Recht auf In­for­ma­ti­on

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - POLITIK - Von Stefanie Wit­te s.wit­te@noz.de

Es ist ab­surd: Selbst der Rich­ter, der die Geld­stra­fe ge­gen die Frau­en­ärz­tin Kris­ti­na Hä­nel nun be­stä­tig­te, hält sei­ne ei­ge­ne Ent­schei­dung für un­ge­recht. Auf Grund­la­ge der be­ste­hen­den Ge­set­ze kann er aber zu kei­nem an­de­ren Ur­teil kom­men. Wenn ein Arzt auf sei­ner In­ter­net­sei­te über Ab­trei­bun­gen in­for­miert, so wie es Hä­nel ge­tan hat, gilt das ju­ris­tisch als Wer­bung. Auch wenn es sich um rei­ne In­for­ma­ti­on han­delt.

Nun wol­len meh­re­re SPD-Mi­nis­ter den ent­schei­den­den Pa­ra­gra­fen 219a im Straf­ge­setz­buch re­for­mie­ren. Ob sie sich end­lich ge­gen den mas­si­ven Wi­der­stand aus der CDU durch­set­zen, ist frag­lich. Da­bei wä­re es al­ler­höchs­te Zeit da­für. Im­mer­hin ist das Ge­setz nach lan­gen ge­sell­schaft­li­chen De­bat­ten da­hin ge­hend ge­än­dert wor­den, dass Schwan­ger­schafts­ab­brü­che bis zum drit­ten Mo­nat straf­frei blei­ben, wenn sich die Schwan­ge­re vor­her be­ra­ten ließ. Da soll­te es auch zum Recht der Frau ge­hö­ren, sich di­rekt auf der In­ter­net­sei­te ei­nes Arz­tes in­for­mie­ren zu kön­nen.

Zu­dem war nicht ein­mal der zu­stän­di­ge Rich­ter im Be­ru­fungs­ver­fah­ren si­cher, ob der Pa­ra­graf 219a ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Die Bun­des­re­gie­rung soll­te sich wei­te­re Bla­ma­gen er­spa­ren und end­lich ei­ne Re­form durch­set­zen, statt nach jah­re­lan­gem Rechts­streit vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt da­zu auf­ge­for­dert zu werden.

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