Ei­ne Röh­re für 60 000 Zü­ge

Ei­sen­bahn­tun­nel in Len­ge­rich wird seit 90 Jah­ren ge­nutzt

Neue Osnabrucker Zeitung - Stadt Osnabruck - - REGION - Von Paul Mey­er zu Brick­wed­de

Vor 90 Jah­ren wur­de der Len­ge­ri­cher Ei­sen­bahn­tun­nel in Be­trieb ge­nom­men. Bis zu 260 Ar­bei­ter hat­ten das Pro­jekt in knapp zwei Jah­ren um­ge­setzt. Die Bahn sagt, das Bau­werk sei im­mer noch in ei­nem sehr gu­ten Zu­stand.

LEN­GE­RICH Es soll Men­schen aus dem Sü­den der Re­pu­blik ge­ben, die das Bau­werk für ei­ne Art 581 Me­ter brei­te Gren­ze hal­ten: Am Süd­aus­gang ist Deutsch­land, am Nord­aus­gang be­ginnt Ost­fries­land. Dass dem na­tür­lich nicht so ist, braucht man ei­nem Len­ge­ri­cher nicht zu er­klä­ren, wenn das Ge­spräch auf den Ei­sen­bahn­tun­nel kommt. Das wich­ti­ge Ver­bin­dungs­stück zwi­schen Os­na­brück und Müns­ter, Köln und Ham­burg, Ruhr­pott und Nord­see wur­de vor 90 Jah­ren in Be­trieb ge­nom­men.

Da­mals, am 10. Ok­to­ber 1928, war al­ler­dings noch nicht klar, dass die Röh­re un­ter dem Teu­to ein­mal den ge­sam­ten Nord-Süd-Schie­nen­ver­kehr auf­neh­men wür­de. In dem Be­richt „Am Knick in der ,Roll­bahn‘ “, den der Len­ge­ri­cher Det­lev Höhn schon vor län­ge­rer Zeit ver­fasst hat, ist zu le­sen, dass zu­nächst noch dar­an ge­dacht war, Zü­ge auf ins­ge­samt vier Glei­sen durch den neu­en und den al­ten Tun­nel fah­ren zu las­sen.

Welt­wirt­schafts­kri­se

Die Welt­wirt­schafts­kri­se mach­te sei­ner­zeit ei­nen Strich durch die­se Rech­nung. „Wa­ren An­fang des Jah­res 1929 noch cir­ca 180 Zü­ge werk­täg­lich auf der Roll­bahn an­zu­tref­fen ge­we­sen, so wa­ren es an ent­spre­chen­den Stich­ta­gen des Jah­res 1933 nicht ein­mal mehr zwei Drit­tel des­sen“, schreibt das Mit­glied der hie­si­gen Ei­sen­bahn­freun­de.

Die Zah­len von vor 89 Jah­ren werden auch heu­te nicht ganz er­reicht. Bahn­spre­cher Tors­ten Neh­ring sagt, dass auf der Stre­cke pro Jahr et­wa 60000 Zü­ge un­ter­wegs sei­en. Das macht durch­schnitt­lich et­wa 164 pro Tag.

Be­gon­nen wur­de der Bau des zwei­ten Tun­nels am 8. No­vem­ber 1926. Den Auf­trag hat­te die Fir­ma Go­ckel & Nie­bur aus Bochum be­kom­men. Det­lef Höhn ver­merkt über die Bau­fort­schrit­te: „Die täg­li­che Aus­bruch­men­ge be­trug cir­ca 150 bis 200 Ku­bik­me­ter, der täg­li­che Klin­ker­ver­brauch für die Aus­maue­run­gen cir­ca 9000 Stück, die täg­li­che Leis­tung an Mau­er­werk cir­ca 1,25 bis 1,50 Me­ter.“Da­mit be­schäf­tigt wa­ren bis zu 260 Ar­bei­ter, un­ter ih­nen 50 Tun­nel­bau-Spe­zia­lis­ten, von de­nen vie­le aus Ös­ter­reich ka­men. Nach gut ei­nem Jahr, am 24. No­vem­ber 1927, ge­lang der Durch­schlag.

Als knapp zehn­ein­halb Mo­na­te spä­ter die In­be­trieb­nah­me er­folg­te, wa­ren rund 3,18 Mil­lio­nen Reichs­mark un­ter dem In­tru­per Berg ver­bud­delt und ver­baut wor­den. Al­ter und neu­er Tun­nel lie­gen, wie bei Wi­ki­pe­dia zu le­sen ist, nur 29 Me­ter aus­ein­an­der; die jün­ge­re Röh­re ist al­ler­dings ei­nen Me­ter tie­fer in den Fels ge­trie­ben wor­den. Und das On­line-Le­xi­kon hält noch et­was an­de­res fest: Der Ei­sen­bahn­tun­nel sei der nörd­lichs­te sei­ner Art in Deutsch­land, der un­ter­halb ei­nes Ge­bir­ges ver­läuft. Für die Bahn wich­ti­ger ist sein Zu­stand. Al­le drei Jah­re, so Tors­ten Neh­ring, ge­be es ei­ne Kon­trol­le. Und fügt hin­zu, dass das be­tag­te Bau­werk „in ei­nem sehr gu­ten Zu­stand“sei. Für die Zu­kunft heißt das: Der Tun­nel kann noch „vie­le Jah­re“ge­nutzt werden.

Fo­to: Mey­er zu Brick­wed­de

Eu­ro­bahn, Fern- und Gü­ter­zü­ge be­fah­ren den Tun­nel auf der Stre­cke zwi­schen Os­na­brück und Müns­ter.

Fo­to: Stadt­ar­chiv der Stadt Len­ge­rich

dau­er­te fast zwei Jah­re. Bis zu 260 Ar­bei­ter wa­ren be­schäf­tigt.

Der Bau der Tun­nel

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.