Kei­ner ist ein Held, wenn Ja­mai­ka schei­tert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - POLITIK - Von Bea­te Ten­fel­de b.ten­fel­de@noz.de

War­um nur ist es so schwer, Ja­mai­ka, die­ses durch­aus bür­ger­li­che Pro­jekt, zu schmie­den? War­um ist bis zum En­de der Auf­wärm­pha­se zwi­schen Uni­on, FDP und Grü­nen kein Feu­er da? Ganz ein­fach. Die vier, die sich jetzt zu­sam­men­tun wol­len oder müs­sen, weil es der Wäh­ler so will, wa­ren noch vor sie­ben Wo­chen Geg­ner. Und das jah­re­lang. Auch gibt es Trau­ma­ta, zum Bei­spiel bei der FDP. Der ist tief in die Kno­chen ge­fah­ren, wie ei­ne star­ke Kanz­le­rin Mer­kel sie in der Ko­ali­ti­on 2009 bis 2013 zu­sam­men­ge­fal­tet hat. Da­für ste­hen die Li­be­ra­len jetzt so ge­schlos­sen wie kein an­de­rer der Möch­te­gern- oder auch Muss-ja-sein-Part­ner da.

Die Grü­nen da­ge­gen sind in­ner­lich zer­ris­sen. Die Nie­der­sach­sen wol­len „ech­te Fort­schrit­te“. Was im­mer dies heißt: Die Par­tei­lin­ke ist un­be­re­chen­bar. Al­ler­dings über­rascht Jür­gen Trit­tin, der sich plötz­lich vom lin­ken Über­zeu­gungs­tä­ter zum Staats­mann wan­delt.

Ge­spal­ten ist auch die Uni­on. Und das ist der Kern des Übels. Ein CSU-Chef See­ho­fer, der an Hy­bris krankt und ab­seh­bar als Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent ab­ser­viert wird, hat nur noch be­dingt Pro­ku­ra. Ein Kar­rie­rist wie Alex­an­der Do­brindt nutzt das Va­ku­um zur Ei­gen­pro­fi­lie­rung – und Mer­kel sagt we­nig bis nichts. Das ist klar: Wer­den die Un­ter­händ­ler als Ge­schei­ter­te vor das Pu­bli­kum tre­ten, hat nicht nur Mer­kel ver­lo­ren. Kei­ner steht als Held da, wenn De­mo­kra­ten kon­sens­un­fä­hig sind.

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