Sinkt Ver­trau­en in Ho­möo­pa­thie?

Ver­kaufs­zah­len ge­hen zu­rück

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - VORDERSEITE -

KARLS­RU­HE. Der mehr als 600 Mil­lio­nen Eu­ro schwe­re Ho­möo­pa­thieMarkt in Deutsch­land boom­te jah­re­lang. Doch ak­tu­el­le Zah­len le­gen na­he, dass die­ser Boom im Jahr 2017 sein En­de ge­fun­den hat.

Seit Jah­ren wird lei­den­schaft­lich über Sinn und Un­sinn der Ho­möo­pa­thie de­bat­tiert. Nun scheint es mit den Ver­kaufs­zah­len der Prä­pa­ra­te ab­wärts zu ge­hen.

KARLS­RU­HE. Noch vor we­ni­gen Jah­ren boom­te der mehr als 600 Mil­lio­nen Eu­ro schwe­re Ho­möo­pa­thieMarkt in Deutsch­land, doch nach ak­tu­el­len Zah­len gin­gen die Ver­käu­fe im Jahr 2017 deut­lich zu­rück. Auch ver­schrei­ben Ärz­te die Pro­duk­te sel­te­ner. Ein Grund hier­für ist wo­mög­lich die an­hal­ten­de De­bat­te um die feh­len­de Wirk­sam­keit der Mit­tel. Die Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät München hat nach Kri­tik die Me­di­zi­ner­aus­bil­dung in Sa­chen Ho­möo­pa­thie über­dacht.

Die Ho­möo­pa­thie er­freue sich stei­gen­der Be­liebt­heit in der Be­völ­ke­rung, heißt es re­gel­mä­ßig in Mit­tei­lun­gen von Phar­ma­ver­bän­den: Es ge­be ei­ne „stei­gen­de Ak­zep­tanz und An­wen­dung beim End­ver­brau­cher und bei den Heil­be­ru­fen“, er­klär­te bei­spiels­wei­se der Bun­des­ver­band der Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler (BAH) noch im No­vem­ber. Tat­säch­lich boom­te der Um­satz lan­ge – doch dies könn­te nun ein En­de ha­ben.

Nach Da­ten, die der Deut­schen Pres­se-Agen­tur vor­lie­gen, er­lebt die Bran­che der­zeit ei­nen deut­li­chen Dämp­fer: Im Jahr 2017 gin­gen nach Schät­zun­gen der Phar­maMarkt­for­schungs­fir­ma IQVIA mehr als 53 Mil­lio­nen Pa­ckun­gen ho­möo­pa­thi­scher Prä­pa­ra­te über die Ver­kaufs­ti­sche deut­scher Apo­the­ken. Doch auch wenn die Zahl groß klin­gen mag, wä­ren das gut zwei Mil­lio­nen Pa­ckun­gen oder rund 3,6 Pro­zent we­ni­ger als im Vor­jahr.

Da­bei kauf­ten nicht nur die Pa­ti­en­ten selbst deut­lich we­ni­ger Ho­möo­pa­thi­ka, auch Ärz­te ver­ord­ne­ten die Prä­pa­ra­te sel­te­ner auf Re­zept: Bei Kas­sen­pa­ti­en­ten sank die Zahl der auf Kos­ten der ge­setz­li­chen Ver­si­che­run­gen ab­ge­ge­be­nen Pa­ckun­gen um gut 14 Pro­zent, bei Pri­vat­ver­si­cher­ten um rund 7 Pro­zent. Auch beim er­ziel­ten Um­satz sieht es für die Her­stel­ler nicht mehr ganz so ro­sig aus: Nach teils zwei­stel­li­gem Wachs­tum wuch­sen die Ein­nah­men zwar nach den of­fi­zi­el­len Preis­an­ga­ben noch in ge­rin­gem Ma­ße. Doch vie­le Apo­the­ken ge­wäh­ren ih­ren Kun­den für re­zept­freie Arz­nei­mit­tel Ra­bat­te. Nach Zah­len des Markt­for­schungs­in­sti­tuts In­sight He­alth, wel­ches dies be­rück­sich­tigt, san­ken die Um­sät­ze im Jahr 2017 um 0,3 Pro­zent auf 608 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Ab­satz­zah­len der zehn meist­ver­kauf­ten ho­möo­pa­thi­schen Prä­pa­ra­te sei­en „al­le am Sin­ken“, er­klärt ein Spre­cher von In­sight He­alth. „Das gro­ße Wachs­tum bei Ho­möo­pa­thi­ka ist erst mal vor­bei.“

Ein Grund für ein ab­neh­men­des In­ter­es­se an ho­möo­pa­thi­schen Mit­teln könn­te die Dis­kus­si­on um die feh­len­de Wirk­sam­keit der Prä­pa­ra­te sein. Bei ih­rer Her­stel­lung wer­den pflanz­li­che wie auch tie­ri­sche Aus­gangs­stof­fe –wie Bie­nen und Hun­de­kot oder auch gif­ti­ge Stof­fe wie Qu­eck­sil­ber – teils äu­ßerst stark ver­dünnt, so­dass in den meis­ten Mit­teln von den Aus­gangs­stof­fen prak­tisch nichts mehr ent­hal­ten ist.

Mehr Wis­sens­the­men le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/gzw

Fo­to: imago/CHROMORANGE

Na­tur­heil­ver­fah­ren oder Schar­la­ta­ne­rie? An ho­möo­pa­thi­schen Mit­teln wie Schüß­ler Sal­zen schei­den sich seit Lan­gem die Geis­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.