Ruf nach Sta­ti­ons­apo­the­kern wird lau­ter

Kam­mer schlägt nach Kli­nik­mor­den Alarm – Wi­der­stand von Kran­ken­haus­ge­sell­schaft

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - NORDWEST -

dpa HAN­NO­VER. Schon als sich der Um­fang der Pa­ti­en­ten­mor­de ei­nes Ex-Kran­ken­pfle­gers bloß er­ah­nen ließ, griff Nie­der­sach­sen zu Maß­nah­men für mehr Si­cher­heit in Kli­ni­ken. Ein Son­der­aus­schuss des Land­tags such­te Schwach­stel­len, ein lan­des­wei­ter Pa­ti­en­ten­schutz­be­auf­trag­ter wur­de be­stimmt, die Lei­chen­schau ver­schärft, und Kli­ni­ken wur­den zum Ein­stel­len von Pa­ti­en­ten­für­spre­chern ver­pflich­tet. Ein neu­es Kran­ken­haus­ge­setz soll in den Kli­ni­ken zu­dem deutsch­land­weit erst­ma­lig Sta­ti­ons­apo­the­ker vor­schrei­ben.

We­gen der vor­ge­zo­ge­nen Land­tags­wahl steht das Ge­setz nun aber auf der Kip­pe, die Apo­the­ker­kam­mer schlägt Alarm. „An­ge­sichts die­ser Mord­se­rie zu sa­gen, die­ses Ge­setz ver­ta­gen wir, mög­li­cher­wei­se ver­schwin­det es, wä­re nicht ver­ant­wor­tungs­ge­mäß“, sag­te der Lan­des­chef des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Kran­ken­haus­apo­the­ker, Mat­thi­as Bohn, am Mitt­woch in Han­no­ver.

Im di­rek­ten Kon­takt mit Kli­nik­pa­ti­en­ten und -ärz­ten ste­hen­de Sta­ti­ons­apo­the­ker hät­ten die Mord­se­rie wohl nicht kom­plett ver­hin­dert. Auf­fäl­lig­kei­ten beim Me­di­ka­men­ten­ein­satz aber wä­ren schnel­ler ent­deckt wor­den, und ei­ne grö­ße­re Zahl der To­des­fäl­le hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen, so Bohn.

Der be­reits als Pa­ti­en­ten­mör­der ver­ur­teil­te Ex-Pfle­ger Niels H. hat nach letz­ten Er­mitt­lun­gen min­des­tens 84 wei­te­re Men­schen um­ge­bracht. Da­zu spritz­te er Pa­ti­en­ten ei­ne Über­do­sis von Me­di­ka­men­ten. Ein­zel­ne Kli­ni­ken in Nie­der­sach­sen ha­ben be­reits Sta­ti­ons­apo­the­ker zu­sätz­lich zur klas­si­schen Kran­ken­haus­apo­the­ke.

An­ge­sichts der Se­rie von ge­tö­te­ten Pa­ti­en­ten in Del­men­horst und Ol­den­burg rief die Apo­the­ker­kam­mer das Land da­zu auf, die Än­de­rung des Kran­ken­haus­ge­set­zes mög­lichst noch vor der Land­tags­wahl am 15. Ok­to­ber zu be­schlie­ßen.

Aber es gibt Wi­der­stand, und zwar von der Kran­ken­haus­ge­sell­schaft, die die­sen am Mitt­woch un­ter­mau­er­te. Kri­mi­nel­ler Miss­brauch von Me­di­ka­men­ten las­se sich durch zu­sätz­li­che Apo­the­ker nicht ver­hin­dern. Die Fi­nan­zie­rung der Sta­ti­ons­apo­the­ker sei of­fen, die Kran­ken­kas­sen in Nie­der­sach­sen hät­ten die­se be­reits ab­ge­lehnt. Au­ßer­dem sei­en so vie­le Apo­the­ker so schnell nicht ver­füg­bar.

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