Über­blick ver­lo­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - POLITIK - Von Ma­ri­on Trim­born m.trim­born@noz.de

Ist es wirk­lich Schlam­pe­rei, oder hat es nicht doch Sys­tem? Da sind in ei­ner Da­ten­bank des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes ei­ne Mil­li­on Da­ten über an­geb­li­che Kri­mi­nel­le ge­spei­chert – und vie­le da­von sind ver­al­tet, falsch oder rechts­wid­rig. Da gibt es 18 Ein­trä­ge zu ei­nem Fo­to­gra­fen, der an­geb­lich ei­ne Spreng­stoff­ex­plo­si­on her­bei­ge­führt hat. Da­bei hat­te er le­dig­lich ei­ne De­mons­tra­ti­on fo­to­gra­fiert, als ne­ben ihm ein Feu­er­werks­kör­per ex­plo­dier­te. Für Jour­na­lis­ten kann solch ein Ein­trag er­heb­li­che Nach­tei­le ha­ben, wie die ent­zo­ge­nen Ak­kre­di­tie­run­gen beim G-20-Gip­fel zei­gen – aber na­tür­lich auch für Nor­mal­bür­ger. Was ist, wenn man wirk­lich mal mit dem Ge­setz in Kon­flikt kommt? Oder bei der Ein­und Aus­rei­se die Per­so­na­li­en über­prüft wer­den?

Die Da­ten­sam­mel­wut der Be­hör­den nimmt in Zei­ten des Ter­rors im­mer ab­sur­de­re Zü­ge an. Staat­li­ches Han­deln wird will­kür­lich, wenn es auf schlam­pig ge­führ­ten Da­tei­en be­ruht. So wird die Un­schulds­ver­mu­tung, ein Grund­prin­zip des Straf­rechts, un­ter­gra­ben. Be­hör­den träu­men ja ge­ra­de vom glä­ser­nen Bür­ger. Auch auf EU-Ebe­ne wach­sen die Da­ten­ber­ge der Po­li­zei. Aber er­folg­rei­cher ist die Fahn­dungs­ar­beit da­durch nicht un­be­dingt, man den­ke nur an den po­li­zei­be­kann­ten Ber­li­ner At­ten­tä­ter Anis Am­ri. Viel­mehr ver­fes­tigt sich der Ein­druck: Die Si­cher­heits­be­hör­den ha­ben in­zwi­schen ein­fach den Über­blick ver­lo­ren.

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