An­ge­klag­ter ge­steht Raub­über­fall

31-Jäh­ri­ger ge­steht Über­fäl­le in Os­na­brück und Os­ter­cap­peln / Über­führt durch DNA-Analyse

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - VORDERSEITE - Von Se­bas­ti­an Phil­ipp

OS­NA­BRÜCK Ein 31-Jäh­ri­ger hat vor dem Land­ge­richt ge­stan­den, im No­vem­ber 2012 das Geld­zähl­bü­ro in der Tief­ga­ra­ge Vi­ti­hof über­fal­len und mehr als 100000 Eu­ro er­beu­tet zu ha­ben. Über­führt wur­de er erst jetzt durch ei­nen DNA-Ab­gleich.

Im Pro­zess um zwei Raub­über­fäl­le mit ei­ner Beu­te jen­seits der 100 000 Eu­ro hat der An­ge­klag­te wäh­rend des ers­ten Ver­hand­lungs­tags am Land­ge­richt Os­na­brück ein Ge­ständ­nis ab­ge­ge­ben. Er räum­te ein, die Ta­ten mit ei­nem nicht nä­her be­nann­ten Mit­tä­ter be­gan­gen zu ha­ben.

OS­NA­BRÜCK Dass der An­ge­klag­te be­reits zu Be­ginn der Ver­hand­lung aus­sa­gen woll­te, zeich­ne­te sich schon im Vor­feld des Ver­hand­lungs­ter­mins ab. Durch sei­nen An­walt ließ der heu­te 31-Jäh­ri­ge In­ter­es­se an ei­ner Ver­stän­di­gung si­gna­li­sie­ren. Kon­kret bot der Mann an, aus­sa­gen zu wol­len, wenn das Straf­maß von sie­ben Jah­ren nicht deut­lich über­schrit­ten wer­de. Ein Vor­schlag, dem sich Ge­richt und Staats­an­walt­schaft nicht ver­wei­gern woll­ten.

Ganz so schnell mit ei­nem Ur­teil ging es dann je­doch nicht: Aus for­mal­recht­li­chen Grün­den wur­den am ers­ten Ver­hand­lungs­tag ei­ne Rei­he von Zeu­gen ge­hört, die in Gr­und­zü­gen die in der An­kla­ge­schrift ver­le­se­nen Vor­wür­fe ge­gen den Mann aus Os­na­brück be­stä­tig­ten.

So ga­ben bei­spiels­wei­se zwei Mit­ar­bei­ter der Os­na­brü­cker Park­stät­ten-Be­triebs­ge­sell­schaft (OPG) ih­re Er­in­ne­run­gen an den 29. No­vem­ber 2012 wie­der. An die­sem Tag hat­te der An­ge­klag­te mit ei­nem Kom­pli­zen das da­ma­li­ge Geld­zähl­bü­ro in der Tief­ga­ra­ge am Vi­ti­hof über­fal­len und statt­li­che 100275 Eu­ro er­beu­tet.

Schul­den durch Dro­gen

Zu den Hin­ter­grün­den ließ er durch sei­nen An­walt mit­tei­len, er ha­be sich zu dem Über­fall hin­rei­ßen las­sen, weil ihn auf­grund sei­nes Dro­gen­kon­sums ho­he Schul­den ge­drückt hät­ten. Er ha­be kei­ne ab­ge­schlos­se­ne Be­rufs­aus­bil­dung und sich sei­ner­zeit im­mer wie­der mit Zeit­ar­beits­jobs über Was­ser ge­hal­ten. Auf die Fra­ge der Rich­te­rin, wo das er­beu­te­te Geld ge­blie­ben sei, gab der Mann ei­ne eben­so knap­pe wie ein­deu­ti­ge Ant­wort: „Vor al­lem im Nacht­le­ben.“

Heu­te will sich der Os­na­brü­cker al­ler­dings wei­test­ge­hend von sei­nem Al­ko­ho­lund Dro­gen­pro­blem ge­löst ha­ben, das er auch für das Schei­tern sei­ner Ehe ver­ant­wort­lich mach­te. Mitt­ler­wei­le sei er wie­der ver­lobt und nun be­reit für ei­ne sta­tio­nä­re The­ra­pie.

Die Idee für den Über­fall ha­be über­dies sein Mit­tä­ter ge­habt, zu dem der heu­te 31Jäh­ri­ge al­ler­dings kei­ne An­ga­ben mach­te. Vor al­lem beim Über­fall auf das OPGBü­ro sei er sel­ber na­he­zu scho­ckiert ge­we­sen an­ge­sichts der un­er­war­tet ho­hen Sum­me.

Am ers­ten Ver­hand­lungs­tag wur­den fast aus­schließ­lich Zeu­gen an­ge­hört, die die Über­fäl­le – ver­han­delt wird auch ein Raub auf ei­nen Os­ter­cap­pel­ner Su­per­markt im Jahr 2015 – als Op­fer mit­er­le­ben muss­ten. Ei­ni­ge von ih­nen hat­ten zeit­wei­se mit psy­chi­schen Pro­ble­men zu kämp­fen. Auch vor die­sem Hin­ter­grund ent­schul­dig­te sich der An­ge­klag­te im Ver­hand­lungs­saal ein­zeln bei al­len Ge­schä­dig­ten.

In den Fo­kus der Er­mitt­lungs­be­hör­den war der Mann erst ei­ni­ge Jah­re nach den Ta­ten ge­rückt. Zum Ver­häng­nis wur­de ihm da­bei der Tref­fer in ei­ner DNA-Da­ten­bank. We­gen ei­nes an­de­ren Ver­ge­hens muss­te der 31Jäh­ri­ge im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne Pro­be ab­ge­ben, die zu ei­ner Über­ein­stim­mung mit Spu­ren aus dem ers­ten Über­fall führ­te. Nach dem Über­fall im Park­haus am Vi­ti­hof hat­ten Be­am­te der Spu­ren­si­che­rung die Fin­ger­kup­pe ei­nes La­tex­hand­schuhs ge­fun­den, an der sich nach­weis­bar DNA-Spu­ren des Os­na­brückers be­fan­den. Auch an ei­ner im über­fal­le­nen Su­per­markt ge­fun­de­nen Plas­tik­tü­te fan­den sich Fin­ger­ab­drü­cke des 31-Jäh­ri­gen.

In der kom­men­den Wo­che wird der Pro­zess fort­ge­setzt, mög­li­cher­wei­se mit der Ur­teils­ver­kün­dung.

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