Ren­te bleibt Dau­er­bau­stel­le

Rück­la­ge fällt auf nur noch 28,9 Mil­li­ar­den Eu­ro – Ru­fe nach Re­form

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - WIRTSCHAFT -

Mit dem Ren­ten­ni­veau geht es oh­ne Re­for­men berg­ab. Selbst­stän­di­ge sind oft nur we­nig ab­ge­si­chert. Was wird die neue Ko­ali­ti­on da­ge­gen tun? Nun steigt auch der Druck von der Ren­ten­ver­si­che­rung auf die Po­li­tik.

BER­LIN. Die Re­ser­ve der Ren­ten­ver­si­che­rung ist auf den nied­rigs­ten Stand in die­sem Jahr ge­sun­ken. En­de Sep­tem­ber ha­be sie bei 28,9 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­le­gen, teil­ten die Vor­stands­vor­sit­zen­den der Ren­ten­ver­si­che­rung, An­ne­lie Bun­ten­bach und Alex­an­der Gun­kel, am Don­ners­tag in Ber­lin mit. Im Au­gust wa­ren es noch 29,6 Mil­li­ar­den.

Bun­ten­bach und Gun­kel wie­sen dar­auf hin, dass das Ren­ten­pols­ter im­mer noch et­was bes­ser ge­füllt sei als bis­lang er­war­tet. In den ers­ten neun Mo­na­ten des Jah­res sei­en die Pflicht­bei­trä­ge aus Er­werbs­tä­tig­keit um 4,2 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum ge­stie­gen.

Bun­ten­bach und Gun­kel wa­ren bei ei­ner Bun­des­ver­tre­ter­ver­samm­lung, dem Par­la­ment der Ren­ten­ver­si­che­rung, als Vor­sit­zen­de be­stä­tigt wor­den. Die Neu­be­set­zung der Gre­mi­en war durch die So­zi­al­wahl nö­tig ge­wor­den.

Stär­ke­re Be­las­tun­gen

Bun­ten­bach schrieb der an­ge­hen­den Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on ins Stamm­buch, für lang­fris­ti­ge Sta­bi­li­tät der Ren­ten­ver­si­che­rung sei­en früh­zei­ti­ge Fest­le­gun­gen über die Ent­wick­lung nach 2030 nö­tig. Der­zeit gel­ten ge­setz­li­che Vor­ga­ben nur bis da­hin. Weil die star­ken Ba­by­boo­mer-Jahr­gän­ge vor dem Wech­sel in die Ren­te ste­hen, wird die Ren­ten­kas­se im­mer stär­ker be­las­tet. Das Ren­ten­ni­veau wird oh­ne Ge­gen­steu­ern sin­ken.

Gun­kel for­der­te, auch die Si­cher­stel­lung ei­ner aus­rei­chen­den Ab­si­che­rung der Selbst­stän­di­gen soll­te in der neu­en Le­gis­la­tur­pe­ri­ode auf der Ta­ges­ord­nung ste­hen, so­weit sie nicht be­reits ei­ner Pflicht­ver­si­che­rung un­ter­lie­gen. Die Ren­ten­ver­si­che­rung dür­fe auch zu­künf­tig nicht mit neu­en Leis­tun­gen be­las­tet wer­den, de­nen kei­ne Bei­trä­ge ge­gen­über­stün­den. Er kri­ti­sier­te, dass die in der letz­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ein­ge­führ­te Müt­ter­ren­te und teil­wei­se auch die An­glei­chung der Ren­ten in Ost und West aus Bei­trags­mit­teln fi­nan­ziert wer­den müss­ten.

Ru­he­stand mit 63

Äl­te­re Ren­ten­re­for­men wir­ken sich im­mer stär­ker auf die Ren­ten­ver­si­che­rung aus. So ha­ben bis Au­gust 160 000 Ver­si­cher­te ei­nen An­trag auf ab­schlags­freie Ren­te mit 63 ge­stellt. Im Vor­jah­res­zeit­raum wa­ren es noch 165000, wie die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund an­läss­lich ei­ner Ver­tre­ter­ver­samm­lung in Ber­lin mit­teil­te. Wer min­des­tens 45 Jah­re in die Ren­ten­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt hat, kann seit Ju­li 2014 ab 63 Jah­ren oh­ne Ab­schlag in Ren­te ge­hen.

Die IG Me­tall warn­te vor so­zia­lem Ab­stieg im Al­ter bis in die ar­beit­neh­me­ri­sche Mit­te. „Die ak­tu­ell gu­ten Zah­len der Ren­ten­ver­si­che­rung sind nur ein Zwi­schen­hoch und kön­nen nicht dar­über hin­weg­täu­schen: Es muss mit ei­nem wei­te­ren Ab­sturz des Ren­ten­ni­veaus ge­rech­net wer­den, wäh­rend die Re­gel­al­ters­gren­ze steigt“, warn­te IG-Me­tall-Vor­stands­mit­glied Hans-Jür­gen Ur­ban.

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