Übers Ziel hin­aus­ge­schos­sen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - WIRTSCHAFT - Von Kat­ha­ri­na Rit­zer k.rit­zer@noz.de

Ir­re­füh­ren­de Wer­bung für Le­bens­mit­tel, die Ver­brau­cher be­wusst hin­ters Licht füh­ren will – da ist Em­pö­rung ge­recht­fer­tigt. Wenn sü­ße Früh­stücks­flocken Hil­fe beim Ab­neh­men ver­spre­chen, ein Jo­ghurt­drink das Im­mun­sys­tem stär­ken soll und ei­ne Scho­ko­la­de spe­zi­ell für Kin­der die Un­ter­stüt­zung des Wachs­tums pro­kla­miert, dann ist staat­li­che Auf­sicht ge­for­dert. Und die hat in Form der Eu­ro­päi­schen Be­hör­de für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit die ge­nann­ten Bei­spie­le un­ter­sagt. Gut so. Wenn aber ei­ne klei­ne Braue­rei aus dem All­gäu, die aus­schließ­lich re­gio­na­le Roh­stof­fe ver­wen­det, ihr Bier mit dem Eti­kett „be­kömm­lich“an­preist, liegt der Fall an­ders. Seit dem Be­ginn des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts be­zeich­net der Fa­mi­li­en­be­trieb sein Pro­dukt so, und seit­her weiß der Bier­trin­ker: Der Gers­ten­saft aus Leut­kirch ist gut ver­träg­lich. Eben­so weiß der Bier­trin­ker auch von je­her, dass die Do­sis das Gift macht. For­mal­ju­ris­tisch mö­gen Ver­hand­lung und Ur­teil kor­rekt sein, sie schie­ßen aber übers Ziel hin­aus. Und der Steu­er­zah­ler fragt sich, ob der Bun­des­ge­richts­hof wirk­lich nichts Wich­ti­ge­res zu ent­schei­den hat. Dem Bier­brau­er mö­ge die Ent­schei­dung nicht sau­er auf­sto­ßen, er mö­ge sie im Ge­gen­teil sport­lich neh­men – das ist ge­sün­der. Wohl be­komm’s!

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