Zu zag­haft

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - WIRTSCHAFT - M.glas­fort@noz.de

End­lich! Die EZB hat den Ein­stieg in den Aus­stieg aus der ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik ver­kün­det. Die um­strit­te­nen An­lei­he­käu­fe sol­len zum Jah­res­en­de aus­lau­fen. Rund zwei Bil­lio­nen Eu­ro an Staats­pa­pie­ren hat sich die No­ten­bank in die Bi­lanz ge­la­den. Höchs­te Zeit, dass die­ser Pos­ten auf­hört zu wach­sen. Doch bei der Zins­wen­de geht die EZB zu zag­haft vor.

Ih­re un­ge­wöhn­li­che Geld­po­li­tik hat den Wäh­rungs­hü­tern den Vor­wurf der Staats­fi­nan­zie­rung ein­ge­bracht. Of­fi­zi­ell be­grün­det hat die EZB die An­lei­he­käu- fe mit der Ge­fahr sin­ken­der Prei­se. Falls die­se je be­stand, ist sie je­den­falls vor­bei. Die In­fla­ti­ons­ra­te in der Eu­ro­zo­ne lag zu­letzt bei knapp zwei Pro­zent. Über An­lei­he­käu­fe mehr Geld in die Wirt­schaft zu pum­pen er­üb­rigt sich da.

Glei­ches gilt für die Null­zin­sen. Mehr noch: Sie sind un­na­tür­lich. Denn der Zins er­füllt ei­ne wich­ti­ge Funk­ti­on. Er lenkt das Geld dort­hin, wo es am meis­ten Nut­zen stif­tet, er trennt ren­ta­ble von un­ren­ta­blen An­la­gen. Bei Null­zin­sen ge­rät die Wirt­schaft in ei­nen Blind­flug. Spa­rer flie­hen auf der Su­che nach Ren­di­te in Ak­ti­en und Im­mo­bi­li­en und blä­hen de­ren Prei­se auf.

Die EZB hat sich in ei­ne schwie­ri­ge La­ge ma­nö­vriert. Han­delt sie zu forsch, könn­te sie den Auf­schwung ab­wür­gen. Doch lässt sie sich zu viel Zeit mit der Zins­wen­de, fehlt ihr im nächs­ten Ab­schwung der not­wen­di­ge Spiel­raum.

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