­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit stär­ken wol­len, be­nö­ti­gen sie bes­se­re Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen. Hoff­nun­gen rich­ten sich auf die neue Bun­des­re­gie­rung.

HAMBURG. Die deut­schen See­hä­fen könn­ten durch ei­nen schnel­le­ren Aus­bau der Ver­kehrs­we­ge und ein bes­se­res Pla­nungs- und Um­welt­recht ei­nen Wachs­tums­schub be­kom­men. „Wir könn­ten mehr er­rei­chen“, sag­te Frank Dree­ke, Prä­si­dent des Zen­tral­ver­ban­des der deut­schen See­ha­fen­be­trie­be (ZDS), am Di­ens­tag in Hamburg. Der Schlüs­sel für mehr Wachs­tum lie­ge vor al­lem bei Po­li­tik und Ver­wal­tung, nach­dem 2016 die vor­ge­se­he­nen Fi­nanz­mit­tel für den Aus­bau der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur deut­lich hoch­ge­fah­ren wur­den. „Nun muss das Geld auch aus­ge­ge­ben wer­den kön­nen“, sag­te Dree­ke. „Die Mit­tel sind da, die Pro­jek­te sind da, es feh­len Pla­ner und In­ge­nieu­re.“

Im ers­ten Halb­jahr er­reich­ten die See­hä­fen ein Um­schlagp­lus von 1,5 Pro­zent auf 150,9 Mil­lio­nen Ton­nen, und erst­mals seit 2014 wer­de am En­de des Jah­res wie­der ein Um­schlag von mehr als 300 Mil­lio­nen Ton­nen ste­hen. Den­noch gin­gen Markt­an­tei­le an die Kon­kur­renz

Ein Um­schlagp­lus in den Nie­der­lan­den und Bel­gi­en ver­lo­ren, sag­te Dree­ke, der im Haupt­be­ruf die Bre­mer BLG Lo­gis­tics Group lei­tet. Zu den Hemm­nis­sen im Wett­be­werb zäh­le auch, dass Im­por­teu­re ih­re fäl­li­gen Ein­fuhr­steu­ern in Deutsch­land so­fort, in an­de­ren Hä­fen aber erst spä­ter ent­rich­ten müss­ten, wie es von der EU auch vor­ge­se­hen sei. Da­bei ge­he es um er­heb­li­che Li­qui­di­tät, die den Be­trie­ben vor­zei­tig ent­zo­gen wer­de, was den an­de­ren Hä­fen ei­nen deut­li­chen Wett­be­werbs­vor­teil ver­schaf­fe.

Wirt­schaft­lich geht es den Be­trie­ben in den gut 20 deut­schen See­hä­fen nicht schlecht, je­den­falls bes­ser als den Ree­de­rei­en. „Die Zahl der Ar­beits­plät­ze in den See­hä­fen hat sich nicht ver­än­dert, und die Er­trä­ge sind gut bis aus­kömm­lich“, sag­te der Ver­bands­prä­si­dent. Die mit­tel­fris­ti­gen Per­spek­ti­ven sei­en an­ge­sichts des er­war­te­ten Wachs­tums des welt­wei­ten See­ver­kehrs und der ak­tu­el­len Kon­junk­tur in Deutsch­land vor­sich­tig po­si­tiv zu be­wer­ten. Ri­si­ken gin­gen nach wie vor von der Au­ßen­wirt­schafts­po­li­tik der USA und dem Br­ex­it aus.

Zur Ver­bes­se­rung der Luft­qua­li­tät in den Ha­fen­städ­ten soll­te die EEG-Um­la­ge auf Land­strom ge­stri­chen wer­den, for­der­te der Ver­band wei­ter. Der Ein­satz von ver­flüs­sig­tem Erd­gas (LNG) in der Schiff­fahrt kom­me vor­an und wer­de ein LNG-Im­port­ter­mi­nal in Deutsch­land nach sich zie­hen. Im kom­men­den Jahr wer­de ei­ne In­ves­to­ren­grup­pe ent­schei­den, ob sie die­ses Ter­mi­nal in Bruns­büt­tel er­rich­ten wol­le, sag­te der dor­ti­ge Ha­fen­chef Frank Schna­bel, der dem ZDS-Prä­si­di­um an­ge­hört. Auch Wil­helms­ha­ven be­müht sich dar­um, Stand­ort für ein LNG-Ter­mi­nal zu wer­den. Bis­lang muss der Treib­stoff aus den Nie­der­lan­den be­schafft wer­den, um Schif­fe in deut­schen Hä­fen zu ver­sor­gen.

Deut­sche Schiff­fahrt: Mehr Be­rich­te da­zu le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/wirt­schaft

Fo­to: dpa

ver­buch­ten die See­hä­fen Hamburg (von oben links nach un­ten rechts), Wil­helms­ha­ven, Wis­mar, Ros­tock, Cux­ha­ven und Lü­beck-Tra­ve­mün­de im ers­ten Halb­jahr.

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