So­zi­al­flü­gel der CDU kri­ti­siert Kreis­par­tei

CDU-So­zi­al­flü­gel wi­der­spricht Kreis-Par­tei – Auch UWG für Land­kreis-Mo­dell of­fen

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - VORDERSEITE - Von Je­an-Charles Fays

jcf OS­NA­BRÜCK. Die Christ­lich-De­mo­kra­ti­sche Ar­beit­neh­mer­schaft (CDA) for­dert mehr kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten, um den ge­rin­gen An­teil von nur zwei Pro­zent So­zi­al­woh­nun­gen im Land­kreis Os­na­brück zu stei­gern. Da­mit wi­der­spricht der CDUSo­zi­al­flü­gel der Kreis­par­tei.

Der CDA-Kreis­vor­sit­zen­de Klaus Men­d­ri­na er­klärt da­zu: „Ge­ra­de in struk­tur­schwä­che­ren Städ­ten wie et­wa Qua­ken­brück wür­den kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten Sinn ma­chen.“Dar­über hin­aus sol­le der Kreis Fi­nanz­mit­tel zur Ver­fü­gung stel­len, um In­ves­to­ren da­mit Ra­bat­te auf den nor­ma­len Grund­stücks­preis zu ge­wäh­ren. „Die Be­reit­stel­lung von mehr Wohn­raum kann auch von kom­mu­na­len Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten nur be­dingt be­ein­flusst wer­den“, sagt hin­ge­gen Mar­tin Bäu­mer, Chef der CDU-Kreis­tags­frak­ti­on.

Der So­zi­al­flü­gel der CDU, die Christ­lich-De­mo­kra­ti­sche Ar­beit­neh­mer­schaft (CDA), for­dert deut­lich mehr kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten, um den ge­rin­gen An­teil von nur zwei Pro­zent So­zi­al­woh­nun­gen im Kreis zu stei­gern. Der CDAK­reis­vor­sit­zen­de Os­na­brück-Land, Klaus Men­d­ri­na, wi­der­spricht da­mit der CDU-Kreis­frak­ti­on.

OS­NA­BRÜCK. Men­d­ri­na zeigt sich ver­är­gert dar­über, dass laut Land­kreis oh­ne den Neu­bau von So­zi­al­woh­nun­gen al­le Miet­preis­bin­dun­gen bis zum Jahr 2023 voll­stän­dig aus­lau­fen wer­den. Da­her un­ter­stützt er die For­de­rung des Pa­ri­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des nach mehr kom­mu­na­len Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten im Land­kreis. „Ge­ra­de in struk­tur­schwä­che­ren Städ­ten wie et­wa Qua­ken­brück wür­den kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten Sinn ma­chen“, sagt der Bis­sen­dor­fer So­zi­al­po­li­ti­ker. Dar­über hin­aus sol­le der Kreis Fi­nanz­mit­tel zur Ver­fü­gung stel­len, um In­ves­to­ren da­mit Ra­bat­te auf den nor­ma­len Grund­stücks­preis zu ge­wäh­ren. Vor­aus­set­zung da­für müs­se sein, dass zum Zwe­cke des so­zia­len Woh­nungs­baus ge­baut wird. Das heißt: 15 Jah­re So­zi­al­bin­dung und vor­ge­schrie­be­ne Hö­he der Mie­te. Oft sei es aber schwie­rig, pri­va­te In­ves­to­ren für sol­che Pro­jek­te zu ge­win­nen. Dar­über hin­aus weist er dar­auf hin, dass kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten nicht un­be­dingt Ge­win­ne er­wirt­schaf­ten müss­ten: „Des­halb kön­nen kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten auch lang­fris­tig sta­bi­le Miet­prei­se ga­ran­tie­ren. Bei pri­va­ten In­ves­to­ren ist das an­ders, denn bei ih­nen steht die Ren­di­te im Vor­der­grund“, kon­sta­tiert Men­d­ri­na, der auch im CDU-Kreis­ver­band für kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten wer­ben will.

CDU-Kreis­par­tei­chef Chris­ti­an Cal­de­ro­ne sah in Qua­ken­brück, der Stadt mit der kreis­weit ge­rings­ten Kauf­kraft je Haus­halt, bis­lang kei­nen Be­darf da­für, da über Stadt­sa­nie­rungs­pro­gram­me be­reits schwie­ri­ge Wohn­um­fel­der ge­stärkt und be­zahl­ba­rer Wohn­raum ge­schaf­fen wer­de. Der Spre­cher der Samt­ge­mein­de Art­land, Franz-Ge­org Gra­mann, sagt, dass in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im Rah­men des För­der­pro­gramms „So­zia­le Stadt“zahl­rei­che neue Woh­nun­gen mit Miet­preis­bin­dung er­rich­tet wor­den sei­en und wei­te­re zur­zeit ge­baut wür­den. Zur­zeit ge­be es da­her „kei­ne Initia­ti­ven, we­der sei­tens der Po­li­tik noch der Ver­wal­tung, ei­ne ei­ge­ne kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft zu grün­den“.

Der Vor­sit­zen­de CDUF­rak­ti­on im Kreis­tag, Mar­tin Bäu­mer, wi­der­spricht Men­d­ri­na: „Die Be­reit­stel­lung von mehr Wohn­raum kann auch von kom­mu­na­len Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten nur be­dingt be­ein­flusst wer­den.“Ent­schei­den­der wür­den die Aus­wei­sung von bau­rei­fen Grund­stü­cken und die Re­du­zie­rung von bü­ro­kra­ti­schen Vor­schrif­ten im Be­reich der en­er­ge­ti­schen und bau­li­chen Stan­dards so­wie ef­fi­zi­en­tes Bau­en sein. Der Bund müs­se die so­zia­le Wohn­raum­för­de­rung über das Jahr 2019 hin­aus ver­län­gern. „Wir als Land­kreis wer­den uns an­schau­en müs­sen, wo wir bei den Ge­neh­mi­gun­gen schnel­ler wer­den kön­nen“, sag­te Bäu­mer zum Ein­fluss­be­reich des Land­krei­ses Os­na­brück und re­sü­mier­te: „Das al­les kann da­zu bei­tra­gen, die Si­tua­ti­on zu ent­span­nen, so­dass der Woh­nungs­markt auch oh­ne kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten wie­der funk­tio­niert.“

Der UWG-Frak­ti­ons­chef im Kreis­tag, Se­bas­ti­an Gott­löb­er, fragt sich, ob es für In­ves­to­ren bei ver­gleichs­wei­se ge­rin­ger Ren­di­te im Kreis über­haupt in­ter­es­sant ist, Miet­ob­jek­te im gro­ßen Stil zu bau­en: „Des­halb muss grund­sätz­lich auch die Fra­ge im Raum ste­hen, ob Lö­sun­gen an­zu­stre­ben sind, die auch die Woh­nungs­si­tua­ti­on an sich ver­bes­sern, nicht nur in Hin­blick auf so­zia­len Wohn­raum.“Wenn die 2,1 Mil­lio­nen RWE-Ak­ti­en des Krei­ses wie be­ab­sich­tigt in die­sem Jahr ver­kauft wer­den sol­len, dann müs­se of­fen dis­ku­tiert wer­den, wie der Er­lös – aktuell ist das Ak­ti­en­pa­ket 42 Mil­lio­nen Eu­ro wert – an­ge­legt wer­den soll: „Ob das dann ei­ne Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft mit dem Ziel der Schaf­fung so­zia­len Wohn­raums oder ein­fach nur Schaf­fung von Wohn­raum oder ei­ne Kom­bi­na­ti­on ist, das soll­te man in Er­wä­gung zie­hen.“Be­rück­sich­tigt wer­den müs­se aber auch, wie so­zia­le Aspek­te beim Wohn­raum in­ner­halb ei­ner Kreis­ge­sell­schaft zu re­fi­nan­zie­ren sind. In den Kom­mu­nen mit ho­hen Grund­stücks­prei­sen und Mie­ten müs­se die Schaf­fung von so­zia­lem Wohn­raum im Vor­der­grund ste­hen, in an­de­ren Kom­mu­nen, wo Woh­nun­gen feh­len, Grund­stücks­prei­se und Mie­ten aber er­schwing­lich sind, müs­se die Ren­di­te im Vor­der­grund ste­hen. Ei­ne kom­mu­na­le Wohn­bau­ge­sell­schaft des Land­krei­ses mit der Teil­auf­ga­be des so­zia­len Woh­nungs­baus hält Gott­löb­er da­her für ei­ne denk­ba­re Op­ti­on, wie der Er­lös aus dem Ver­kauf des RWE-Ak­ti­en­pa­kets ge­nutzt wer­den kön­ne. Gott­löb­er hält es aber auch für denk­bar, das Geld et­wa in Kreis­wer­ke zu in­ves­tie­ren.

SPD da­ge­gen

We­gen des Man­gels an be­zahl­ba­rem Wohn­raum hat­ten zu­vor Grü­ne und Lin­ke ei­ne kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft des Land­krei­ses ge­for­dert. Der SPDFrak­ti­ons­chef Tho­mas Reh­me, der auch Vor­sit­zen­der der SPD/UWG-Grup­pe ist, hat­te das aber ab­ge­lehnt, weil er es als Auf­ga­be der kreis­an­ge­hö­ri­gen Kom­mu­nen be­trach­tet, be­zahl­ba­ren Wohn­raum zu schaf­fen. Der Land­kreis neh­me nur „ei­ne Ko­or­di­nie­rungs- und Un­ter­stüt­zungs­funk­ti­on wahr“.

Ein The­men-Spe­zi­al zu Im­mo­bi­li­en in der Re­gi­on fin­den Sie im In­ter­net auf noz.de/im­mo-os

Ar­chiv­fo­to: Jörn Mar­tens

Für mehr be­zahl­ba­re Woh­nun­gen: Auch die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft Ste­phans­werk in Trä­ger­schaft des Bis­tums Os­na­brück und des Bi­schöf­li­chen Stuhls zu Os­na­brück en­ga­giert sich.

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