Von Di­oxin und dem bö­sen Wolf

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE - Von Dirk Fis­ser d.fis­ser@noz.de

Die Ri­si­ko­ab­wä­gung ist der Deut­schen Sa­che nicht. Es lässt sich dar­an er­ken­nen, dass hier­zu­lan­de ei­ne Pa­nik die nächs­te jagt: Di­oxin, Gly­pho­sat, Fi­pro­nil – und ja, auch der Wolf darf in die­ser Auf­lis­tung nicht feh­len, die sich be­lie­big um wei­te­re hys­te­ri­sche De­bat­ten der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te er­gän­zen lie­ße.

Die Angst vor dem Raub­tier steht in kei­nem Ver­hält­nis zur Ge­fahr, die von ihm aus­geht. Ei­ne Ver­sach­li­chung der De­bat­te in Deutsch­land ist drin­gend ge­bo­ten.

We­der die er­neu­te – üb­ri­gens il­le­ga­le, aber den­noch wohl ei­ni­gen lieb­sa­me – Aus­rot­tung des Wol­fes noch sei­ne wei­te­re un­kon­trol­lier­te Ver­brei­tung sind ei­ne Op­ti­on. Die Wei­de­tier­hal­tung ist schüt­zens­wert und in ei­ni­gen Re­gio­nen tat­säch­lich durch das Raub­tier be­droht. Hier müs­sen Be­trof­fe­ne und Po­li­tik han­deln. Durch bes­se­ren Schutz der Nutz­tie­re, aber not­falls eben auch durch das Er­schie­ßen der pro­ble­ma­ti­schen Wöl­fe, denn frei­wil­lig wer­den sie wohl kaum wei­ter­wan­dern.

Dass nun dar­über in je­dem Bun­des­land, in je­der Re­gi­on erst dis­ku­tiert wird, wenn es zu spät ist und die ers­ten Scha­fe tot auf den Wei­den lie­gen, ist nicht dem Wolf an­zu­las­ten. Es ist das Ver­säum­nis ei­ner Ge­sell­schaft, die sich bei ih­ren Ent­schei­dun­gen au­gen­schein­lich lie­ber von Angst als Ver­nunft lei­ten lässt. In die­sem Fall sind ent­we­der der Wolf oder die Scha­fe Op­fer die­ser Ir­ra­tio­na­li­tät.

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