Il­le­ga­le Da­ten­sät­ze: Maas will Auf­klä­rung

Kri­tik an mög­li­cher­wei­se rechts­wid­ri­gen Ein­trä­gen des BKA – Jus­tiz­mi­nis­ter Maas for­dert Auf­klä­rung

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE -

AFP BER­LIN. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) hat sich alar­miert von ei­nem Be­richt über wo­mög­lich mas­sen­haf­te il­le­ga­le Da­ten­spei­che­rung beim Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) ge­zeigt. „Das sind sehr schwer­wie­gen­de Vor­wür­fe“, sag­te er.

Der Skan­dal um den Entzug von Ak­kre­di­tie­run­gen für Jour­na­lis­ten beim G20-Gip­fel war nur der An­fang. Das BKA spei­chert wohl Mil­lio­nen feh­ler­haf­te Ein­trä­ge.

AFP/dpa BER­LIN. Das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) spei­chert mög­li­cher­wei­se il­le­gal Da­ten zu mehr als ei­ner Mil­li­on an­geb­li­chen Straf­ta­ten. Nach Re­cher­chen der ARD geht auch der um­strit­te­ne Entzug von Ak­kre­di­tie­run­gen für Jour­na­lis­ten beim G20-Gip­fel in Ham­burg auf die feh­ler­haf­ten Da­ten­sät­ze zu­rück. Da­ten­schüt­zer er­ken­nen dem­nach „ein Mus­ter“bei fal­schen und rechts­wid­ri­gen Ein­trä­gen.

Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um teil­te dem­nach dem ARD-Haupt­stadt­stu­dio auf An­fra­ge mit, al­lein in der Fall­grup­pe „In­ne­re Si­cher­heit“sei­en ak­tu­ell 109 625 Men­schen und mehr als 1,15 Mil­lio­nen Da­ten­sät­ze zu ein­zel­nen

po­li­tisch mo­ti­vier­ten Straf­ta­ten ge­spei­chert. Das wä­re das 27-Fa­che der ent­spre­chen­den Straf­ta­ten, die in der Kri­mi­na­li­täts­sta­tis­tik 2016 ste­hen. In meh­ren Fäl­len sei­en längst ein­ge­stell­te Er­mitt­lungs­ver­fah­ren oder Jah­re zu­rück­lie­gen­de Ba­ga­tell­de­lik­te in den ak­tu­el­len

Da­ten­sät­zen des BKA ver­blie­ben. Sol­che Spei­che­run­gen sind nach Ein­schät­zung von Ju­ris­ten rechts­wid­rig.

Aus­gangs­punkt der ARDRe­cher­chen wa­ren die Vor­gän­ge um den Entzug von 32 Jour­na­lis­ten-Ak­kre­di­tie­run­gen für den G-20-Gip­fel An­fang Ju­li. Be­grün­det wur­de

dies mit Ein­schät­zun­gen der Si­cher­heits­be­hör­den. Neun Jour­na­lis­ten kla­gen vor dem Ber­li­ner Ver­wal­tungs­ge­richt und wol­len nach­träg­lich fest­stel­len las­sen, dass sie zu Un­recht in ih­rer Ar­beit be­hin­dert wur­den. Der Deut­sche Jour­na­lis­ten­ver­band (DJV) sprach von ei­nem „Ab­grund an Da­ten­miss­brauch“und for­der­te Auf­klä­rung.

Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um räum­te am Mitt­woch Feh­ler ein und er­klär­te, dass fünf der Jour­na­lis­ten wohl zu Un­recht aus­ge­schlos­sen wor­den sei­en. Bei al­len an­de­ren Fäl­len sei „nach der­zei­ti­gem Stand“aber ord­nungs­ge­mäß ver­fah­ren wor­den. In kei­nem der Fäl­le sei­en die Feh­ler beim BKA selbst, son­dern bei zu­lie­fern­den Be­hör­den ge­sche­hen.

Als Kon­se­quenz aus den Feh­lern müs­se der Um­gang mit Da­ten bei Po­li­zei und Bun­des­kri­mi­nal­amt ver­bes­sert und stär­ker ver­ein­heit­licht wer­den, sag­te der Spre­cher des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums. Im Be­reich Da­ten­qua­li­tät ge­be es Hand­lungs­be­darf. Das sei ein län­ger­fris­ti­ger Pro­zess, der be­reits be­gon­nen ha­be.

Das Mi­nis­te­ri­um be­daue­re die in­ak­zep­ta­blen Fehl­ent­schei­dun­gen. Für die Bun­des­re­gie­rung kün­dig­te Vi­ze­spre­che­rin Ul­ri­ke Dem­mer ei­ne Ent­schul­di­gung bei den Be­trof­fe­nen an.

Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) sprach von „schwer­wie­gen­den Vor­wür­fen“und for­der­te ei­ne sorg­fäl­ti­ge Auf­klä­rung. „Ganz klar: Un­nö­tig ge­spei­cher­te Da­ten schaf­fen nicht mehr, son­dern we­ni­ger Si­cher­heit“, sag­te er der ARD.

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