EU-Kom­mis­si­on will US-Sank­tio­nen kon­tern

ANA­LY­SE Im Streit um das Atom­ab­kom­men mit dem Iran möch­te Brüs­sel eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men schüt­zen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - POLITIK -

dpa/AFP/mgl SO­FIA. Nach dem US-Aus­stieg aus dem Atom­ab­kom­men mit dem Iran lei­tet die EU-Kom­mis­si­on Schrit­te zum Schutz eu­ro­päi­scher Fir­men ein. Sei­ne Be­hör­de wer­de heu­te ei­nen Pro­zess star­ten, „um die ex­tra­ter­ri­to­ria­le Wir­kung der ame­ri­ka­ni­schen Sank­tio­nen in der EU zu neu­tra­li­sie­ren“, sag­te EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­anClau­de Juncker beim EU-Gip­fel in So­fia. Da­für kramt die Kom­mis­si­on ein 22 Jah­re al­tes Re­gel­werk her­vor.

War­um sieht sich die EUKom­mis­si­on zum Han­deln ge­zwun­gen? Hin­ter­grund der Plä­ne ist, dass die US-Sank­tio­nen auch nicht ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men tref­fen, die mit dem Iran Ge­schäf­te ma­chen. Der Iran be­fürch­tet, des­we­gen ei­nen Groß­teil der wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le zu ver­lie­ren, die er über den Atom­de­al ver­spro­chen be­kom­men hat­te. Ziel der Re­gie­rung in Te­he­ran ist es nun, in­ner­halb von 60 Ta­gen von den Eu­ro­pä­ern Ga­ran­ti­en zu be­kom­men, dass die Wirt­schafts­be­zie­hun­gen und der Ka­pi­tal­ver­kehr er­hal­ten blei­ben. Wenn nicht, will er sich nicht mehr an das Ab­kom­men hal­ten.

Was plant die EU? Sie will das so­ge­nann­te „Blo­cking Sta­tu­te“(Blo­cka­de-Sta­tut) ak­ti­vie­ren. Die­se EG-Ver­ord­nung wur­de im Jahr 1996 be­schlos­sen, da­mals ging es um USSank­tio­nen ge­gen Ku­ba, den Iran und Li­by­en. Da der Sank­ti­ons­streit bei­ge­legt wur­de, kam die Ver­ord­nung aber noch nie zum Ein­satz. Um sie auf die neu­en US-Sank­tio­nen an­wen­den zu kön­nen, müs­sen die­se er­gänzt wer­den. Das soll nach An­ga­ben von Juncker be­reits heu­te ge­sche­hen.

Was sieht das Blo­cka­deS­ta­tut im Ein­zel­nen vor? Die Ver­ord­nung ver­bö­te es Un­ter­neh­men in der EU, sich wie von Wa­shing­ton ge­for­dert den US-Sank­tio­nen an­zu­schlie­ßen und ih­re Ge­schäfts­tä­tig­keit im Iran ein­zu­stel­len. Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen für ein­zel­ne Fir­men sind mög­lich, „so­weit an­de­ren­falls ih­re In­ter­es­sen oder die der Ge­mein­schaft schwer ge­schä­digt wür­den“. Theo­re­tisch er­öff­net das Ab­wehr­ge­setz so­gar die Mög­lich­keit, EU-Un­ter­neh­men zu be­stra­fen, die sich an die USSank­tio­nen hal­ten. Dass die­se Mög­lich­keit ge­nutzt wird, gilt aber als sehr un­wahr­schein­lich. Die Stra­fen müss­ten von den ein­zel­nen EU-Mit­glieds­län­dern fest­ge­legt wer­den.

Kön­nen Un­ter­neh­men für Ver­lus­te ent­schä­digt wer­den? Ja. Laut Blo­cka­de-Sta­tut sol­len be­trof­fe­ne Un­ter­neh­men ei­nen Aus­gleich für die Ver­lus­te er­hal­ten, die ih­nen durch die US-Sank­tio­nen und de­ren Fol­gen ent­ste­hen. Al­ler­dings sieht Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hier Gren­zen. „In ei­ner um­fas­sen­den Wei­se die ge­sam­te Wirt­schaft zu ent­schä­di­gen bei ent­spre­chen­den Maß­nah­men der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka – da kön­nen und dür­fen wir auch kei­ne Il­lu­sio­nen schü­ren“, sag­te Mer­kel. Die Ent­schä­di­gun­gen wür­den vor­aus­sicht­lich auch nur sol­chen Un­ter­neh­men hel­fen, die nicht auch in den USA tä­tig sind. Denn sonst könn­ten USBe­hör­den ge­gen das dor­ti­ge Ge­schäft vor­ge­hen.

Fo­to: dpa

Je­an-Clau­de Juncker

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.