Er­fun­de­ne Hun­de­at­ta­cke: Va­ter soll Ba­by in Os­na­brück fast ge­tö­tet ha­ben

Ba­by nicht durch Hund ver­letzt – Kind erst we­ni­ge St­un­den in Ob­hut der El­tern

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - VORDERSEITE - Von Jörg San­ders und Mark Ot­ten

im Fall des in Os­na­brück le­bens­ge­fähr­lich ver­letz­ten Ba­bys: Der 24-jäh­ri­ge Va­ter des we­ni­ge Ta­ge al­ten Säug­lings sitzt we­gen des Ver­dachts der ver­such­ten Tö­tung in Un­ter­su­chungs­haft. Er wur­de am Don­ners­tag ver­haf­tet. Am Di­ens­tag­abend war der Jun­ge mit le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen ins Christ­li­che Kin­der­hos­pi­tal Os­na­brück (Bild) ein­ge­lie­fert wor­den. Die El­tern hat­ten zu­nächst an­ge­ge­ben, ein frem­der Hund ha­be ihr Ba­by auf ei­ner Grün­flä­che at­ta­ckiert. Das sei ei­ne Schutz­be­haup­tung ge­we­sen, sag­te ei­ne Po­li­zei­spre­che­rin. Den Er­mitt­lun­gen zu­fol­ge hat­te das Ba­by ge­schrien, der Va­ter ha­be es „ru­hig­stel­len“wol­len und da­bei schwer miss­han­delt, sag­te Ober­staats­an­walt Alex­an­der Re­te­mey­er. Der Zu­stand des Ba­bys ist in­zwi­schen sta­bil.

Dra­ma­ti­sche Wen­de: Die le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen, die ein Ba­by am Di­ens­tag in Os­na­brück er­lit­ten hat, ge­hen nicht auf Hun­de­bis­se zu­rück. Die Po­li­zei er­mit­telt ge­gen den Va­ter des Kin­des we­gen der ver­such­ten Tö­tung. Das be­stä­tig­ten Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft un­se­rer Re­dak­ti­on.

OS­NA­BRÜCK. Die Un­ter­su­chung ei­nes Rechts­me­di­zi­ners so­wie die Er­mitt­lun­gen der Po­li­zei hät­ten er­ge­ben, dass der Jun­ge nicht durch Hun­de­bis­se le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt wor­den sei, sag­te Po­li­zei­spre­che­rin An­ke Ham­ker. Die Po­li­zei er­mit­telt ge­gen den 24-jäh­ri­gen Va­ter und Part­ner der gleich­alt­ri­gen Mut­ter we­gen des Ver­dachts der ver­such­ten Tö­tung. Er wur­de am Don­ners­tag fest­ge­nom­men und dem Haft­rich­ter vor­ge­führt, so Ham­ker. Die­ser schick­te den Mann in Un­ter­su­chungs­haft, be­stä­tig­te Po­li­zei­spre­cher Frank Oe­ver­mann am Mit­tag.

Hun­de­at­ta­cke er­fun­den

Die El­tern hat­ten zu­nächst an­ge­ge­ben, am Di­ens­tag­abend mit dem Säug­ling und ih­ren zwei Hun­den auf ei­ner Grün­flä­che in der Au­to­bahn­schlei­fe in Hel­lern ge­we­sen zu sein, als ein frem­der Hund da­zu­ge­kom­men sei. Nach ei­nem kur­zen Spiel mit den Hun­den der Fa­mi­lie ha­be der frem­de Hund das Kind at­ta­ckiert und sei an­schlie­ßend da­von­ge­lau­fen, hat­ten die El­tern der Po­li­zei be­rich­tet. Die Hun­de­at­ta­cke sei ei­ne Schutz­be­haup­tung ge­we­sen, sag­te Ham­ker am Don­ners­tag.

Ober­staats­an­walt Alex­an­der Re­te­mey­er zu­fol­ge hat­ten die El­tern am sel­ben Tag die Neu­ge­bo­re­nen­sta­ti­on des Christ­li­chen Kin­der­hos­pi­tals ver­las­sen und ihr Ba­by mit nach Hau­se ge­nom­men. Als das Kind spä­ter schrie, ha­be der Va­ter es „ru­hig­stel­len“wol­len. Da­bei er­litt das Kind un­ter an­de­rem schwe­re Kopf­ver­let­zun­gen, sag­te Re­te­mey­er un­se­rer Re­dak­ti­on. Um 18.40 Uhr alar­mier­ten die El­tern ei­nen Not­arzt, sag­te Oe­ver­mann.

Oe­ver­mann zu­fol­ge ha­be der Säug­ling äu­ße­re Ver­let­zun­gen. Die Po­li­zei ha­be Zwei­fel an der Darstel­lung des Va­ters mit der Hun­de­at­ta­cke ge­habt, so Re­te­mey­er. Ärz­te hät­ten aber ge­sagt, dass die­se zu­min­dest nicht ganz aus­zu­schlie­ßen ge­we­sen sei, so Re­te­mey­er wei­ter. Da­her hät­ten die Er­mitt­ler die vom Va­ter an­ge­ge­be­ne Hun­de­at­ta­cke „erst ein­mal so hin­neh­men müs­sen“. Da aber Zwei­fel be­stan­den hät­ten, sei ein Rechts­me­di­zi­ner hin­zu­ge­zo­gen wor­den. Der ha­be ei­ne Hun­de­at­ta­cke aus­ge­schlos­sen.

Der we­ni­ge Ta­ge al­te Säug­ling wur­de mit le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen ins Kran­ken­haus ge­bracht. In­zwi­schen ist der Zu­stand des Kin­des aber „sta­bil“, sag­te Re­te­mey­er. Es sei schwerst­ver­letzt. So­fern es über­le­ben soll­te, „sind blei­ben­de Schä­den nicht aus­zu­schlie­ßen“.

In der Me­di­zin be­deu­tet „sta­bil“, dass kei­ne Ver­schlech­te­rung des Zu­stands zu er­war­ten sei, sag­te Dr. Ma­thi­as Den­ter, Ärzt­li­cher Lei­ter des Not­auf­nah­me­zen­trums am Kli­ni­kum Os­na­brück. Es be­deu­te aber nicht, dass der kri­ti­sche Zu­stand auf­ge­ho­ben sei.

Hin­weis ans Ju­gend­amt

Zur Rol­le der Mut­ter äu­ßert sich die Po­li­zei nicht. „Der Tat­ver­dacht rich­tet sich nur ge­gen den Part­ner der Frau“, sag­te Oe­ver­mann auf Nach­fra­ge. Re­te­mey­er sag­te, die Rol­le der Mut­ter sei noch nicht ge­klärt. Nach Aus­sa­ge des Kinds­va­ters ha­be sie nichts mit dem Vor­fall zu tun. Es ist das ers­te Kind des nicht ver­hei­ra­te­ten Paa­res.

Es sei nicht klar, ob der Vor­fall tat­säch­lich an der Au­to­bahn­auf­fahrt zur A 30 in Hel­lern pas­siert sei, sag­te Ham­ker. Re­te­mey­er zu­fol­ge könn­te sich das Ge­sche­hen in der Woh­nung ab­ge­spielt ha­ben. Das müs­se die Spu­ren­su­che er­ge­ben.

Sven Jür­gen­sen, Spre­cher der Stadt, be­stä­tig­te auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, dass das Ju­gend­amt schon vor der Ge­burt des Kin­des ei­nen Hin­weis aus der Fa­mi­lie der El­tern er­hal­ten hat­te. „Die Qua­li­tät des Hin­wei­ses ken­nen wir nicht“, sag­te er.

Das Ju­gend­amt ha­be schon vor der Ge­burt Kon­takt zu den El­tern auf­ge­nom­men. Die­se hät­ten sich „sehr ko­ope­ra­ti­ons­wil­lig“ge­zeigt, sag­te Jür­gen­sen. „Das Ju­gend­amt konn­te nicht da­von aus­ge­hen, dass ei­ne Kin­des­wohl­ge­fähr­dung vor­liegt – zu­mal das Kind noch gar nicht ge­bo­ren war.“Te­le­fon­kon­tak­te und Haus­be­su­che sei­en ver­ein­bart wor­den.

Fo­to: Gert West­dörp

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