Stress um Ev­ent­zelt auf Ha­ge­ner Kir­mes

Kri­ti­ker be­fürch­ten Son­der­recht für Ha­ge­ner Gas­tro-Be­trei­ber

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - REGION - Von Wolf­gang El­bers

HA­GEN. Die Kir­mes ist für die Ha­ge­ner be­kannt­lich das High­light des Jah­res. Und in Fra­gen, die das Volks­fest be­tref­fen, wird auch schon mal kräf­tig ge­strit­ten. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn es dar­um geht, ob ein Gas­tro-Be­trei­ber even­tu­ell Son­der­rech­te ein­ge­räumt be­kom­men soll. Im Fa­mi­li­en­aus­schuss stand so­gar der Vor­wurf im Raum, die Ver­wal­tung wür­de bei Platz­ver­ga­ben „ru­mei­ern“.

An­ge­sichts der Zwei­drit­tel­mehr­heit der CDU/FDPG­rup­pe im Ge­mein­de­rat wird es bei den in Aus­schuss-Sit­zun­gen zu tref­fen­den Be­schluss­emp­feh­lun­gen nur sel­ten eng. Auch bei der vor­an­ge­hen­den Be­ra­tung geht es ver­bal sel­ten zur Sa­che. Das war jetzt im Fa­mi­li­en-, Sport-, Kul­tur- und Tou­ris­mus­aus­schuss an­ders.

Beim Punkt „An­trag auf Ge­stat­tung ei­ner Spei­se- und Ge­trän­ke­wirt­schaft zur Ha­ge­ner Kir­mes 2018“gab es am En­de nur ei­ne Ein-Stim­men-Ent­schei­dung für die Ver­wal­tungs­vor­la­ge, zu­nächst für ein Jahr ein gro­ßes Ev­ent­zelt mit rund 80 Sitz­plät­zen auf dem Park­platz Al­te Stra­ße zu ge­neh­mi­gen. Fünf CDU-Ver­tre­ter stimm­ten da­für, die drei SPD-Aus­schuss­mit­glie­der und der Vor­sit­zen­de Klaus Her­ken­hoff (CDU) da­ge­gen – die knapps­te Ab­stim­mung in der bis­he­ri­gen Wahl­pe­ri­ode.

Der Streit­punkt: der An­trag ei­nes orts­an­säs­si­gen Ge­schäfts­manns, der auch Ei­gen­tü­mer der Krie­ge-Im­mo­bi­lie ist, zur Kir­mes auf dem ehe­ma­li­gen Ede­ka-Stand­ort ein 20 mal 25 Me­ter gro­ßes Ev­ent­zelt zu ge­neh­mi­gen, das er in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Re­stau­rant „Lounge Corner“be­trei­ben will. Im An­schluss an die Fer­kel­mark­t­er­öff­nung an Kir­mes­Mon­tag soll hier auch das tra­di­tio­nel­le Früh­stück für die ge­la­de­nen Gäs­te statt­fin­den.

Es geht den Geg­nern da­bei nicht um die Qua­li­tät des An­ge­bots. Das Kon­zept für die Kir­mes-Lo­ca­ti­on, die ne­ben The­ken- und Par­ty­be­reich rund 80 Sitz­plät­ze so­wie „hoch­wer­ti­ge Spei­sen“bie­ten wird und de­ren „ge­ho­be­ne Aus­stat­tung“Fas­sa­den­wän­de, De­ko­ra­ti­ons­him­mel oder Am­bi­ent­be­leuch­tung um­fasst, ist so­gar ein­hel­lig ge­lobt wor­den. „Das ist al­les si­cher her­vor­ra­gend“, sagt et­wa SPD-Ver­tre­ter Jörg Plog­mann, der auch Mit­glied der „Ar­beits­grup­pe Märk­te“der Ge­mein­de ist. Hier sind die Ev­ent­zelt­plä­ne vor der Be­hand­lung im Aus­schuss eben­falls The­ma ge­we­sen. Plog­mann: „Wir wür­den bei ei­ner Ge­neh­mi­gung von der bis­he­ri­gen Li­nie ab­rü­cken, die wäh­rend der Kir­mes­zeit zur Ver­fü­gung ste­hen­den zu­sätz­li­chen Au­ßen­be­rei­che nach dem be­währ­ten Ro­ta­ti­ons­prin­zip zu ver­ge­ben, da­mit auch lo­ka­le Gas­tro-Be­trei­ber, die nicht im Orts­kern an­säs­sig sind, ei­ne Chan­ce ha­ben, ver­tre­ten zu sein.“Der­zeit han­delt es sich hier um zwei Ge­mein­de­flä­chen. Ei­ne Ein­be­zie­hung der Ev­ent­zelt­flä­che in die Ro­ta­ti­ons­ver­ga­be ist aber aus Ver­wal­tungs­sicht nicht mög­lich, da sich der Ei­gen­tü­mer der Flä­che im­mer nur für ein Jahr bin­den will.

In der Aus­schuss­vor­la­ge ist auch erst ein­mal nur ei­ne Ge­neh­mi­gung für 2018 statt des be­an­trag­ten Fünf­jah­res­zeit­raums vor­ge­se­hen, um ein Bild zu ge­win­nen, wie das An­ge­bot an­ge­nom­men wird. Bür­ger­meis­ter Pe­ter Gaus­mann: „Wir glau­ben, dass die­ses Gas­tro-Kon­zept grund­sätz­lich die At­trak­ti­vi­tät der Kir­mes stärkt, da hier vor al­lem Äl­te­ren nicht so­fort die Oh­ren von der Be­schal­lung klin­geln.“Das Am­bi­en­te un­ter­schei­de sich von an­de­ren Zel­ten und se­he auch zahl­rei­che Sitz­ge­le­gen­hei­ten vor. Au­ßer­dem sei ein bun­tes Pro­gramm von Kin­der­un­ter­hal­tung bis Live-Bands vor­ge­se­hen. Gaus­mann: „Nach der Zelt-Pre­mie­re kann dann an­hand der ge­won­ne­nen Er­fah­run­gen dar­über be­ra­ten wer­den, ob der Stand­ort wie von den bei­den Be­trei­bern ge­wünscht er­neut ge­neh­migt wer­den kann.“

Wir­te be­nach­tei­ligt

Die Kri­ti­ker se­hen vor al­lem die Ge­fahr ei­nes „Ver­drän­gungs­wett­be­werbs“, der zu­las­ten der nicht im Zen­trum tä­ti­gen Gas­tro­no­men ge­he. Aus­schuss-Vor­sit­zen­der Her­ken­hoff: „Die Zahl der Kir­mes-Be­su­cher wer­den wir je­den­falls nicht mehr groß stei­gern kön­nen.“

Kri­tisch wird von Mit­glie­dern der AG Märk­te auch ge­se­hen, dass der An­trag­stel­ler mit der Krie­ge-Au­ßen­flä­che so­wie dem Qu­er­beet be­reits an zwei Stand­or­ten ver­tre­ten ist. Her­ken­hoff: „In Ha­gen gibt es noch an­de­re Be­trei­ber, und die soll­ten auch die Chan­ce ha­ben, sich auf der Kir­mes zu prä­sen­tie­ren.“

Die Mehr­heit im Aus­schuss folg­te am En­de dem Ver­wal­tungs­vor­schlag. CDU-Ver­tre­ter Micha­el Grim­mels­mann: „Wir soll­ten uns zu­nächst im Herbst ein Bild von der Qua­li­tät des Ev­ent­zelt-An­ge­bots ma­chen. Dann wird sich zei­gen, ob auch die Ziel­grup­pe 50 plus kommt.“Frak­ti­ons­kol­le­gin Il­ka Pöt­ter wies dar­auf hin, dass die Ver­wal­tung dar­auf ach­te, dass die Zahl der Gas­tro-An­ge­bo­te ins­ge­samt nicht grö­ßer wer­de: „Es gibt zwar ein neu­es Zelt, aber gleich­zei­tig ent­fällt die bis­her an der Stel­le ver­tre­te­ne flie­gen­de Kn­ei­pe. Auch der Qu­er­beet-Au­ßen­be­reich wird ab­ge­schafft.“Da­durch ste­he der Durch­gang zum Gib­ben­hoff wie­der zur Ver­fü­gung. Es blei­be ins­ge­samt beim bis­he­ri­gen Gas­tro-Um­fang.

Bür­ger­meis­ter Gaus­mann ver­wahr­te sich am En­de ge­gen den Vor­wurf, die Ver­wal­tung „eie­re“bei der Stand­ver­ga­be rum: „Der Vor­wurf zielt auch auf die Zeit mei­nes Amts­vor­gän­gers Die­ter Eick­holt und ist völ­lig halt­los.“Es wür­den al­le Gas­tro-Be­trei­ber gleich be­han­delt, wie auch das funk­tio­nie­ren­de Ro­ta­ti­ons­prin­zip zei­ge. Trotz­dem müs­se über­legt wer­den, wie das Kir­me­s­an­ge­bot wei­ter ver­bes­sert wer­den kön­ne.

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