„Hoch­gra­dig rich­tig und wich­tig“

„Quar­tiers­kon­zept Pa­ra­dies­chen“– Er­geb­nis­se wer­den aus­ge­wer­tet

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - WESTFÄLISCHE TAGESPOST - Von Frank Klaus­mey­er

Vor rund zwei Jah­ren hat der Rat die „En­er­ge­ti­sche Quar­tiers­sa­nie­rung Pa­ra­dies­chen Plus“an­ge­scho­ben. Im Sep­tem­ber wird nun der Be­richt zu den Stär­ken und Schwä­chen der Sied­lung er­war­tet.

WES­TER­KAP­PELN. Eins stellt Andre­as Hüb­ner, Ge­schäfts­füh­rer der In­ge­nieurs­ge­sell­schaft Ger­tec GmbH, da­zu klar: „Es geht nicht nur um Ener­gie­fra­gen, son­dern wir schau­en auch auf an­de­re Aspek­te, die mit der Le­bens­qua­li­tät der Be­woh­ner zu tun ha­ben.“Da­zu zählt der Di­plom-In­ge­nieur et­wa Lärm, We­ge­be­zie­hun­gen oder Spiel­plät­ze.

Ei­nen Zwi­schen­stand zum Quar­tiers­kon­zept lie­fer­ten Hüb­ner und Sa­ra Dietrich jetzt im Um­welt­aus­schuss. Dietrich ar­bei­tet beim Amt für Kli­ma­schutz und Nach­hal­tig­keit beim Kreis St­ein­furt, wo die Fä­den für das „Pa­ra­dies­chen“und sechs gleich ge­la­ger­te Sied­lungs­pro­jek­te in Lot­te-Bü­ren, Met­tin­gen, Ib­ben­bü­ren, Neu­en­kir­chen, Wett­rin­gen und Me­te­len zu­sam­men­lau­fen. „Da­durch kön­nen wir Sy­ner­gie­ef­fek­te nut­zen“, er­läu­tert Dietrich.

Zur­zeit wer­de das um­fang­rei­che Da­ten­ma­te­ri­al ana­ly­siert. Mög­lichst schnell sol­le dann die Öf­fent­lich­keit in­for­miert wer­den, kün­digt Hüb­ner an. Im Quar­tier „Pa­ra­dies­chen“gibt es rund 170 Ge­bäu­de mit über 200 Wohn­ein­hei­ten. Fast die Hälf­te der 28 Hekt­ar gro­ßen Flä­che neh­men al­ler­dings das Schul­zen­trum mit den drei Sport­hal­len, das Asyl­heim Hof Schild­kamp, die Awo-Ki­ta Am Kö­nig­steich, das Frei­bad, die Sport­plät­ze Am Kö­nig­steich wie auch das Haus der Dia­ko­nie ein.

Der Un­ter­su­chungs­bo­gen wur­de sei­ner­zeit so weit ge­schla­gen, um die Er­wei­te­rungs­mög­lich­kei­ten der Nah­wär­me­ver­sor­gung durch das Holz­heiz­werk im Schul­zen­trum zu prü­fen. Schon jetzt sei al­ler­dings ab­seh­bar, dass dies für die Wohn­häu­ser in der

Sied­lung nicht in­fra­ge kom­me, er­klärt Hüb­ner. „Das macht auf­grund der Ei­gen­tü­mer­struk­tur kei­nen Sinn.“

„Span­nend“fürs Quar­tier fin­det er da­ge­gen das The­ma So­lar­ener­gie. Mo­men­tan sind auf le­dig­lich sechs Dä­chern Fo­to­vol­ta­ik­an­la­gen in­stal­liert. Das Po­ten­zi­al für die Nut­zung der Son­nen­en­er­gie be­trägt nach Mei­nung der Fach­leu­te aber ein Viel­fa­ches. Zwar sei die Ein­spei­se­ver­gü­tung deut­lich ge­sun­ken, Glei­ches gel­te je­doch auch für die Kos­ten von Fo­to­vol­ta­ik­mo­du­len. „Die Wirt­schaft­lich­keit ist die glei­che ge­blie­ben.“In­ter­es­sant sei der So­lar­strom

nicht zu­letzt für den Ei­gen­ver­brauch.

Für al­le Ei­gen­tü­mer im „Pa­ra­dies­chen“hat das Bü­ro Ger­tec Ge­bäu­de­steck­brie­fe er­stellt. Dar­auf fu­ßend, soll ein Be­ra­tungs­pro­gramm zu denk­ba­ren Sa­nie­rungs­maß­nah­men und de­ren Kos­ten so­wie zu För­der­mög­lich­kei­ten ge­strickt wer­den.

Nur auf das The­ma Ener­gie zu set­zen brin­ge aber nichts, glaubt Hüb­ner. Den Ei­gen­tü­mern der vor­wie­gend in den 1950er- und 1960er-Jah­ren er­bau­ten Häu­ser müss­ten auch Per­spek­ti­ven auf­ge­zeigt wer­den, was mit ih­ren Ge­bäu­den ge­sche­hen sol­le, sagt Hüb­ner

und nennt die Stich­wor­te Um­nut­zung, Um­bau und Ver­kauf. „Dar­über er­reicht man die Leu­te.“So ha­be sich in zwei Work­shops zu Jah­res­be­ginn auch die Schaf­fung von Wohn­raum für äl­te­re Men­schen und Al­lein­ste­hen­de als The­men­feld her­aus­kris­tal­li­siert. An der Gestal­tung und Auf­wer­tung der Stra­ßen in der Sied­lung so­wie die Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs- und Park­si­tua­ti­on sei den Be­woh­nern eben­so ge­le­gen. „Un­ser Ziel ist es, Bür­ger­pro­jek­te an­zu­sto­ßen“, er­klärt Hüb­ner. An­ge­sichts der Al­ters­struk­tur in der Sied­lung sei dies aber wohl nicht ganz ein­fach.

Frank Sun­der­mann, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD, hält das Pro­jekt für „hoch­gra­dig rich­tig und wich­tig“. An­ge­sichts der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung sei die Lö­sung bei der Schaf­fung von Wohn­raum nicht – wie in den 1990er-Jah­ren –, die nächs­ten 30 Hekt­ar für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser zu er­schlie­ßen. „Wir müs­sen uns städ­te­bau­lich und en­er­ge­tisch mit der Fra­ge be­schäf­ti­gen, wie wir mit den äl­te­ren Sied­lun­gen um­ge­hen.“Rai­ner Echt­er­hoff (CDU) sieht in dem Quar­tiers­kon­zept „Pa­ra­dies­chen“des­halb ein „Pi­lot­pro­jekt auch für an­de­re Wohn­ge­bie­te“.

Fo­to: Frank Klaus­mey­er

Der Be­richt zum „Quar­tiers­kon­zept Pa­ra­dies­chen“soll im Sep­tem­ber vor­ge­legt wer­den. Gro­ßes Po­ten­zi­al in der Sied­lung se­hen die Fach­leu­te für den Aus­bau der So­lar­ener­gie.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.