Gro­ße Kon­kur­renz mit Mo­ti­va­ti­ons­plus

War­um die Ti­tel­ver­tei­di­gung nicht ge­lingt

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - WM-KICK! - Von Ben­ja­min Kraus

Die WM hat be­gon­nen. Am Sonn­tag greift die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft als Ti­tel­ver­tei­di­ger ins Tur­nier­ge­sche­hen ein. Bei den Buch­ma­chern ste­hen Bra­si­li­en und Deutsch­land hoch im Kurs. Sie sind die größ­ten Fa­vo­ri­ten auf den WMSieg. Da­nach fol­gen Spa­ni­en, Frank­reich und Ar­gen­ti­ni­en. Doch wie stark ist das Team von Trai­ner Joa­chim Löw wirk­lich? Die Vor­be­rei­tung hat ge­zeigt: Es ist noch viel Luft nach oben. Um ge­gen die star­ken Na­tio­nen zu ge­win­nen, be­darf es ei­ner deut­li­chen Leis­tungs­stei­ge­rung. Aber: Dass die Elf da­zu wäh­rend ei­nes Tur­niers in der La­ge ist, hat sie des Öf­te­ren be­wie­sen.

Nicht falsch ver­ste­hen: Als Be­ob­ach­ter vor Ort in Russ­land wür­de ich mich rie­sig freu­en, soll­te Deutsch­land tat­säch­lich den Ti­tel ver­tei­di­gen kön­nen. Müss­te ich aber mein Geld dar­auf ver­wet­ten, wür­de ich es nicht tun. Nicht, weil Joa­chim Löw un­fä­hi­ge Spie­ler no­mi­niert oder sonst Feh­ler ge­macht hat. Son­dern, weil die Kon­kur­renz bä­ren­stark ist und in al­len Spie­len ge­gen den am­tie­ren­den Welt­meis­ter al­les ge­ben wird.

Neh­men wir die Spa­nier: Ge­ra­de herrscht zwar nach dem Trai­ner­wech­sel Un­ru­he – weil das Über­ste­hen der Grup­pen­pha­se ge­gen Ma­rok­ko und Iran aber so oder so ge­lin­gen wird, blei­ben dem neu­en Mann Fer­nan­do Hier­ro zwei Wo­chen, um sei­ne Fuß­bal­ler hin­ter sich zu ver­sam­meln. Und die sind Welt­klas­se: Um den kom­pro­miss­lo­sen Ser­gio Ra­mos fünf wei­te­re Spie­ler von Cham­pi­ons­Le­ague-Sie­ger Re­al Ma­drid, um den ge­nia­len And­res Inies­ta wei­te­re drei Spie­ler des Meis­ters FC Bar­ce­lo­na. Da­zu At­lé­ti­co-Stür­mer Die­go Cos­ta und Stars aus der Pre­mier Le­ague – auf dem Pa­pier die stärks­te Mann­schaft.

Oder die Bra­si­lia­ner, die auf ei­ne WM-Re­van­che nach dem 1:7 vor vier Jah­ren bren­nen – und beim Test­spiel-Sieg in Ber­lin im März ge­zeigt ha­ben, dass sie nun de­fen­siv wie of­fen­siv um Klas­sen bes­ser be­setzt sind. Oder die Fran­zo­sen mit ih­rem rie­si­gen Of­fen­siv­po­ten­zi­al um Ki­li­an Mbap­pé und An­toi­ne Griez­mann, die uns be­reits bei der EM 2016 ge­stoppt ha­ben. Über die Mög­lich­kei­ten der jun­gen En­g­län­der, der ge­reif­ten Bel­gi­er, der er­fah­re­nen Ar­gen­ti­ni­er und des Eu­ro­pa­meis­ters Por­tu­gal ha­ben wir noch nicht mal ge­spro­chen.

Da­zu ha­ben wei­te­re Teams aus Eu­ro­pa und Süd­ame­ri­ka das Zeug zur Über­ra­schungs­elf – viel­leicht ja Me­xi­ko oder Schwe­den aus der deut­schen Grup­pe? Die letz­ten Ti­tel­trä­ger sind schon in die­ser Pha­se des Tur­niers gna­den­los ge­schei­tert – we­der Spa­ni­en (2014 ge­gen die Nie­der­lan­de, Chi­le und Aus­tra­li­en) noch Ita­li­en (2010 ge­gen Pa­ra­gu­ay, Neu­see­land und die Slo­wa­kei) schaff­ten ei­nen Sieg.

Na­tür­lich ge­hen al­le da­von aus, dass Deutsch­land se­ri­ös auf­tritt, kei­nen Geg­ner un­ter­schätzt. Je län­ger das Tur­nier aber dau­ert, des­to mehr wird es dar­auf an­kom­men, letz­te Re­ser­ven zu mo­bi­li­sie­ren – im Kör­per und im Kopf. Und da ha­ben Teams, die hung­ri­ger sind, weil sie noch nie Welt­meis­ter wa­ren, ei­nen Vor­teil. Das zeigt auch die Statistik: Seit 1962 ge­lang es kei­ner Na­ti­on mehr, den Ti­tel zu ver­tei­di­gen.

Die bes­ten WM-Co­mics von Chris­toph Här­rin­ger aus den Jah­ren 2006, 2010 und 2014 – im Netz un­ter www.noz.de/wm-kick

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