Ein gro­ßer Ein­satz für drei klei­ne Spin­nen

Mög­li­cher­wei­se gif­ti­ge Tie­re im Bram­scher Al­lo­heim? – Ent­war­nung erst nach rund acht St­un­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - REGION - Von Björn Dieck­mann

Drei klei­ne Spin­nen ha­ben am Don­ners­tag ei­nen gro­ßen Ein­satz von Feu­er­wehr, Ret­tungs­dienst und Po­li­zei am Al­lo­heim er­for­dert. Denn über St­un­den er­schien es mög­lich, dass es sich um hoch­gif­ti­ge Tie­re han­delt.

BRAM­SCHE. Es ist 8.02 Uhr am Don­ners­tag­mor­gen, als die Feu­er­wehr alar­miert wird: Im Al­lo­heim sei­en Spin­nen, röt­lich/braun, aus ei­ner Ba­na­nen­kis­te ent­wi­chen. Mit­ar­bei­ter hat­ten zu­vor bei der Stadt Bram­sche an­ge­ru­fen, an­schlie­ßend bei der Ret­tungs­leit­stel­le in Os­na­brück.

Die Feu­er­wehr­leu­te, die sich auf den Weg ma­chen, ah­nen nichts Schlim­mes: „Wir dach­ten, wir sind nach ’ ner Vier­tel­stun­de fer­tig“, schil­dert ein Be­tei­lig­ter sei­ne Er­war­tung an den be­vor­ste­hen­den Ein­satz. Doch es soll an­ders kom­men: Denn letzt­lich sind die Feu­er­wehr eben­so wie der Ret­tungs­dienst, die Po­li­zei und Mit­ar­bei­ter der Stadt Bram­sche und des Land­krei­ses Os­na­brück bis nach 16 Uhr vor Ort.

Biss kann töd­lich sein

Denn schnell kommt am Mor­gen der Ver­dacht auf: Es könn­te sich bei den in der Kü­che des Al­lo­heims ent­wi­che­nen Tie­ren um so­ge­nann­te Ba­na­nen­spin­nen han­deln, wie Vol­ker Kös­ter, Pres­se­spre­cher der Kreis­feu­er­wehr, mit­teil­te. Und die­se Spin­nen mit der Fach­be­zeich­nung Pho­neu­tria „sind hoch­gif­tig“, so Kös­ter. Ihr Biss kann auch für Men­schen töd­lich sein.

Zwei Tie­re kön­nen zü­gig ein­ge­fan­gen wer­den, ein drit­tes im Kühl­haus iso­liert wer­den. Dann be­ginnt vor­der­grün­dig das War­ten – dar­auf,

dass je­mand mit Be­stimmt­heit sa­gen kann, ob ei­ne Ge­fahr be­steht. Dar­auf, ob mög­li­cher­wei­se un­be­merkt noch wei­te­re Spin­nen der Ba­na­nen­kis­te ent­wi­chen sind. Im Hin­ter­grund wer­den Maß­nah­men an­ge­scho­ben „für den schlimms­ten Fall“, wie Kös­ter es for­mu­lier­te. Näm­lich ei­ne Eva­ku­ie­rung des Al­lo­heims. Wei­te­re Ein­satz­fahr­zeu­ge rü­cken an, die Breu­el­stra­ße wird zwi­schen der Kreu­zung Mey­er­hof­stra­ße und der Kreu­zung Bahn­hof­stra­ße ge­sperrt. Vom Spiel­platz der Mey­er­hof­schu­le schau­en Kin­der ge­spannt zu.

Fo­tos der auf­ge­fun­de­nen Spin­nen wer­den an ei­nen Schäd­lings­be­kämp­fer ge­schickt, der sich an­schlie­ßend gleich auf den Weg von

Din­kla­ge nach Bram­sche macht. Doch auch er kann nicht mit letz­ter Ge­wiss­heit sa­gen, um was für ei­ne Spin­nen­art es sich han­delt. Al­lein von der Pho­neu­tria sind acht ver­schie­de­ne Ar­ten wis­sen­schaft­lich be­legt. Aber ob es sich um ei­ne da­von han­delt, bleibt wei­ter­hin of­fen.

Ge­gen Mit­tag bricht ein Strei­fen­wa­gen der Po­li­zei nach Os­na­brück auf: Die Be­sat­zung soll aus dem dor­ti­gen Zoo Ex­per­ten ab­ho­len und nach Bram­sche brin­gen. Ob man sie tat­säch­lich an­trifft, scheint un­ge­wiss zu sein. Dem Ver­neh­men nach wird auch dar­über dis­ku­tiert, per Hub­schrau­ber nach Sta­de zu flie­gen, Luft­li­nie 165 Ki­lo­me­ter. Auch dort soll ein Spin­nen­ex­per­te sess­haft sein. Vie­le da­von gibt es

of­fen­bar nicht in der Um­ge­bung.

Doch die Fach­leu­te aus Os­na­brück kön­nen her­bei­ge­holt wer­den. Aber auch sie brau­chen ei­ni­ge Zeit für die Be­gut­ach­tung der Tie­re. Feu­er­wehr­leu­te ste­hen der­weil vor dem Al­lo­heim und er­zäh­len sich Wit­ze. Auch die Ein­hei­ten des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes ste­hen wei­ter­hin be­reit. Nach wie vor kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass ei­ne Eva­ku­ie­rung der Se­nio­ren­re­si­denz er­for­der­lich wird.

Hil­fe aus Frank­furt

Die Ex­per­ten aus Os­na­brück nah­men am Nach­mit­tag Kon­takt auf zum Spin­nen­fach­mann Dr. Pe­ter Jä­ger vom Sencken­berg For­schungs­in­sti­tut und Na­tur­mu­se­um

in Frank­furt. Jä­ger war es auf­grund der ihm zu­ge­sand­ten Fo­tos und der Schil­de­run­gen der Zoo-Mit­ar­bei­ter mög­lich, ei­ne Ge­fahr durch die Spin­nen aus­zu­schlie­ßen. „Bram­sches Ers­ter Stadt­rat Ul­rich Wil­lems ver­si­cher­te sich in ei­ner La­ge­be­spre­chung ge­gen 16 Uhr te­le­fo­nisch bei dem Fach­mann, dass es sich bei den Spin­nen um un­ge­fähr­li­che Ar­ten han­delt“, heißt es in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung der Stadt Bram­sche.

Nach die­ser Zu­si­che­rung durch den Ex­per­ten konn­ten die vor­sorg­lich vor­be­rei­te­ten Maß­nah­men zur Eva­ku­ie­rung des Se­nio­ren­heims ab­ge­sagt wer­den. Der Kü­chen­be­reich des Al­lo­heims wur­de am Nach­mit­tag durch Schäd­lings­be­kämp­fer be­gast.

Die Ver­sor­gung der Heim­be­woh­ner war den gan­zen Tag über von der Heim­lei­tung durch ex­ter­ne Zu­lie­fe­rer si­cher­ge­stellt wor­den, heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung der Stadt wei­ter.

Als die Ent­war­nung bei den Feu­er­wehr­leu­ten und den Ret­tungs­kräf­ten an­kam, hat­ten man­che von ih­nen acht St­un­den am und im Al­lo­heim ver­bracht. Und nicht ei­ne Vier­tel­stun­de, wie sie am Mor­gen bei der Alar­mie­rung er­war­tet hat­ten. Ein gro­ßer Ein­satz für drei klei­ne Spin­nen neig­te sich dem En­de. Und vor al­lem ein lan­ger Ein­satz.

Ein Vi­deo und wei­te­re Fo­tos auf noz.de/lo­ka­les/ar­ti­kel/1212862

Fo­tos: Björn Dieck­mann

Am An­fang war nur ei­ne klei­ne Be­set­zung von Feu­er­wehr, DRK und Po­li­zei am Al­lo­heim. Das soll­te sich im Lau­fe des Vor­mit­tags än­dern.

Die Breu­el­stra­ße war zwi­schen Kreu­zung Mey­er­hof­stra­ße und Kreu­zung Bahn­hof­stra­ße stun­den­lang ge­sperrt.

Spä­ter wur­den auch in der J.-F.-Sost­mann-Stra­ße Fahr­zeu­ge der Or­ga­ni­sa­tio­nen ab­ge­stellt.

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