Win­ters­hall sucht Öl in Em­lich­heim

Win­ters­hall in­ves­tiert in Em­lich­heim – Na­bu: Ein Übel, mit dem wir le­ben müs­sen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - VORDERSEITE -

EM­LICH­HEIM. Die BASF-Toch­ter Win­ters­hall er­kun­det der­zeit das Erd­öl­feld Em­lich­heim di­rekt an der nie­der­län­di­schen Gren­ze. Die Er­geb­nis­se sol­len die Grund­la­ge für die Ent­schei­dung sein, wo künf­tig neue Bohr­tür­me auf­ge­baut wer­den sol­len.

Nie­der­sach­sen ist Erd­öl­Land, das zweit­größ­te För­der­land in Deutsch­land nach Schles­wig-Hol­stein. Seit Jahr­zehn­ten ge­hö­ren die lang­sam ni­cken­den Pfer­de­kopf­pum­pen zum Land­schafts­bild im Ems­land und der Graf­schaft Bent­heim.

EM­LICH­HEIM. Wer nach Öl bohrt, hat ein Pro­blem: Der Roh­stoff ist un­ter der Er­de, in vie­len Hun­dert Me­ter Tie­fe. Wer al­so sei­nen Bohr­turm so auf­bau­en will, dass er mög­lichst viel des kost­ba­ren Roh­stof­fes för­dert, muss Tech­nik be­nut­zen, um in die Tie­fe zu schau­en. Die BASF-Toch­ter Win­ters­hall tut der­zeit ge­nau das und er­forscht mit­hil­fe seis­mi­scher Un­ter­su­chun­gen sein Erd­öl­feld in Em­lich­heim, di­rekt an der Gren­ze zu den Nie­der­lan­den. Rund fünf Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert der Ener­gie­ver­sor­ger in die Stu­di­en, die bis An­fang März ab­ge­schlos­sen sind.

„Die Seis­mik ver­rät uns nicht, wie viel Öl noch vor­han­den ist, son­dern eher, wo wir es fin­den“, sagt To­bi­as Fuh­ren. Er ar­bei­tet bei der Win­ters­hall als Geo­phy­si­ker. Fach­fir­men aus den Nie­der­lan­den und aus Frank­reich er­mit­teln in ei­nem auf­wen­di­gen Ver­fah­ren die Da­ten, um dar­aus 3-D-Mo­del­le des Un­ter­grunds er­stel­len zu kön­nen. Bei den Mes­sun­gen wer­den von der ei­nen Sei­te in et­wa 20 Me­ter Tie­fe klei­ne Schla­gla­dun­gen aus­ge­löst. Da­zu wer­den dün­ne Lö­cher in den Acker ge­bohrt, die mit klei­nen Ton­kü­gel­chen und ei­nem Zün­der ge­füllt wer­den. In ei­nem be­stimm­ten

Ab­stand da­zu ste­cken klei­ne Mi­kro­fo­ne im Erd­reich, die an ein Da­ten­auf­zeich­nungs­ge­rät – ähn­lich ei­nem Smart­pho­ne – an­ge­schlos­sen wird.

Wer­den die Im­puls­la­dun­gen

aus­ge­löst, brei­ten sich un­ter­ir­disch Schall­wel­len aus, die von den ver­schie­de­nen geo­lo­gi­schen Schich­ten re­flek­tiert wer­den. Die­se Si­gna­le wer­den auf­ge­zeich­net.

Ein Ge­biet von im­mer­hin 37 Qua­drat­ki­lo­me­tern wird so er­fasst.

Em­lich­heim ist in Deutsch­land das fünft­größ­te Erd­öl­feld. In Nie­der­sach­sen ist es mit gut 150000 Ton­nen Jah­res­för­der­men­ge auf Platz zwei hin­ter dem Erd­öl­feld Rüh­ler­moor-Va­len­dis im Ems­land, wo rund 162 000 Ton­nen Erd­öl pro Jahr ge­för­dert wer­den. Das größ­te deut­sche Erd­öl­feld ist Mit­tel­pla­te in der Nord­see mit ei­ner Jah­res­pro­duk­ti­on von knapp 970 000 Ton­nen Roh­öl.

Nach An­ga­ben des Bun­des­ver­ban­des Erd­gas, Erd­öl und Geo­en­er­gie (BVEG) ver­fügt Deutsch­land der­zeit über rund 32 Mil­lio­nen Ton­nen Erd­öl­re­ser­ven, die als si­cher oder wahr­schein­lich för­der­bar gel­ten. Rech­ne­risch reicht das, um auf dem heu­ti­gen Ni­veau für 13 Jah­re wei­ter­zu­för­dern. Aber Ex­per­ten ver­wei­sen dar­auf, dass es noch mehr Re­ser­ven gibt, die heu­te noch nicht wirt­schaft­lich för­der­bar oder noch nicht geo­lo­gisch ex­akt er­fasst sind. In den Küs­ten­ge­wäs­sern der Nord­see ver­mu­tet man zum Bei­spiel noch Erd­öl­vor­kom­men in ei­ner Grö­ßen­ord­nung von 20 Mil­lio­nen Ton­nen.

Von der Erd­öl­för­de­rung pro­fi­tie­ren nicht nur die Erd­öl­kon­zer­ne. Denn für die För­de­rung zah­len die Un­ter­neh­men ei­nen För­der­zins ans Land. Der be­trug für 2014 26,3 Mil­lio­nen Eu­ro, 2015 rund 12,2 Mil­lio­nen Eu­ro und 2016 et­wa 9,3 Mil­lio­nen Eu­ro.

„Es ist ein Übel, mit dem wir le­ben müs­sen“, sagt Kat­ja Hüb­ner von der Na­bu-Re­gio­nal­stel­le in Mep­pen. Aus Sicht des Um­welt- und Na­tur­schut­zes sei­en die Erd­öl­fel­der der Re­gi­on pro­ble­ma­tisch. „An­de­rer­seits – wir brau­chen ja das Öl“, sagt Hüb­ner.

Erd­öl, Erd­gas und die Al­ter­na­ti­ven: mehr da­zu auf noz.de/ener­gie

Fo­to: dpa

Auf der Su­che nach Öl: Seit mehr als 70 Jah­ren wird in der Graf­schaft Bent­heim Erd­öl ge­för­dert. Da­bei setzt der Ener­gie­kon­zern Win­ters­hall auf seis­mi­sche Mes­sun­gen. Sie ver­ra­ten Geo­phy­si­ker To­bi­as Fuh­ren, wo un­ent­deck­te Öl­fel­der lie­gen.

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