Der um­strit­te­ne „Hei­li­gen­schein“

Cock­pitschutz in der For­mel 1 sorgt für Dis­kus­sio­nen – Team Haas prescht vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - SPORT - Von Jens Marx

Die Dis­kus­sio­nen wer­den be­gin­nen. Und ver­mut­lich län­ger nicht en­den. Die neu­en For­mel-1-Au­tos wer­den durch den Cock­pitschutz Ha­lo op­tisch ge­prägt sein. Ers­te Bil­der gab es et­was über­ra­schend schon – vom USTeam Haas.

LEIP­ZIG. Selbst die ro­ten Lon­do­ner Dop­pel­de­ckerBus­se kön­nen den For­mel-1Au­tos der kom­men­den Sai­son nichts an­ha­ben. Der Ver­gleich von Mer­ce­des-Tech­nik­chef Ja­mes All­ison mit den be­rühm­ten Trans­port­mit­teln der En­g­län­der ver­deut­licht, vor wel­cher Her­aus­for­de­rung die De­si­gner der Renn­wa­gen 2018 mit den neu­en Cock­pitschutz Ha­lo stan­den. „Wir muss­ten das De­sign des Chas­sis so sehr ver­stär­ken, dass es un­ge­fähr das Ge­wicht ei­nes Dop­pel­de­cker­bus­ses aus­hält, der auf dem Ha­lo liegt“, sag­te er. Wenn nur die Op­tik des um­strit­te­nen Hei­li­gen­scheins nicht wä­re. „Es ist et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, und wir sind noch da­bei, uns dran zu ge­wöh­nen“, sag­te All­ison.

Am Don­ners­tag wä­re Wil­li­ams ei­gent­lich das ers­te Team ge­we­sen, das sei­nen neu­en Wa­gen vor­stellt. Am Mitt­woch kam das ame­ri­ka­ni­sche Haas-Team den Bri­ten aber zu­vor und ver­öf­fent­lich­te Fo­tos von neu­en Wa­gen mit Fer­ra­ri-Know­how und An­trieb. Da­bei fällt der Bü­gel über dem Kopf durch ei­ne ge­schick­te schwar­ze La­ckie­rung auf den ers­ten Blick zu­min­dest nicht so gra­vie­rend auf wie er­war­tet und be­fürch­tet wor­den war. Die Top-Teams Mer­ce­des und Fer­ra­ri und Red Bull las­sen sich noch bis kom­men­de Wo­che Zeit, um ih­re Au­tos für 2018 vor­zu­stel­len.

Test­fahr­ten gab es mit der Schutz­vor­rich­tung schon, de­ren Ein­füh­rung 2017 vom In­ter­na­tio­na­len

Ge­wöh­nungs­be­dürf­tig: Au­to­mo­bil­ver­band be­schlos­sen wor­den war. Die Be­geis­te­rung hielt sich bei man­chen in Gren­zen. „Wenn Tei­le von Au­tos rum­flie­gen, wird es dich nicht schüt­zen“, mein­te nach dem FIA-Be­schluss Red-Bull-Pi­lot Max Ver­stap­pen.

Spä­tes­tens am kom­men­den Mon­tag wird auch er wis­sen, wie der Schutz­bü­gel an sei­nem Au­to aus­se­hen wird. Das Team von Mil­li­ar­där Dietrich Ma­te­schitz ist das ers­te der drei Top-Teams, das sei­ne Wa­gen vor­stel­len wird. Bran­chen­füh­rer Mer­ce­des und Fer­ra­ri leis­ten sich gleich bei den Prä­sen­ta­tio­nen ei­nen en­gen Kampf: Sie stel­len den neu­en Sil­ber­pfeil für Ti­tel­ver­tei­di­ger Le­wis Ha­mil­ton und die Ro­te Göt­tin für Haupt-Her­aus­for­de­rer Se­bas­ti­an Vet­tel bei­de am kom­men­den Don­ners­tag vor.

Vet­tel sieht die neue Si­cher­heits­vor­keh­rung längst ganz prag­ma­tisch. „Es wä­re dumm und igno­rant, so et­was nicht zu nut­zen“, hat­te er ein­mal kom­men­tiert. Der 30 Jah­re al­te, vier­ma­li­ge Welt­meis­ter hat­te im Som­mer ver­gan­ge­nen Jah­res beim Trai­ning zum Gro­ßen Preis von Groß­bri­tan­ni­en als ers­ter die Al­ter­na­ti­ve ge­tes­tet, ei­ne Art Schutz­schei­be wie bei Kampf­jets. Vet­tel wur­de da­mals nach ei­ge­ner Aus­sa­gen ein „biss­chen schwin­de­lig. Es war als wür­de man schie­lend durch die Ge­gend fah­ren“, hat­te er ge­sagt.

Von der Al­ter­na­ti­ve ver­ab­schie­de­te sich die FIA sei­ner­zeit durch­aus auch über­ra­schend und be­schloss die Ein­füh­rung von Ha­lo. „Die Fans wer­den sich dar­an ge­wöh­nen“, mein­te da­mals FIA-Renn­di­rek­tor Char­lie Whi­t­ing. Mer­ce­des-In­ge­nieur Al­lis­son mach­te zu­min­dest Hoff­nung für die nächs­ten Ge­ne­ra­tio­nen: „Ich bin mir si­cher, dass wir in den kom­men­den Sai­sons ei­ni­ges ma­chen kön­nen, da­mit es schö­ner aus­sieht.“

Fo­to: dpa

Der Cock­pitschutz „Ha­lo“ver­än­dert die For­mel-1-Bo­li­den op­tisch er­heb­lich.

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