Wie Stick­oxid-Wer­te er­mit­telt wer­den

Spiel­räu­me vor­sätz­lich nicht aus­ge­nutzt?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - EINBLICKE -

AFP FRANK­FURT. Es geht um die Ge­sund­heit Tau­sen­der Men­schen, um viel Geld und den täg­li­chen Weg zur Ar­beit: Viel hängt ab von der Stick­stoff­di­oxid-Kon­zen­tra­ti­on in der Stadt­luft. Wie Mes­sun­gen zei­gen, liegt sie vie­ler­orts über dem Grenz­wert von 40 Mi­kro­gramm pro Ku­bik­me­ter Luft. Das hat Deutsch­land ei­ne Kla­ge be­schert. Un­nö­ti­ger­wei­se, sa­gen Kri­ti­ker – die deut­schen Mes­sun­gen sei­en stren­ger als vor­ge­schrie­ben.

Mehr als 500 Sta­tio­nen mes­sen deutsch­land­weit die NO2-Be­las­tung der Luft. Die meis­ten Stand­or­te wei­sen un­pro­ble­ma­ti­sche Wer­te auf. Sie ste­hen im länd­li­chen Raum, aber auch in ru­hi­gen Stadt- und In­dus­trie­ge­bie­ten. Ein­zig Sta­tio­nen mit den Merk­ma­len „städ­tisch ver­kehrs­nah“lie­gen über den Grenz­wer­ten – im Jah­res­mit­tel 2017 mehr als 100 Sta­tio­nen in 70 Kom­mu­nen. Spit­zen­rei­ter ist Mün­chen mit 78 Mi­kro­gramm.

Es gibt di­ver­se Vor­schrif­ten, nach de­nen die Sta­tio­nen auf­ge­stellt wer­den müs­sen. Grund­la­ge ist ei­ne Richt­li­nie der EU. Dort steht, dass in den Bal­lungs­räu­men mit den höchs­ten Kon­zen­tra­tio­nen ge­mes­sen wer­den muss. An­ge­wen­det wird ein vor­ge­schrie­be­nes che­mi­sches Ana­ly­se­ver­fah­ren. Die Un­ge­nau­ig­keit darf höchs­tens 15 Pro­zent be­tra­gen. Au­ßer­dem ist dort fest­ge­legt, dass die Sta­ti­on höchs­tens 25 und min­des­tens zehn Me­ter vom Rand ver­kehrs­rei­cher Kreu­zun­gen ent­fernt ste­hen muss.

Tat­säch­lich las­sen die Vor­schrif­ten Spiel­räu­me beim Mes­sen zu. Ge­ne­rell gilt, dass Mess­wer­te um­so hö­her sind, je nä­her sich das Mess­ge­rät an den vor­bei­fah­ren­den Au­tos be­fin­det. So kann es et­wa ei­nen Un­ter­schied ma­chen, ob in 1,5 oder vier Me­ter Hö­he ge­mes­sen wird, weil sich das NO2 mit der Um­ge­bungs­luft ver­dünnt. Eben­so kann es ei­nen Un­ter­schied ma­chen, ob die Sta­ti­on di­rekt an ei­ner Kreu­zung steht oder wei­ter weg. Es kom­me auf ei­ne Viel­zahl von Fak­to­ren an, das Wetter, die Be­bau­ungs­und Be­lüf­tungs­si­tua­ti­on ein­ge­schlos­sen.

Kri­ti­ker wer­fen der Re­gie­rung nun vor, dass sie die Spiel­räu­me der Richt­li­nie für das Auf­stel­len der Mess­sta­tio­nen nicht aus­ge­nutzt hat. Aus dem Um­welt­bun­des­amt hieß es da­zu: „Das ist ei­ne Lo­gik, wie sie sonst nur die Au­to­in­dus­trie auf­stellt.“Die Mes­s­er­geb­nis­se zu schö­nen lö­se nicht das ei­gent­li­che Pro­blem der zu ho­hen Emis­sio­nen aus Die­sel­fahr­zeu­gen.

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