Be­las­te­tes Ma­te­ri­al in Ma­trat­zen

BASF lie­fer­te ton­nen­wei­se be­las­te­te Flüs­sig­keit aus – Si­tua­ti­on für Ver­brau­cher un­klar

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - VORDERSEITE -

LUD­WIGS­HA­FEN. Die BASF hat ton­nen­wei­se be­las­te­tes Kunst­stoff­ma­te­ri­al aus­ge­lie­fert, das für die Her­stel­lung von Ma­trat­zen und Au­to­sit­zen ge­nutzt wird. Der Han­del re­agiert be­reits und bie­tet ei­ne Rück­ga­be an.

7500 Ton­nen ei­nes be­las­te­ten Pro­dukts hat die BASF ver­kauft. Rund zwei Drit­tel da­von sind nach An­ga­ben des Che­mie­kon­zerns noch nicht ver­ar­bei­tet. Ein Fach­mann sieht ein „Rie­sen­pro­blem“für al­le Be­tei­lig­ten.

LUD­WIGS­HA­FEN. Von den 7500 aus­ge­lie­fer­ten Ton­nen ei­nes mit Di­chlor­ben­zol be­las­te­ten BASF-Kunst­stoff­pro­dukts für Au­to­sit­ze und Ma­trat­zen sind rund 5000 Ton­nen nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben noch nicht wei­ter­ver­ar­bei­tet. Sie wür­den von BASF zu­rück­ge­holt, teil­te der Che­mie­kon­zern am Mitt­woch mit. Bei be­reits ver­ar­bei­te­ten Pro­duk­ten ste­he BASF in Kon­takt mit den Kun­den. Um ei­ne Ge­fähr­dung aus­zu­schlie­ßen, un­ter­stüt­ze ein Team von 75 Spe­zia­lis­ten die Ab­neh­mer bei Tests zur Di­chlor­ben­zol-Kon­zen­tra­ti­on. Di­chlor­ben­zol kann Haut, Atem­we­ge und Au­gen rei­zen und steht im Ver­dacht, Krebs zu ver­ur­sa­chen.

Der Che­mie­kon­zern hat­te zwi­schen dem 25. Au­gust und dem 29. Sep­tem­ber 7500 Ton­nen des Kunst­stoff­grund­pro­dukts Toluol­di­iso­cya­nat (TDI) her­ge­stellt, die nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben ei­ne deut­lich er­höh­te Kon­zen­tra­ti­on an Di­chlor­ben­zol auf­wie­sen. TDI ist ein Aus­gangs­stoff für den Kunst­stoff Po­ly­ure­than, der zur Her­stel­lung von Ma­trat­zen so­wie für Pols­te­run­gen be­nutzt wird. Nach An­ga­ben ei­ner BASF-Spre­che­rin hat­te ein Kun­de das Un­ter­neh­men auf die er­höh­ten Wer­te auf­merk­sam ge­macht. Der Ge­schäfts­füh­rer des Fach­ver­ban­des Schaum­kunst­stof­fe und Po­ly­ure­tha­ne

e. V., Klaus Junginger, sag­te, man kön­ne der­zeit nicht klä­ren, wie viel von dem ver­ar­bei­te­ten Pro­dukt be­reits beim End­ver­brau­cher an­ge­kom­men sei. Er be­klag­te ein In­for­ma­ti­ons­de­fi­zit. „Es gibt Pro­ble­me, es gibt auch er­höh­te Kon­zen­tra­tio­nen, wir wis­sen nicht, in wel­chem Um­fang, wir wis­sen nicht, ob schäd­lich“, sag­te er. „Es ist für al­le Be­tei­lig­ten – in­klu­si­ve na­tür­lich End­ver­brau­cher – ein Rie­sen­pro­blem.“

Lie­fe­rung an 50 Kun­den

Die rhein­land-pfäl­zi­sche Um­welt­mi­nis­te­rin Ul­ri­ke Höf­ken (Grü­ne) kri­ti­sier­te das Un­ter­neh­men und kün­dig­te Ge­sprä­che an. „Dass über ei­nen Mo­nat lang ein un­ge­prüf­ter Stoff aus­ge­lie­fert wur­de, zeigt, dass die

Qua­li­täts­kon­trol­le und In­for­ma­ti­ons­po­li­tik der BASF drin­gend kri­tisch über­prüft wer­den muss“, teil­te Höf­ken mit.

Nach ers­ten Mel­dun­gen über den Fall mach­ten sich vie­le End­kun­den Sor­gen. Es müs­se schnell Klar­heit ge­schaf­fen wer­den, in­wie­weit sie be­trof­fen sei­en und ob ei­ne Ge­fähr­dung be­ste­he, sag­te die Mi­nis­te­rin. Sie kri­ti­sier­te auch, die BASF ha­be den Be­hör­den nicht mit­ge­teilt, dass die Pro­duk­ti­on in der TDIAn­la­ge An­fang Ok­to­ber ein­ge­stellt wor­den sei. Zwar sei das Un­ter­neh­men da­zu nicht ver­pflich­tet. Ei­ne ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit und ein ver­ant­wort­li­cher Um­gang mit dem End­ver­brau­cher sä­hen je­doch an­ders aus. Nach An­ga­ben der BASF ist die Be­las­tung auf ei­nen tech­ni­schen Feh­ler in der Pro­duk­ti­on zu­rück­zu­füh­ren. Die Ur­sa­che wer­de der­zeit be­sei­tigt. Laut ei­ner BASFSpre­che­rin wur­de bei den be­trof­fe­nen Pro­duk­ten ein Di­chlor­ben­zol-An­teil von meh­re­ren Hun­dert ppm (parts per mil­li­on – An­tei­le pro Mil­li­on) ge­mes­sen, nor­ma­ler­wei­se lie­ge das Le­vel un­ter drei ppm. BASF selbst ma­che nor­ma­ler­wei­se ein­mal im Mo­nat ei­ne Pro­be bei dem Kunst­stoff­grund­pro­dukt TDI, er­gänz­te sie. Die be­trof­fe­ne Lie­fe­rung von 7500 Ton­nen TDI ging nach An­ga­ben der Spre­che­rin an 50 Kun­den. Ver­bands­ge­schäfts­füh­rer Junginger sag­te, die Flüs­sig­keit wer­de aber auch wei­ter­ver­kauft. Von ei­nem der 50 Ab­neh­mer kön­ne sie an 300 wei­te­re ge­hen. Es sei ein Pro­blem her­aus­zu­fin­den, wo ei­ne Ma­trat­ze oder ein Kopf­kis­sen er­zeugt wor­den sei. Au­ßer­dem sei­en in der Zwi­schen­zeit mög­li­cher­wei­se schon Au­tos mit be­las­te­ten Sit­zen auf dem Weg in die USA, wo Scha­den­er­satz­kla­gen an­ders funk­tio­nier­ten als hier­zu­lan­de.

Nach sei­nen An­ga­ben ha­ben fran­zö­si­sche Her­stel­ler, die das BASF-Pro­dukt ver­wen­den, we­gen des Falls be­reits die Schaum­pro­duk­ti­on ge­stoppt. „Bei uns hö­ren sie auch auf “, sag­te Junginger.

Der Han­del re­giert be­reits: Das „Dä­ni­sche Bet­ten­la­ger“nimmt even­tu­ell be­las­te­te Ma­trat­zen aus dem Ver­kauf. Ei­ne Rück­ga­be der be­tref­fen­den Ma­trat­zen sei in je­der Fi­lia­le mög­lich, heißt es.

Fo­to: dpa

Das be­las­te­te BASF-Kunst­stoff­pro­dukt wird un­ter an­de­rem für die Her­stel­lung von Ma­trat­zen ver­wen­det.

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